Inhalt | Print-Ausgabe 2/2022
21.07.2022

Interessante Geschäftsmodelle und neue Fondskonzepte

Wer bei Klimafonds nur an Erneuerbare Energien denkt, greift zu kurz. Die Fonds investieren in vielfältige Geschäftsmodelle, durch die CO2-Emissionen gesenkt werden. Verschiedene Investmentstrategien und neue Produkte erweitern die Anlageoptionen.

von Kay Schelauske

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Klimafonds richten ihren Fokus erwartungsgemäß auf die Begrenzung der Erderwärmung. Das bedeutet jedoch nicht, dass schwerpunktmäßig nur in das Thema Erneuerbare Energien investiert wird. So hat beispielsweise der LBBW Global Warming die Kundengelder auch in Branchen wie Industrieprodukte, Gesundheit, Finanzdienstleistungen und Versicherungen angelegt. Beim Ökoworld Klima stehen gleichrangig die Themen Klimaschutz und Klimawandelanpassungen im Fokus. Konkret gemeint sind damit insbesondere Unternehmen, die zur Verringerung von Treibhausgas-Emissionen beitragen oder Technologien, Produkte und Verfahren entwickeln, die eine geringere Energie- oder Treibhausgas-Intensität aufweisen. Weitere Schwerpunkte sind die Senkung des Energie-, Wasser- oder Rohstoffverbrauchs, Recyclingtechnologien sowie Produkte und Services z. B. aus dem Gesundheitssektor.

Viel Technologie im Portfolio

„Auf Erneuerbaren Energien, die sicherlich ein großes Thema für Klimaschutzfonds sind, liegt in diesem Fonds kein besonderes Augenmerk“, sagt Sascha Riedl, Fondsmanager des DKB Nachhaltigkeitsfonds Klimaschutz bei Bayern Invest. „Grundsätzlich möchten wir das Risiko-Rendite-Profil des breiten globalen Aktienmarkts widerspiegeln und gleichzeitig die Klimarisiken und den CO2-Fußabdruck drastisch verringern“, ergänzt Riedl und verweist beispielhaft auf einen großen Softwarehersteller und einen führenden Halbleiterproduzenten. Titel aus den Sektoren Technologie und Industrie stellen derzeit mit Anteilen von 38,3 bzw. 17,4 Prozent mehr als die Hälfte des Fondsportfolios. So finden sich die bekannten Tech-Highflyer Microsoft, Alphabet und Meta ebenso in den Top 10 wie die beiden Kartenanbieter Visa und Mastercard. Der dritte bedeutsame Sektor mit einem zweistelligen Anteil ist die Gesundheitsbranche mit 15,2 Prozent. Dieselben Branchenschwerpunkte setzt der LBBW Global Warming, was sich aber nicht in einer größeren Schnittmenge bei den Top 10 widerspiegelt.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, in welchen Sektoren überhaupt am stärksten Treibhausgase verursacht werden? Laut Energieanalysten geht ein Viertel des gesamten Emissionsverbrauchs zulasten der Energieversorgung, gefolgt vom Transport und der Industrie. Zudem entfällt auf die Bereiche Landwirtschaft und Wohnen ein gutes Zehntel der Emissionen. FONDS exklusiv fragte deshalb in den Fondshäusern nach, welche Geschäftsmodelle, in die sie investieren, beispielhaft einen spürbaren Beitrag dazu leisten, den Anstieg der Erderwärmung zu begrenzen? Bei LBBW Asset Management nennt man Thermo Fisher, einen amerikanischen Hersteller von Geräten zur Messung von CO2-Emissionen und Air Liquide. Das französische Unternehmen arbeite intensiv daran, den Wasserstoff-Hochlauf in der Industrie und der Mobilität mit klimaneutralem Wasserstoff zu erhöhen. Dazu plane das Unternehmen auch den Bau eines 30-Megawatt-Elektrolyseurs zur Erzeugung von klimaneutralem Wasserstoff.

