Inhalt | Print-Ausgabe 03/2017
12.10.2017

Im Netzwerk des Geldes

Um den Überblick über ein weit verzweigtes Vermögen zu bewahren, bieten Privatbanken eigens ein Financial Planning an. Damit können vernetzte Vorschläge in einer zunehmend komplexen Welt erstellt und Fehlentscheidungen möglichst vermieden werden.

von Raja Korinek

Foto: Fotolia

Für viele Vermögende ist an dem Spruch auch heute noch etwas Wahres dran, als einst der US-Ölmagnat Jean Paul Getty sagte: „Über Geld spricht man nicht, man hat es.“ Doch das, meint Gaston Giefing, Leiter Raiffeisen Private Banking Wien, sollte inzwischen der Vergangenheit angehören. „Je früher man damit beginnt, über Geld zu sprechen, desto besser“, ist Giefing überzeugt. Und das hat auch einen handfesten Grund. Denn viele Vermögensaspekte sind zunehmend komplexer, aber auch internationaler geworden. Beispielsweise wenn das eigene Firmengeflecht auch grenzüberschreitend agiert oder eine Stiftung im Ausland errichtet wurde. Wenn dann auch noch ein Wertpapiervermögen bei verschiedenen Banken aufgebaut wurde, kann es durchaus passieren, dass man den Gesamtüberblick allmählich verliert.

Genau hier setzen die Privatbanken mit dem Financial Planning an. Dabei handelt es sich um einen strukturierten – und meist einen EDV-gestützten – Prozess zur Erarbeitung und Entwicklung von Strategien, „der dem Kunden helfen soll, die finanziellen, beruflichen und familiären Angelegenheiten, wie etwa die Ausbildung der Kinder, so zu regeln, dass die Lebensziele erreicht werden können“, bringt es Susanne Höllinger, Vorstandsvorsitzende der Kathrein Privatbank, auf den Punkt. Dabei muss es sich nicht nur um vermögende Privatkunden handeln, es können zum Beispiel auch Unternehmer oder selbst Stiftungsvorstände sein. Begonnen wird freilich stets mit einer „Ist“-Analyse, quasi eine Bestandsanalyse von allen Vermögenswerten. Danach wird mit einer vernetzten Planung – abgestimmt auf die aktuellen Ziele – bis hin zur Umsetzung begonnen. Wobei dazu auch externe Spezialisten wie Steuerberater, Rechtsanwälte und Notare hinzugezogen werden können. „Zusätzlich sollten auch unterschiedliche Szenarien entwickelt werden, um Annahmen über zukünftige Entwicklungen abzubilden“, sagt Höllinger. Dazu kann beispielsweise ein „Erwartungstrichter“ entwickelt werden, der einen Worst- und einen Best Case aufzeigt.

Gesamtüberblick bleibt im Fokus

Wie vorteilhaft diese Dienstleistung sein kann, das sollte man jedenfalls nicht unterschätzen. Schließlich sei das Beratungsangebot deshalb so wichtig, „da ein gesamthafter und qualitativer Blick auf alle Vermögenswerte erfolgt“, resümiert Franz Witt-Dörring, Vorstandsvorsitzender der Schoellerbank. „Obendrein werden in einem privaten Haushaltsbuch die Einnahmen mit den laufenden sowie einmaligen Ausgaben gegenübergestellt und im Rahmen von Hochrechnungen die Entwicklungen dargestellt“, verweist Witt-Dörring auf den laufenden Prozess, den Financial Planning bei der Begleitung der Vermögensangelegenheiten bietet.

Dabei können sich durchaus große Vorteile ergeben. Immerhin können dadurch frühzeitig Handlungsmaßnahmen abgeleitet werden, sagt der Schoellerbank-Boss. Als Beispiele nennt Witt-Dörring etwa die Erkennung von Liquiditätsengpässen aufgrund höherer Ausgaben sowie Ineffizienzen in der Vermögensstruktur oder einen etwaigen Handlungsbedarf bei der Nachfolgeplanung.

Auch werde eine laufende Aktualisierung empfohlen, fügt Privatbankerin Sonja Pölzl vom Bankhaus Krentschker hinzu, „vor allem dann, wenn sich ein Lebensparameter ändern sollte“. Allerdings können sich auch externe Faktoren ändern. So werde der strategisch ausgerichtete Finanzplan laufend „an die sich ändernden rechtlichen, gesellschaftspolitischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen angepasst“, meint Raiffeisen-Banker Giefing. Das betreffe beispielsweise Änderungen im Stiftungs-, Erb- oder Immobilienrecht.

