Inhalt | Print-Ausgabe 04/2020
17.12.2020

Globaler Boom im Visier

Die Welt steht vor großen Umbrüchen: In den USA tritt ein neuer Präsident an, in Asien ist das Freihandelsabkommen beschlossen worden. Obendrein rückt die Impfwelle gegen das Coronavirus näher. Die Entwicklungen eröffnen Anlegern weltweit eine Vielzahl an Chancen, die sich mit global aufgestellten Portfolios am besten nutzen lassen. FONDS exklusiv hat sich die Strategien der Top-Fondsmanager angesehen.

von Raja Korinek

Adobe Stock

Das Jahr 2020 wird Anlegern wohl länger in Erinnerung bleiben. Der Ausbruch der Corona-Pandemie sorgte für eine Achterbahnfahrt auf den Börsen im vergangenen Frühjahr. Das Virus hinterlässt auch tiefe Spuren in der globalen Realwirtschaft, sie bricht gerade kräftig ein. Allerdings nimmt die Krise je nach Region unterschiedliche Dimensionen ein. Sie scheint in China beinahe überwunden, dort ging das Regime rigoros gegen die Ausbreitung vor. kämpft hingegen mit einer neuen Welle. Auch in den USA steigt die Zahl der Neuinfizierten weiter an.

Wohin könnte damit die globale Reise noch gehen? Das haben sich die Experten bei Goldman Sachs angesehen. Sie glauben, das globale Wirtschaftswachstum dürfte 2021 bei gut sechs Prozent liegen. Allein in China könnte es 7,5 Prozent erreichen. Demgegenüber traut man der Eurozone und den USA je ein Wachstum von 5,3 Prozent zu. Freilich, zu dem Aufschwung dürfte eine Vielzahl an Entwicklungen beitragen. Allen voran rückt eine globale Impflösung gegen das Corona-Virus näher, womit das weltweite Handelsgeschehen wieder an Fahrt gewinnen dürfte.

Das ist angesichts der Rekordschulden, die Staaten angehäuft haben, auch dringend notwendig. „Bei den G7-Ländern sieht es besonders drastisch aus. Dort werden die öffentlichen Schulden 2020 von knapp 120 Prozent auf über 140 Prozent des Bruttoinlandsproduktes steigen“, konstatiert Jörn Quitzau, Volkswirt bei der Berenberg Bank (siehe Grafik „Staatsschulden G7-Länder“).

 

 

Ebenso beachtlich sind aber auch die Anleihekäufe der Zentralbanken als Stützungsmaßnahmen, wobei in den vergangenen Monaten jene aus der Eurozone und Japan besonders kräftig zulangten.

In Asien schlossen zudem 14 asiatisch-pazifische Länder – inklusive China, Australien und Neuseeland – das weltweit größte Freihandelsabkommen ab. Es soll vor allem die Wirtschaft in der Region ankurbeln. Auch auf die USA kommen neue Zeiten zu: Dort hegt der frisch gewählte Präsident Joe Biden große Pläne, etwa zur Förderung erneuerbarer Energien. Und in Europa ist man um die Ratifizierung des 750-Milliarden-Euro schweren Wiederaufbaufonds bemüht.

Aktien bleiben alternativlos

Angesichts einer Vielzahl an globalen Entwicklungen ergeben sich auch für Anleger reichlich Chancen. Sie nutzt man am besten mit Aktienfonds, die weltweit investieren, zumal Anleihen kaum eine vernünftige Alternative bieten. Bei T. Rowe Price unterstreicht man diese Tatsache mit der hohen Differenz zwischen der durchschnittlichen Gewinnrendite am S&P 500 abzüglich der Rendite zehnjähriger Staatsanleihen, wie die Grafik unten „Aktien sind vergleichsweise günstig“ aufzeigt. Die Differenz ist mit rund drei Prozentpunkten nach wie vor auf historisch hohem Niveau. Aus heutiger Sicht bietet ein langfristiges Aktieninvestment damit einen durchaus höheren Ertrag als ein Anleiheinvestment.

Michiel Plakman, Fondsmanager des Robeco Sustainable Global Stars Equities Fund, verweist auf einen weiteren Vorteil eines globalen Aktieninvestments. Er meint, einzelne Sektoren würden dadurch noch genauer durchleuchtet werden. Das wäre bei regionalen Einschränkungen in dem Ausmaß nicht möglich. „In Sektoren wie Technologie kann dies besonders sinnvoll sein.“ Dass Plakman dabei auch auf einen nachhaltigen Ansatz dezidiert setzt, hat der Wertentwicklung sichtlich geholfen. Sowohl Robeco als auch der DPAM-Invest-Fonds stechen im Schnitt auf mehrere Laufzeiten besonders positiv hervor.

Die Tatsache, dass sich das gute Gewissen mit ansehnlichen Renditen verbinden lässt, ist freilich nicht neu. FONDS exklusiv berichtete in der Ausgabe 2/2020 mit „Grüne Flaggschiffe auf Kurs“ über solide Renditechancen mit nachhaltigen Investments. Doch auch bei anderen globalen Aktienfonds – wie sie etwa die Tabelle aufzeigt – fließen bei den Anlageentscheidungen Nachhaltigkeitskriterien längst hinein. Schließlich führt daran längst kein Weg mehr vorbei.

Substanz und Wachstum in Einem

Sowohl der Robeco- als auch der DPAM-Fonds sind im Übrigen in der Morningstar-Kategorie der globalen Aktien „Blend“, bei denen der Fokus sowohl auf Wachstums- als auch auf Valueaktien gesetzt wird (siehe dazu den Kasten „Eine Frage des Ansatzes“). Derzeit wird Plakman vor allem in der Technologiebranche fündig. Insgesamt machen die IT- sowie die Kommunikationsbranchen rund 44 Prozent des Fonds aus, gefolgt von der Gesundheitsbranche. „Der nachhaltige Aspekt bietet eine zusätzliche Sichtweise auf die Unternehmensanalyse“, schlüsselt Plakman seinen Ansatz näher auf. Mit seiner Titelselektion strebt er unter anderem geringe Umweltauswirkungen – bezogen auf Emissionen von Treibhausgasen, Wasserverbrauch sowie die Müllerzeugung – an.

Zu den größten Fondspositionen zählen dabei Microsoft, Charter Commications und Apple. Allein Microsoft setzt bei dem Betrieb seiner großen Rechenzentren zunehmend auf erneuerbare Energien, um einen Nachhaltigkeitsaspekt hervorzuheben. Allerdings wächst die Sorge rund um eine mögliche Zerschlagung der US-amerikanischen Technologiekonzerne. Die Gefahr schätzt der Robeco-Experte hingegen als gering ein. Den Grund sieht er in der künftigen Zusammensetzung des US-Senats. Darin dürften die Demokraten nämlich keine Mehrheit erreichen. „Somit dürfte es auch zu keinen Wettbewerbsverfahren gegen die Technologiekonzerne kommen“, glaubt Plakman.

Und falls es doch zu einer Zerschlagung der größten Branchen-Player käme? Dann könnten die einzelnen Gesellschaften, die daraus entspringen würden, immerhin interessantes Potential bieten, fügt Rhadika Surie, Fondsmanagerin des Fidelity Funds - World Fund, hinzu. Sie setzt derzeit zu rund 27 Prozent mit großen US-Konzernen auf die IT-Branche.

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