Bei BNP Paribas verweist man mit Blick auf die Top 5 des BNPP Climate Impact neben Gesellschaften aus dem Windkraft-Sektor auf Brambles. „Der australische Logistikkonzern ist kreislaufwirtschaftlich organisiert und hält den weltgrößten Bestand an wiederverwendeten Paletten und Behältern, die aus nachhaltig angebautem Holz hergestellt sind“, sagt Jon Forster. Der Portfoliomanager von Impax investiert mehr als 60 Prozent des Vermögens des BNPP-Fonds in die Sektoren Industrie und Informationstechnologien, dies aber selbst in den Top 10 nicht mit Anteilen von über drei Prozent. Den drittstärksten Bereich stellen Versorger mit gut zehn Prozent. Auch beim Ökoworld Klima fällt die breite Diversifizierung bis hinein in die Top 10 auf. Der USA-Schwerpunkt hält sich mit rund 38,5 Prozent im Vergleich zu Mitbewerbern in Grenzen. Das dürfte auch daran liegen, dass man Tech-Firmen wie Apple, Microsoft und Meta vergeblich sucht, weil sie laut Fondsmanagement gegen das hauseigene ethische und moralische Verständnis verstoßen. Gemeint sind laut Fondsanbieter exzessive Arbeitszeiten, niedrige Löhne und mangelhafte Ausbildung. „Ein iPhone-Werk des Apple-Zulieferers Foxconn in Indien musste Ende des Jahres 2021 aufgrund schlechter Arbeitsbedingungen vorläufig schließen“, berichtet Gunter Schaefer. Apple hatte das Werk dann auf dem Prüfstand gestellt, bis sich die Bedingungen für die Arbeiter nachweislich verbessert haben, sodass inzwischen die Fertigung wieder angelaufen ist, schildert der Kommunikationschef bei Ökoworld die Entwicklungen, betont aber: „Ob sich tatsächlich etwas verbessert hat, ist aus unserer Sicht nicht wirklich nachzuprüfen oder noch viel mehr unwahrscheinlich. Uns ist dieser Bereich zu undurchsichtig. Daher können und wollen wir hier nicht mit gutem Gewissen dabei sein.“ Wer hierdurch Performanceeinbußen vermutet, sieht sich beim Blick auf unser Fondsranking getäuscht.

Auf unsere Frage nach den Geschäftsmodellen nennt Schäfer jenseits des Solarbereichs JB Hunt und Pure Storage. Letztgenannter ist ein Anbieter von Cloud-Dateninfrastruktur-Dienstleistungen. Die Lösungen von Pure Storage ermöglichen es Unternehmen, ihre Daten und Anwendungen in Cloud-Umgebungen zu migrieren und dort effizienter zu managen, heißt es. So ließen sich neben Energie auch Rechenkapazitäten und damit Server einsparen. JB Hunt ist ein großer US-Transportdienstleister mit einem Schwerpunkt auf Zubringertransporte zu den Verladestationen des Schienengüterverkehrs. Somit trage das Unternehmen zur Verlagerung von Straßentransporten auf die Schiene bei.

Beim Vergleich erfolgreicher Klimafonds fällt auch der mit einem Volumen von über zehn Milliarden Euro größte Klimafonds auf, der Nordea 1 - Global Climate and Environment Fund. Wenig verwunderlich, ist der Fonds weiterhin für Neu-Investoren geschlossen. „Bislang haben wir keine nennenswerten Abflüsse aus der Strategie festgestellt, eher das Gegenteil ist der Fall“, sagt Johannes Haubrich, Leiter Produktmanagement Renten- und Aktien bei Nordea Asset Management. Im April dieses Jahres hat der Fondsanbieter mit dem Nordea 1 - Global Climate Engagement einen zweiten Klimafonds an die Rampe gestellt. Beide Fonds werden vom selben Team gemanagt und verfolgen einen identischen Investment- und Risikomanagementprozess, aber die Ausrichtung ist komplett anders: Während sich der Global Climate and Environment Fund auf „grüne“ Lösungsanbieter fokussiert, konzentriert sich die Neuauflage auf Unternehmen, deren Aktivitäten weiterhin eine Rolle in einer Green Economy spielen werden, die aber erst noch alternative und sauberere Produktionsmethoden oder Produkte erfordern. Haubrich wird konkreter: „Wir haben Unternehmen identifiziert, die in einem oder mehreren von fünf Engagement-Themen mit bedeutenden fundamentalen Risiken beim Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft konfrontiert sind.“ Die Gesellschaften befinden sich beispielsweise in den Sektoren Transport, Infrastruktur, Rohstoffgewinnung und -verarbeitung sowie teils auch in der traditionellen Ölförderung. Dabei sei aber zu beachten, betont der Leiter Produktmanagement, „dass sich diese Unternehmen in einem Transformationsprozess befinden müssen.“

