Inhalt | Print-Ausgabe 01/2018
18.04.2018

Infrastruktur: Zwei Schritte vor, ein halber zurück

In die Infrastruktur zu investieren, ist nicht nur für die Allgemeinheit ein Gewinn, sondern langfristig auch für Anleger. FONDS exklusiv hat nachgeschaut, welche Fonds den Börsenturbulenzen standhalten konnten und wer neu auf den Markt drängt.

von Thomas Müller

Foto: Fotolia

aut einer Studie der Weltbank müssten in den USA bis 2040 an die zwölf Billionen US-Dollar in die Hand genommen werden, um etwa die desolaten Straßen und Wasserleitungen zu sanieren. Im Februar 2018 kam dann auch das lange von Präsident Donald Trump angekündigte Infrastrukturpaket mit 1,5 Billionen US-Dollar, von denen aber nur 200 Millionen aus dem Bundesbudget stammen sollen. Der große Rest soll von den Bundesstaaten, den Gemeinden und privaten Investoren kommen. Die Kritik an Trumps Entwurf folgte prompt: Was in die eine Tasche hineinkomme, gehe aus der anderen wieder heraus. Denn im Budgetentwurf für 2019 werde bei Infrastruktur-Ausgaben für Straßen, Brücken und dem öffentlichen Verkehr gleich um 275 Milliarden US-Dollar gekürzt. Für den Bloomberg-Kolumnisten Jonathan Bernstein ist das Trump-Paket ohnehin praktisch tot, weil der Präsident politisch zu unerfahren und schwach sei, um es im Kongress durchzubringen. Dabei muss er vor allem mit dem Widerstand der Republikaner rechnen. Diesen ist es egal, wer gerade im Weißen Haus sitzt, wenn ihnen ein Gesetzesvorschlag nicht gefällt. Erste Statements aus dem Senat, dass dieses Jahr für den Infrastruktur-Plan wohl "keine Zeit mehr sein werde", deuten schon auf ein Schicksal im Schredder hin. Vor einem Jahr, kurz nach Trumps Amtsantritt, witterten Anleger und Fondsmanager noch vorsichtig Morgenluft, schließlich profitieren am Ende auch Unternehmen von öffentlichen Investitionen. Ob von diesem Optimismus noch viel übrig ist, darf inzwischen bezweifelt werden.

Börsendynamik und US-Dollar bremsen

Relevant sind solche Entwicklungen vor allem, weil die USA der größte und liquideste Markt für Infrastruktur-Investments sind. Dementsprechend beliebt sind die Möglichkeiten, die sich für die Asset Manager bieten, seien es Unternehmen oder Direktinvestments in Projekte. Unabhängig von der Weltregion geht es in der Regel um Milliarden-Summen und die Konzerne, die hier bei den öffentlichen Aufträgen mitmischen, haben eine gewisse Preissetzungsmacht. Bestehende Infrastruktur besticht durch regelmäßige Einnahmen, an denen der Nutzer oft nicht vorbei kommt. In den vergangenen zwei Jahren konnten die meisten Fonds, die auf das Thema Infrastruktur gesetzt haben, von diesen Vorteilen profitieren und nach einer Schwächeperiode wieder Kursgewinne einfahren. Vor den Einbrüchen an den großen Börsen im Februar waren aber auch sie nicht gefeit und so mussten die Anleger einen Teil der gemachten Renditen wieder abgeben. So geschehen etwa beim Ve-Ri Listed Infrastructure von Veritas Investments, der Ende Februar im Drei-Jahres-Vergleich noch bei plus 8,9 Prozent stand. Allein im laufenden Jahr sind 4,2 Prozent des Kurses weggeschmolzen. Für den zuständigen Fondsmanager Christian Riemann noch kein Grund die systematische Aktienselektion zu ändern: „Der Fonds konnte bisher mit einer geringen Volatilität sowie einer geringen Korrelation zu den Aktienmärkten überzeugen. Seit der Neustrukturierung im Mai 2013 verzeichnete der Fonds einen Wertzuwachs von neun Prozent per anno.“ Der Spitzenreiter vor einem Jahr, der BZ Fine Infra, musste 2018 ebenfalls zurückstecken (minus 2,5 Prozent), aber blieb über drei Jahre mit beachtlichen 46,65 Prozent im Plus. Der zuletzt zweitplatzierte Indien-Infrastruktur-Fonds von Amundi hat sich trotz Verlusten bei immerhin 22,31 Prozent Drei-Jahres-Rendite gehalten. Allerdings ist der Fonds in US-Dollar notiert und so bleiben dem Euro-Anleger lediglich 12,35 Prozent Rendite übrig. Keine Alternative waren dieses Mal die passiv verwalteten ETFs. Der Xtrackers S&P Global Infra UCITS ETF der Deutschen Asset Management war über drei Jahre nur mehr mit 0,9 Prozent im Plus, der iShares Global Infrastructure UCITS ETF von Blackrock mit 1,86 Prozent. Hier dürften neben dem Rücksetzer im Februar auch die Dominanz der US-Unternehmen und der unvorteilhafte US-Dollar-Kurs eine Rolle gespielt haben.

