Inhalt | Printausgabe 1 / 2022
07.04.2022

Infrastrukturfonds bieten Chancen in Krisenzeiten

Die Inflation steigt, der Sanierungsbedarf zahlreicher Brücken und Straßen ebenso. Zugleich wächst der globale Energie- und Datenverbrauch. Für all solche Herausforderungen liefert die globale Infrastrukturbranche langfristige notwendige Lösungen und bietet Anlegern in turbulenten Marktzeiten wie diesen einen defensiveren Börsenzugang.

von Raja Korinek

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Für die italienische Metropole Genua war es ein besonders schwarzer Tag: Am 14. August 2018 stürzte die längst sanierungsbedürftige Ponte Morandi ein, wobei insgesamt 43 Menschen starben. Mitte Februar erhob nun die Staatsanwaltschaft Anklage gegen insgesamt 59 Beschuldigte sowie zwei Firmen. In Deutschland wurde ein mögliches Unglück erst gar nicht abgewartet. Am 6. Februar wurde die 500 Meter hohe – vor allem aber marode – Talbrücke im Siegerland bei Wilnsdorf in Nordrhein-Westfalen gesprengt. Die Aktion war Teil eines größeren Sanierungsplanes der Autobahngesellschaft des Bundes, der vorsieht, dass mehrere in die Jahre gekommene Brücken gesprengt werden sollen.

Klaffende Investitionen bei Infrastruktur

Diese Beispiele verdeutlichen, wie wichtig eine funktionierende Infrastruktur für eine moderne Wirtschaftswelt ist. Ein Umstand, an dem auch geopolitische Konflikte nichts ändern. Prabal Sidana, Leitender Portfoliomanager für den Partners Group Listed Infrastructure Fonds, sagt: „Ohne Zugang zu Transport, Kommunikation, Energie oder Wasserversorgung, können Grundbedürfnisse der Bevölkerung nur eingeschränkt gedeckt werden und Unternehmen nicht erfolgreich wirtschaften.“ Dabei sei es grundsätzlich Aufgabe der Regierungen, Infrastruktur zu erhalten oder neu zu bauen. Doch dies war zuletzt nicht immer der Fall. „Aufgrund der zunehmenden Verschuldung und der sich ändernden Prioritäten der Regierungen bei der Verwendung der verfügbaren Mittel gab es eine anhaltende Phase der Unterinvestitionen in die Infrastruktur“, konstatiert Sidana.

Während der Finanzkrise wurde verstärkt auf die Rettung des globalen Bankensystems geachtet. Zuletzt stand inmitten der Corona-Pandemie die soziale Unterstützung im Vordergrund. Dies habe dem Partners-Group-Experten zufolge zu einer Lücke zwischen den erforderlichen und den tatsächlich getätigten Investitionen in die globale Infrastruktur geführt, die inzwischen immer öfters von privatwirtschaftlichen Unternehmen gefüllt wird. Die erforderlichen Summen sind beachtlich. Sidana verweist auf Prognosen des britischen Prognoseinstituts Oxford Economics in diesen Zusammenhang: Bis zum Jahr 2040 werden demnach weltweit Investitionen in Höhe von 94 Billionen US-Dollar allein in Sektoren wie Wasser, Energie, Transport und Kommunikation benötigt.

Dabei sind dies zugleich auch die Hauptsektoren, die man als Kern-infrastruktur erachtet, betont Sidana und verweist auf die Vorzüge solcher Unternehmen: „Sie punkten mit defensiven Eigenschaften, etwa mit stabilen Cashflows über einen langen Zeitraum, bieten einen weitreichenden Inflationsschutz und weisen eine geringere Sensitivität gegenüber dem Konjunkturzyklus auf.“ All solche Eigenschaften dürften angesichts der wachsenden geopolitischen Turbulenzen im Osten Europas, aber auch der steigenden Inflation zunehmend in den Fokus rücken.

Aufholpotential bei Infrastrukturaktien

Doch wie sehr hinkte der Infrastruktursektor bislang nach? Ein historischer Vergleich verdeutlicht die Divergenz, wie die Grafik unten zeigt: Allein in den vergangenen fünf Jahren legte der MSCI Infrastructure Index um jährlich 6,76 Prozent per Ende Januar 2022 zu, während der MSCI Weltindex um rund 14 Prozent pro Jahr anstieg. In letzterem Index nimmt die IT-Branche eine Gewichtung von gut 23 Prozent ein. Dazu zählen etwa Alphabet, Amazon und Microsoft. Im Infrastruktur-Index entfällt die größte Gewichtung mit 31 Prozent hingegen auf Stromversorger. Auch weitere Kennzahlen liefern interessante Einblicke: Der Infrastruktur-Index hat im Vergleichszeitraum eine geringere Volatilität gezeigt als der MSCI Weltindex, wenn auch die Vergangenheit freilich kein Garant für die Zukunft ist. Für Marc Caretti, Fondsmanager des Raiffeisen-Infrastruktur-Aktien, liegen die Gründe für die ruhigere Wertentwicklung auf der Hand: „Da viele Infrastrukturen täglich genutzt werden, bleibt die Nachfrage mehr oder weniger konstant, unabhängig von der wirtschaftlichen Lage. Diese Stabilität macht die Wertpapiere weniger anfällig für Marktschwankungen.“

Weitere Eigenschaften sprechen für ein Infrastruktur-Investment: Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 17 war der Index zuletzt günstiger als der MSCI Weltindex und weist mit rund 3,9 Prozent eine weitaus höhere durchschnittliche Dividendenrendite aus. Caretti ergänzt, dass Infrastrukturaktien traditionell höhere Dividenden als globale Aktien bieten. Letztere Eigenschaft ist in Zeiten steigender Inflationsraten ebenso von Bedeutung.

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