 



Branchen-Leader im Fokus

Bereits im Oktober 2021 ist Schroder Investment Management mit einer Neuauflage einen ähnlichen Schritt gegangen: Neben ihrem Schroder ISF Global Climate Change, der gut performt und über drei Milliarden Euro schwer ist, hat der Fondsanbieter den Schroder ISF Global Climate Leaders gestellt. „Dahinter steht die Überzeugung, dass Unternehmen aller Branchen ihre Emissionen auf ein nachhaltiges Niveau reduzieren müssen, wenn die Welt bis 2050 klimaneutral werden soll“, sagt Portfolio Manager Simon Webber. Der Fonds konzentriert sich daher im Unterschied zum „Climate Change“ und anderen Klimafonds nicht unverhältnismäßig stark auf Technologien, wie Windkraftanlagen und Solarenergie, die die Energiewende erleichtern oder Effizienzsteigerungen bei der Energienutzung vorantreiben. „Der Global Climate Leaders Fund zielt darauf ab, weltweit Unternehmen zu identifizieren, die bei der Reduzierung von Emissionen in ihren Geschäftsbereichen an vorderster Front stehen“, ergänzt Webber.

Wie halten es die Fonds mit weiteren Umwelt- sowie Sozial- und Governance-Anforderungen (ESG)? Anlegern hilft hier ein vertiefender Blick in die Positiv- und Ausschlusskriterien. Zum Beispiel zieht LBBW AM hier bei den meisten „No-Go’s“ Toleranzgrenzen von fünf Prozent ein, angefangen bei fossilen Brennstoffen über Rüstungsgüter bis hin zu Alkohol. Ebenso müssen normenbasierte Kriterien wie der UN Global Compact und die ILO-Kernarbeitsnormen erfüllt werden. „Wir investieren nicht bei schweren Kontroversen gemäß UN Global Compact-Prinzipien“, sagt Riedl. Null Toleranz gebe es bei Kinderarbeit sowie Investments in Tabak und Pornographie. „Bei Waffen und Kernenergie liegt unsere Umsatzschwelle ebenfalls bei null Prozent, die der Zulieferer darf bei Waffen fünf Prozent und bei Atomkraftwerken 15 Prozent nicht übersteigen“, ergänzt der Fondsmanager von Bayern Invest.

„Wir haben, und das ist eines unserer Unterscheidungsmerkmale, eine Nulltoleranzpolitik“, betont Schäfer. Dies gilt bei Ökoworld für die Bereiche Atomkraft und Waffen ebenso wie für Chlorchemie und die Verletzung der Menschenrechte, auch wenn „die Unternehmen mit problematischen Geschäften nicht einmal ein Prozent ihres Umsatzes erwirtschaften.“

„Klimagase spielen bei der Bewertung von Unternehmen durch uns seit jeher eine wesentliche Rolle – gewichtet in Abhängigkeit von der Branche und dem Geschäftsmodell“, sagt Mathias Pianowski, stellvertretender Abteilungsleiter Nachhaltigkeitsresearch bei dem Fondsanbieter, mit Blick auf die gerade für Klimafonds zentrale Betrachtung von CO2-Emissionen. „Nicht selten verstecken sich die größten Effekte in der Beschaffungskette oder fallen in der Phase der Produktnutzung an“, fügt er hinzu. Beim DKB-Fonds werden nach Anwendung der Nachhaltigkeitskriterien Erdöl-Engagements ausgeschlossen, wie es vonseiten des Fondsmanagements heißt, und dann kommt ein „CO2/Climate Change-Score“ zum Einsatz. LBBW AM, die hier mit der Nachhaltigkeitsresearch-Agentur ISS ESG zusammenarbeiten, steuern die CO2-Emissionsausprägung des Portfolios ebenfalls mithilfe eines Klima-Scores. Gerade in diesem Bereich ist allerdings noch Luft nach oben, was die Transparenz angeht. Sie dürfte sich aber in Zukunft im Zuge einer verbesserten Datenqualität spürbar erhöhen.