Inhalt | Print-Ausgabe 02/2017
13.07.2017

Neue Konzepte im Renten-Management sind gefragt

Eine Vielzahl an Vermögenden legt in Österreich ihr Geld besonders vorsichtig an. Tiefe Zinsen und drohende Kursverluste bei den Anleihen stellen konservative Portfolios allerdings auf eine harte Probe. Interessante Lösungsansätze liefern dazu die heimischen Privatbanken.

von Raja Korinek

Foto: fotolia

Überraschend war das obligatorische Statement des obersten Währungshüters Mario Draghi nach der jüngsten EZB-Sitzung im Juni wohl kaum. Der Leitzinssatz wurde wie erwartet bei null Prozent belassen, während das Anleihekaufprogramm munter weiter läuft. Bis zu 60 Milliarden Euro umfasst das monatliche Hamsterprojekt, dessen Ausgang für viele Ökonomen ungewiss ist. Sicher ist hingegen schon jetzt, dass eine konservative Veranlagung zunehmend knifflig wird. Dabei veranlagt ausgerechnet ein Großteil der Vermögenden in Österreich ihr Geld äußerst vorsichtig. Umso mehr sind neue Konzepte im Rentenmanagement gefragt.

Denn wer jetzt bei Anleihen zukauft, muss sich mit mickrigen Zinsen, teils sogar mit negativen Renditen abfinden. Steigen dann zu allem Überfluss die Zinsen an, drohen bei bestehenden Bonds Kursverluste. Sie sind dann weniger wert als neue Anleihen, die nach der Anhebung mit höheren Zinsen begeben werden. Wann der Moment der Wende in Europa kommen wird, dazu gibt es derzeit unterschiedliche Meinungen. Bernhard Ramsauer, Vorstandsvorsitzender der Semper Constantia Privatbank, meint jedenfalls: „Die kurzfristigen Zinsen bleiben in der Eurozone auf ihren historisch tiefen Niveaus zumindest in den kommenden eineinhalb Jahren fest verankert. Denn die EZB dürfte den Hauptrefinanzierungssatz von derzeit null Prozent vor Ende 2018 nicht anheben.“

EZB stutzt bald ihre Käufe

Zumindest beim Anleihekaufprogramm könnte es eine Änderung geben. Ramsauer: „Bei den europäischen Staatsanleiherenditen sollte es in der zweiten Jahreshälfte 2017 zu einigen Bewegungen kommen. Ab dann dürfte die EZB vorsichtig beginnen, die Marktteilnehmer auf eine weitere Reduktion des Anleihekaufprogramms vorzubereiten.“ Sobald es dann auch tatsächlich umgesetzt wird, fällt damit freilich ein großer Anleihekäufer allmählich weg. Die sinkenden Kurse würden zu höheren Renditen führen.

Angesichts der anspringenden Konjunktur und einer anziehenden Infla- tion in der Eurozone wären höhere Anleiherenditen ohnedies willkommen. Immerhin, bei der Capital Bank rechnet man in gut einem Jahr bei zehnjährigen deutschen Staatsanleihen mit einem Renditeanstieg auf bis zu 0,70 Prozent. Bei der Erste Bank rechnet man bis dahin sogar mit ein Prozent. Aber auch für die USA liefert Vorstandsmitglied Constantin Veyder-Malberg von der Capital Bank eine klare Einschätzung. Dort sieht man die zehnjährigen US-Zinsen in gut einem Jahr bei rund 2,5 Prozent, „also etwas höher als heute. Angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung und der Politik der US-Notenbank wäre das aus heutiger Sicht ein ausgeglichenes Zinsniveau“, betont Veyder-Malberg.

Crashszenario bleibt aber aus

Trotz erwarteter Kursrückgänge vor allem bei sicheren Staatsanleihen erwarten die Experten aber keinen Crash. So ist etwa Susanne Höllinger, Vorstandsvorsitzende der Kathrein Privatbank, überzeugt: „Die Notenbanken werden alles unternehmen, um das zu verhindern.“ Realistischer sei Höllinger zufolge eine längere Periode sehr schwacher bis leicht negativer Erträge bei Anleihen.

Ähnlich die Einschätzung von Waltraud Perndorfer, Leiterin Privat Bank der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich. Schwankungen an den Kapitalmärkten habe es in der Vergangenheit immer wieder gegeben, meint Perndorfer und betont deshalb: „Diese werden uns auch zukünftig begleiten. Einen starken Zinsanstieg – der zu deutlich fallenden Anleihekursen führen würde – sehen wir aktuell in der Eurozone nicht.“ Eine Entwicklung, die man dennoch nicht unterschätzen sollte, wie Wolfgang Traindl, Leiter Private Banking der Erste Bank, mahnt: „Bei langlaufenden Anleihen, bei denen die Restlaufzeit größer als fünf Jahre ist, wird man voraussichtlich mehr am Kurs verlieren, als am Kupon gewinnen.“ Umso wichtiger wird es für die Vermögensprofis, vor allem bei konservativ veranlagten Portfolios auf durchdachte Strategien zuzugreifen, um den hohen Rentenanteil geschickt durch die zunehmend stürmischen Gewässer zu navigieren.

Breite Diversifizierung

Verständlich, dass die Experten auf ein breit diversifiziertes Portfolio zugreifen, „wenn es um den Vermögensschutz geht“, sagt Kathrein-Chefin Höllinger. Im Bondbereich empfehle man nicht nur Euro-Staatsanleihen. „Aufgrund des aktuellen Tiefzinsniveaus, bedingt durch eine einmalige Notenbankpolitik rund um den Globus, bieten klassische Staatsanleihen sowie Geldmarktveranlagungen oder das Sparbuch nämlich keinen realen Werterhalt mehr.“ Auch Erich Stadlberger, Leiter Private Banking & Asset Management bei der Oberbank, mahnt vor möglichen Kursverlusten. Denn auch er rechnet zwangsläufig mit höheren Renditen, „zu denen langlaufende Staatsanleihen aus dem Euroraum aufgrund der merklichen Wirtschaftserholung tendieren werden“. Einen Lösungsansatz sieht man deshalb bei der richtigen Laufzeitenwahl. Stadlberger rät dazu, eher im kurzen und mittleren Laufzeitenbereich zu investieren. Der Grund liegt auf der Hand: Je kürzer die Laufzeit einer Anleihe ist, desto eher bekommen Anleger ihr Geld zurück, das sie dann umso rascher in höher verzinste Renten veranlagen können. Doch Vorsicht: Wird wiederum eine sehr kurze Laufzeit gewählt, muss man sich zumindest derzeit mit Minuszinsen abfinden.

Vor allem sicherheitsorientierten Anlegern werde letztendlich wohl nichts anderes übrig bleiben als einfach auch ein wenig mehr Risiko zu tolerieren, „um einen positiven Ertrag erzielen zu können“, resümiert Ramsauer von der Semper Constantia. Die teils aber schon recht teuren Bewertungen bei risikobehafteten Anleihen erfordern laut Ramsauer ein gezieltes Eingehen von Risiken. Und das lässt sich etwa mit einer Diversifizierung auf mehrere Emittenten erzielen.

 

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