Inhalt | Print-Ausgabe 02/2017
30.06.2017

Positiv-Trend bei den Austro- Immobilien-Aktien

Bei den heimischen Immobilienaktien hat es in den vergangenen zwölf Monaten teils schöne Kurszuwächse gegeben. Ausgereizt ist bei den sieben IATX-Unternehmen aber noch nicht alles. Dies gilt zum Teil auch für deutsche Branchenkollegen.

von Linda Benkö

Foto: fotolia

Aktien österreichischer Immobiliengesellschaften kennzeichnet vor allem eines: Sie notieren zumeist mit einem Abschlag zu ihrem NAV (Net Asset Value oder Deutsch: Nettoinventarwert). Das war und ist zwar kein Garant für Kurszuwächse, bietet aber doch immer wieder Raum für Fantasie. Zumal die heimischen Immobilien-AGs heute den Vergleich mit europäischen Pendants nicht scheuen brauchen. Und tatsächlich hat es bei allen im Immobilien-ATX enthaltenen Unternehmen – auf Jahressicht (zum Redaktionsschluss am 23. Juni 2016) ein Kursplus gegeben, bei einigen sogar ein sehr großes. Die stärkste Entwicklung hat die Warimpex Finanz- und Beteiligungs AG vorgelegt: Bei der Immobilienentwicklungs- und Investment- gesellschaft mit Fokus auf Betrieb und Errichtung von Hotels in CEE hat sich der Kurs mehr als verdoppelt. Kein Wunder: hat doch das Warimpex-Ergebnis im ersten Quartal 2017 ins Plus gedreht. Es gab einen Nettogewinn von 4,7 Millionen Euro nach einem Fehlbetrag von 0,5 Millio- nen in der Vorjahresperiode. Diesen Schwung will man ins Gesamtjahr mitnehmen. Anfang Juni wurde mit dem Verkauf eines Portfolios von acht Hotels an den thailändischen Investor U City Public Comp. Ltd. die Hälfte des Immobilien-Vermögens, rund 180 Millionen Euro, veräußert. Dies wird sich mit einem positiven Ergebnisbeitrag von etwa 25 Millionen Euro niederschlagen. „Wir sind nun für neue Projekte gut aufgestellt und zuversichtlich, bis 2018 neue Hotel- und Büroentwicklungsprojekte vorstellen zu können“, sagt Warimpex Vorstandsvorsitzender Franz Jurkowitsch.

Warimpex: Viel Kurspotenzial

Warimpex sieht die Zukunft weiterhin bei Hotel- und Büroentwicklungsprojekten in CEE und Russland, da die Märkte zuletzt gereift seien und sich weiterentwickelten. „Polen wird mit den aktuellen Entwicklungsprojekten in Łódź und Krakau ein Kernmarkt von Warimpex bleiben. Weitere Optionen für neue Developments werden derzeit geprüft.“ U City ist ein potenzieller künftiger Partner für Developments, wie es weiter heißt. Die Analysten von SRC Research haben nach Vorlage der Quartalszahlen ihr Kursziel für Warimpex bei 1,90 Euro unter Beibehalten des Anlagevotums „Buy“ bestätigt. Da ist noch viel Luft nach oben, denn das Papier notierte zuletzt bei 1,32 Euro.

Immofinanz: Gelingt der Verkauf des Russland-Portfolios?

Grundsätzlich viel Potenzial hat auch die Immofinanz. Thomas Neuhold, Analyst bei Kepler Cheuvreux, sieht das Kursziel auf Sicht von etwa einem Jahr bei 2,25 Euro (aktuell: 2,03 Euro). Das Management unter Oliver Schumy, der seit etwas mehr als zwei Jahren dem Unternehmen vorsteht, hat viele Hausaufgaben und Altlasten erledigt. Die Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit der Verschmelzung der Immofinanz mit der Immoeast sind beigelegt – zwar mit Kosten von 54 Millionen Euro für den außergerichtlichen Vergleich mit den Aktionären, dafür ist diesbezüglich nun endgültig Ruhe. Gelungen ist die Schärfung der Marken im Retail-Segment – man möchte künftig nur mehr unter VIVO! und STOP SHOP auftreten –, die Etablierung der Büromarke „myhive“ mit zusätzlichen Services wie flexible und betreute Büros, Kommunikationszonen, Mieter-Lounges etc. trägt ebenfalls Früchte.