Nachhaltigkeit vs. Fußabdruck

Ein neues Angebot hat Ende 2017 First State Investment aus Australien auf den Markt gebracht. Der First State Sustainable Listed Infrastructure berücksichtigt auch die bereits etablierten ESG-Kriterien (ökologisch, sozial, Gouvernance) und man hat es vor allem auf die institutionellen Anleger abgesehen, die oft nicht mehr um nachhaltige Investments herumkommen. Portfoliomanagerin Rebecca Sherlock in Sidney verfolgt dabei einen Best-in-Class-Ansatz, das heißt, es werden die relativ Besten nach ESG-Kriterien in einer Branche bevorzugt. Zur Auswahl stehen Versorgungsunternehmen, Betreiber von Mautstrecken und Eisenbahnlinien, Häfen, Flughäfen, Pipelines und Lagereinrichtungen sowie Mobilfunkmasten und Satelliten. „Infrastruktur-Assets sind große, langlebige und materielle Assets, die meist einen großen ökologischen Fußabdruck hinterlassen und daher eine breite Zustimmung innerhalb der Öffentlichkeit benötigen“, erklärte Sherlock beim Start des Fonds. „Dies bedeutet, dass bereits kleine Änderungen in der Art und Weise wie ein Unternehmen agiert, Auswirkungen auf die Menschen und die Umwelt hat sowie auf die Fähigkeit, nachhaltig positive Renditen zu erwirtschaften.“ Über einen aussagekräftigen Track Record verfügt der Fonds naturgemäß noch nicht. Der klassische Infrastruktur-Fonds von First State hat sich mit 7,19 Prozent über drei Jahre relativ gut gehalten, hat aber bisher im laufenden Jahr mit minus 6,84 Prozent für wenig Freude bei den Anlegern gesorgt.

Buchstäblich flüssig

Besser erging es jenen, die noch spezieller in das Thema eingestiegen sind und in die Versorgung mit Wasser investiert haben. Einer der ersten Wasserfonds war der Swisscanto Equity Fund Global Water Invest, der in den zehn Jahren seines Bestehens das Kapital fast verdoppeln konnte (plus 94,5 Prozent). In den vergangenen drei Jahren waren es immer noch 9,15 Prozent. Mit rund einem Drittel ist der Fonds in Wasserversorger investiert, aber über Technologieunternehmen auch in den Aufbau von neuer Wasserinfrastruktur. Noch länger, nämlich seit 18 Jahren, gibt es den Pictet Water P, der sogar noch etwas mehr Rendite geliefert hat als der Swisscanto-Fonds (101,1 Prozent in zehn Jahren). Gemeinsam haben beide Fonds, dass sie zur Hälfte in US-Unternehmen investiert sind und damit ein gewisses regionales Risiko besteht.

 

 

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