Inhalt | Print-Ausgabe 01/2017
20.04.2017

Privatbanken auf dem Pr├╝fstand

Wer einem Geldhaus ein größeres Vermögen anvertrauen möchte, sollte bei der Wahl der Privatbank sorgfältig vorgehen. FONDS exklusiv hat sich bei den Verwaltern der Vermögenselite umgehört und wollte wissen, worauf geachtet werden sollte.

von Raja Korinek

Foto: Fotolia

Manchmal kann es sogar recht schnell gehen. Ein gut bezahltes Angebot, eine saftige Gehaltserhöhung – oder vielleicht auch ein lukrativer Lottogewinn. Und schon winkt ein stattliches Vermögen, das man freilich in guten Händen sehen will. Gerade darauf ist das Geschäft mit dem Private Banking spezialisiert. Auch wenn die Häuser allesamt die Verwaltung großer Vermögen zum Ziel haben, unterscheiden sich die Privatbanken dennoch in ihren Angeboten, und zwar mit diversen Schwerpunkten und unterschiedlichen Betreuungsaspekten (in der Ausgabe 4/2016 finden Sie auf den Seiten 42 und 43 einen Überblick der wichtigsten Leistungen zahlreicher heimischer Privatbanken). Das zeigt jedenfalls, wie wichtig die richtige Wahl des Geldverwalters ist. Worauf es tatsächlich ankommt, das wollte FONDS exklusiv von langjährigen Privatbankern aus der heimischen Branche genauer wissen. Der einheitliche Tenor lautet dabei: Noch bevor man ein Erstgespräch vereinbart, sollte man bereits ein wenig Eigenrecherche im Vorfeld starten. Schließlich präsentieren sich selbst die sonst sehr verschwiegenen Geldhäuser gerne auch im Internet.

Virtueller Erstkontakt

Und dort lässt sich schon vorab einiges über ein Geldhaus ablesen. Bereits der erste Eindruck einer Webseite könne viel aussagen, empfiehlt Beatrice Schobesberger, Leiterin des Private Banking der Hypo Vorarlberg, sich dadurch wertvolle Eindrücke zu verschaffen. Dazu sollte die Seite übersichtlich und seriös gestaltet sein „und sich kundenfreundlich und aussagekräftig präsentieren“. Ein guter Hinweis ist freilich die Angabe relevanter Informationen, wie zum Beispiel konkrete Kontaktmöglichkeiten. Jedenfalls sollte die Bank sich nicht allzu sehr mit ihrer Präsentation im Netz zurückhalten. Das meint etwa auch Gaston Giefing, Leiter Raiffeisen Private Banking Wien, und verweist auf den Auftritt seines Hauses: „Darauf ist ersichtlich, dass mehr als 90 Prozent unserer Bankberater zu diplomierten Finanzberatern ausgebildet und zertifiziert sind sowie durchschnittlich 20 Jahre Erfahrung im Private Banking mitbringen.“

Doch das ist nicht alles. In Zeiten, in denen die Finanzwelt schwere Krisen durchgestanden hat, spielt für viele potenzielle Kunden auch das Rating eine große Rolle. „Es sollte ebenfalls auf der Homepage angeführt werden, wie auch die Eigentümerstruktur und die Standorte“, meint Schobesberger. Letzterer Punkt ist freilich nicht ganz unwesentlich, wenn man den intensiven, persönlichen Kontakt mit seinem Berater sucht. Da sollte der nächste Standort einer ausgewählten Bank nicht allzu weit entfernt liegen. Auch verfügt nicht jede Bank über ein Rating. Dann ist die Erfolgsgeschichte der Bank selbst ein wichtiger Wegweiser, man sollte sich nicht nur einzelne Momentaufnahmen ansehen. Und selbst die Philosophie des Hauses sollte bereits bei einem ersten Check im Netz ersichtlich sein, meint Schobesberger. Auch hier zählt vor allem Beständigkeit.

Dem fügt Franz Witt-Dörring, Vorstandsvorsitzender der Schoellerbank, einige Punkte hinzu. So könne die Webseite zum Beispiel „Auskunft über die Performance des Finanzinstituts geben“. Immer öfter werde schließlich die Wertentwicklung der Produktpalette mit jener anderer Geldhäuser gemessen und mit verschiedenen Preisen und Auszeichnungen honoriert, präzisiert Witt-Dörring. Deshalb werden im allgemeinen Stimmungsumfeld der Branche sämtliche Auszeichnungen und Wirtschaftspreise von unabhängigen Dritten zu immer gewichtigeren Differenzierungsmerkmalen für Kunden – und jene, die es werden möchten. „Erzielte Auszeichnungen sind inzwischen ein maßgeblicher Indikator für die Qualität und das Engagement jedes Unternehmens“, ist Witt-Dörring überzeugt.

Wobei, die Wahl kann man auch gezielt auf einzelne Strategien beschränken. So hat sich beispielsweise das Bankhaus Schelhammer & Schattera auf die nachhaltige Geldanlage spezialisiert und entsprechend die Produktpalette in diese Richtung ausgerichtet. Andere Banken, etwa die LGT Bank, bieten vermögenden Kunden die Möglichkeit, ihr Geld wie das Fürstliche Portfolio anzulegen.

Werthaltige Worte

Was die virtuelle Welt allerdings nicht ersetzen kann, ist das vertraute Gespräch. Auch die Empfehlung anderer Kunden kann schließlich eine gute Auskunftsquelle bieten und wird offenbar von vielen Interessenten als solche wahrgenommen. Immerhin erreiche man im Raiffeisen Private Banking Giefing zufolge die meisten Neukunden über positive Mundpropaganda. „Gut 80 Prozent unserer Private Banking-Kunden empfehlen ihren Berater weiter“, rechnet der Raiffeisen-Experte vor. Die Entwicklung ist durchaus nachvollziehbar. Grundsätzlich könne man davon ausgehen, dass Bekannte oder Freunde in Bezug auf deren Erfahrungen ehrliche Auskünfte erteilen, findet auch Robert Hager, Bereichsleitung Private Banking beim Bankhaus Spängler, ein Gespräch als sinnvoll und betont: „Eventuell erfährt man auch, wie die Bank bzw. der Berater in Konfliktfällen reagiert hat.“ Schließlich will eine gute Geschäftsbeziehung gepflegt werden. Gerade bei Differenzen kann sich schnell weisen, wie dies in der Praxis gehandhabt wird.

 

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