Die schon vor länger als einem Jahr angekündigte Verschmelzung mit der CA Immobilien Anlagen AG ist allerdings noch auf der Wartebank. Die Anteilseigner der beiden Immobilienfirmen sollten ja bereits heuer über die mögliche Fusion abstimmen. Vorbedingung war die Übernahme des 26-Prozent-Anteils an der CA Immo, inklusive vier Namensaktien und die Abschichtung des „Mühlsteins“ Russland-Portfolio. Letzteres hat sich verzögert. Allerdings gab es zuletzt Gerüchte, wonach die russische Investmentgruppe O1 ein Offert für die Moskauer Einkaufszentren abgegeben habe. Die fünf Shoppingmeilen haben nach Angaben des Konzerns per Ende März noch einen Buchwert von rund 997 Millionen Euro und sind mit Schulden von knapp 700 Millionen belastet. Eine Abspaltung des problembehafteten Russland-Geschäfts war zwar ebenfalls angedacht, ist aber die – auch von Analysten – weniger favorisierte Variante. „Wir haben die vergangenen Monate intensiv genutzt, um die Zentren an das geänderte Marktumfeld anzupassen“, heißt es bei der Immofinanz. Der stärkere Fokus auf Familien und die Ausweitung des Freizeitangebotes seien gut angenommen worden. „Die Abtrennung dieses Portfolios werden wir 2017 abschließen“, ist Schumy überzeugt. Für das erste Quartal jedenfalls wurde ein Konzerngewinn von 80,7 Millionen Euro berichtet (Vergleichszeitraum -240,7 Mio. Euro). Die Mieterlöse verringerten sich „verkaufsbedingt“ um 1,9 Prozent von 58,2 auf 57,1 Millionen. „Like for like“, also nicht bereinigt, hätten sich die Mieterlöse hingegen um 3,7 Prozent erhöht. In Russland hätten sie sogar um 16,6 Prozent zugelegt. Das Russland-Thema sollte jedoch nicht das dominierende bei der Immofinanz sein. Erfolgreich ist Schumy auch bei der Refinanzierung, die Finanzierungskosten konnten mittelfristig um mehr als 21 Millionen Euro pro Jahr gesenkt werden. So sprechen auch die Analysten der Raiffeisen Centrobank eine Kaufempfehlung aus, mit Kursziel von 2,15 Euro. Auch ohne Zusammenschluss rechnet die RCB mit höheren Mieteinnahmen und niedrigeren Zinskosten bei der Immofinanz.

 

 

Immobilienaktien im Vergleich

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CA Immo: Auch "stand-alone" ganz gute Karten

Die bereits erwähnte CA Immo wiederum könne auch ohne die Fusion ein attraktives Wachstum erzielen, so Christine Reitsamer, Analystin bei Baader Helvea. Naturgemäß hat der Immobilienentwickler mit Kerngeschäft Büroimmobilien bei den Fusionsverhandlungen die besseren Karten. Die Analysten von HSBC haben ihr Kursziel für die CA Immo vor Kurzem auf 27 Euro festgesetzt. Zuletzt (Schluss vom 22.6.2017) schlossen die CA Immo-Papiere bei 21,78. 2016 – das zweitbeste Jahr in der Unternehmensgeschichte –, jedenfalls hat der Konzern das profitable Wachstum auf allen Ebenen fortgesetzt und neben den geplanten Verkäufen auch den Start neuer Projekte beschleunigt.

Jüngst wurde der 51-Prozent-Anteil an einem Logistikpark in Budapest abgestoßen, damit ist der 2012 eingeleitete Rückzug aus dem Nicht-Kerngeschäft weitgehend abgeschlossen. „Der Erlös fließt in Büroimmobilien in Berlin, München und Frankfurt“, so CEO Frank Nickel. Künftig werde man sich jedenfalls nicht auf Experimente einlassen, sondern auf Städte konzentrieren, in denen man schon vertreten sei und sich auskenne: „Wir werden weiter zukaufen, selektiv auch in CEE.“

 

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