Unterschiedliche Mindestsummen

In diesen Punkten sind sich die Privatbanker jedenfalls einig. Ein wenig differenzierter wird es bei den Mindestsummen, hier gibt es freilich keine fixe Grenzen. Sie sind bei den Privatbanken unterschiedlich hoch eingezogen. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass auch diese Dienstleistung mit Kosten verbunden ist, weshalb man nicht mit allzu geringen Summen an das Financial Planning herangehen sollte. Im Raiffeisen Private Banking setzt man die Mindestsumme bei 500.000 Euro an, ab der es sich lohnt. Bei der Schoellerbank setzt man hingegen bei gut einer Million Euro an, um eine komplexe Vermögensstruktur zu analysieren, „wenngleich ebenso bei geringeren Vermögenswerten eine ganzheitliche Betrachtung erforderlich sein kann“, erklärt Witt-Dörring. Denn nur so können Fehlentscheidung bestmöglich vermieden werden. Und die kommen schließlich immer wieder vor, wenn es keine vernünftige Planung gibt, wissen die Privatbanker nur allzu gut aus ihren Erfahrungen zu berichten.

Wichtige Fehleranalyse

So sei etwa ein klassischer Fehler der häufige Wechsel der Anlagestrategie, zeigt Krentschker-Bankerin Pölzl auf. „Stark auftretende Schwankungen an den Börsen führen immer wieder dazu, dass Kunden von ihrer Strategie abweichen und sich von ihren Gefühlen leiten lassen.“ Das führe wiederum dazu, dass mit Verlusten verkauft bzw. mit überhöhten Kursen Risiko in das Depot aufgenommen werde. Eine Abweichung bzw. Anpassung der Strategie im Finanzplan sei laut Pölzl nur dann sinnvoll, wenn sich ein Lebensparameter ändere. Die Schwankungen an den Börsen dürften hingegen niemals der Auslöser sein.

Auch Giefing verweist auf häufige Fehler, zu denen der Raiffeisen-Experte etwa einen zu kurzfristigen Planungshorizont zählt. Bei freien Berufen könne es zudem an einer fristenkonformen Finanzierung mangeln. Damit ist gemeint, dass betriebliche Investitionen oft über den Betriebsmittelrahmen anstatt über einen Einmalkredit mit entsprechender Laufzeit getätigt werden. „Dadurch schränkt der Unternehmer seine kurzfristige Liquidität ein“, so Giefing.

Zudem könne sich im Rahmen von Financial Planning herausstellen, dass der Kunde bislang evidente Risiken übersehen habe, wie etwa die Vorsorge für eine mögliche Berufsunfähigkeit oder eine drohende Pensionslücke. Selbst bei der Nachfolgeregelung hätten womöglich Maßnahmen bereits eingeleitet werden müssen. Oftmals erlebe man ein Stückwerk von „Kraut & Rüben“ ohne klaren Fokus und ohne langfristige Planung, ergänzt Höllinger von der Kathrein Privatbank.

Junge mit anderen Bedürfnisses

Wie wichtig das Thema Generationen tatsächlich ist, das zeigt sich allerdings nicht nur bei der Nachfolgeregelung. Auch beim Financial Planning selbst kann es zwischen den Generationen große Unterschiede geben. Schließlich haben jüngere Menschen ganz andere Bedürfnisse als ältere Kunden. „Meist sind auch die finanziellen Mittel ganz anders gelagert. Hier kann als wichtigster Unterschied vor allem der Zeithorizont genannt werden“, sagt Pölzl. Ältere Kunden, die in der Regel selbst schon sehr gut versorgt seien, wollten die nächste Generation gut abgesichert wissen. Junge Menschen, die gerade am Anfang ihrer Lebensplanung stünden, „beschäftigen sich mit Themen wie Familiengründung, Hausbau, Karriere und Vorsorge“.

Obendrein müssten bei jungen Kunden im Laufe der Zeit naturgemäß öfter Veränderungen der Lebensumstände berücksichtigt werden, „sei es im Rahmen beruflicher Neuorientierungen oder auch bei familiären Veränderungen durch Heirat und Kinder“, betont Witt-Dörring von der Schoellerbank. Diese geänderten Rahmenbedingungen seien für eine Finanzplanung besonders wesentlich, weshalb ein Finanzplan auch kontinuierlich – etwa alle drei bis fünf Jahre – adaptiert werden sollte, wie der langjährige Privatbanker meint.

Einerlei, für welche Strategie man sich entscheidet: Letztendlich sei der Umgang mit Geld eine Vertrauenssache, fügt Höllinger von der Kathrein Privatbank noch hinzu. „Die Kunden müssen ihrem Berater vertrauen können und sich und ihre Interessen sicher aufgehoben fühlen.“ Nur dann könne auch eine umfassende Analyse erstellt werden. Und genau in diesem Zusammenspiel der bisherigen Erfahrungen, den getätigten Veranlagungen sowie den langfristigen Zielen, kann letztendlich auch ein individueller Finanzplan vernünftig erstellt werden.