Inhalt | Print-Ausgabe 02/2008
27.05.2008

Rohstoffe: Game over?

Rohstoffaktien konnten ihren Aufwärtstrend seit dem Ausbruch der US-Finanzkrise nicht mehr fortsetzen - viele Titel gingen zuletzt gar in eine regelrechte Talfahrt über. Und das, obwohl ihre Commodity-Produkte zumeist weiter kräftig im Preis zulegten. Diese Divergenz bietet attraktive Einstiegschancen bei einigen Top-Branchenfonds.
 

von Wolfgang Regner

Rohstoffproduzenten waren lange Zeit ohne Zweifel die Stars der Weltbörsen. Neben Eisenerz- und Kohleförderern glänzten vor allem einige Hersteller des gelben Goldes besonders stark. Auch bei Industriemetallen wie Kupfer und Aluminium konnten Minenkonzerne satte Gewinne einfahren. Last, but not least mutierte die Agrarindustrie vom Nachzügler zum regelrechten Überflieger. Damit ist es seit dem Platzen der US-Immobilienblase jedoch vorbei. Auch Commodity-Titel bekamen die gestiegene Risikoabneigung der Investoren zu spüren und setzten zur Korrektur an. Wie geht es nun weiter? Bekommen auch in Zukunft die Bullen recht, die - wie etwa Rohstoffguru Jim Rogers - von einem Superzyklus sprechen, der noch viele Jahre andauern kann, oder neigt sich die Waagschale den Bären zu, die eine von gewaltigen Cash-Injektionen großer Finanzinvestoren aufgepumpte Blase orten? 
 
Manche Volkswirte glauben, gewisse Ähnlichkeiten zwischen der gegenwärtigen Phase im Rohstoffzyklus und den späten 1970er-Jahren erkennen zu können, als die Preise vieler Basismaterialien nach teils dramatischen Anstiegen fast ebenso epochal wieder abstürzten. Von 1980 bis 2001, dem absoluten Tiefpunkt der letzten Rohstoffbaisse, verloren die Preise für Industrierohstoffe inflationsbereinigt 60 Prozent, jene für Nahrungsmittel sogar 80 Prozent. Und das, obwohl die Schwellenländer auch damals schon zu dynamischen Tigerstaaten heranwuchsen. Die Gründe dafür erläutert Martin Hüfner, Chefvolkswirt bei HF Economics: "Die hohen Preise führten zu verstärkter Exploration neuer Vorkommen, aber auch zu Nachfragerückgängen infolge eines gestiegenen Umweltbewusstseins. Dazu nahm auch die Produktivität der Rohstoffgewinnung deutlich zu. Dieses Beispiel zeigt, dass man sich nicht zu allen Zeiten darauf verlassen kann, dass die Grundstoffpreise stets nach oben gehen." Von solchen Versuchen, historische Analogien herzustellen, hält Evy Hambro, Manager des stark im Metallsektor aktiven Merrill Lynch World Mining Fund, überhaupt nichts: "Bei dem seit 2001 laufenden Superzyklus handelt es sich um einen originären Trend, der wenig mit früheren Rohstoffzyklen zu tun hat." Dafür sprächen, so Hambro, mehrere Argumente. "Dieser Zyklus ist weniger vom globalen Wirtschaftsaufschwung getrieben, das Nachfragewachstum bei Rohstoffen spielt daher nicht die entscheidende Rolle. Alle haben darauf gewartet, dass die Preise wegen des Nachfragerückgangs in den USA einbrechen. Das Gegenteil ist passiert. Amerika befindet sich bereits seit gut einem Jahr in der Rezession, jedenfalls was den Rohstoffbedarf anbelangt, und dennoch sind die Kurse für Industriemetalle, Eisenerz und Kohle kräftig weiter gestiegen." 
 
Abkoppelung funktioniert 
 
Das liegt vor allem an den BRIC-Staaten, wo die Rohstoffnachfrage nicht zyklisch durch Kapazitätsaufbau in der verarbeitenden Industrie angefeuert wird, sondern strukturell durch den Umstand, dass einige der größten und bevölkerungsreichsten Länder dieser Erde von Agrar- zu Industriestaaten mutieren. "Eine solche Transformation dauert nicht Jahre, sondern Jahrzehnte", so Hambro. Der laufende Superzyklus sollte daher noch viele Jahre vor sich haben, was aber nicht heißt, dass es keine heftigen Zwischenkorrekturen geben kann. "Doch die Nachfrage hat sich, anders als früher, sehr unelastisch gezeigt - wir können kaum eine negative Reaktion auf die hohen Preise konstatieren, weder bei Basismetallen noch bei Eisenerz oder Kohle", analysiert der Merrill Lynch-Fondsmanager. Das Problem der Erschließung neuer Vorkommen sei zudem kein typisches Merkmal für die genannten Sektoren, da es hier Reserven im Überfluss gebe. "Doch sie werden nicht oder nur mit großer Verzögerung erschlossen", so Hambro. Das liege einerseits an den hohen und rasant steigenden Kosten, andererseits an größerer Managementdisziplin. Diesen Faktor hebt auch Petra Kühl, Managerin des Allianz-dit Rohstofffonds, hervor: "Während die Kupfernachfrage, hauptsächlich durch Infrastrukturprojekte in China getrieben, weiterhin steigt, wächst das Angebot nur langsam. Bedingt durch eine eher zurückhaltende Investitionsstrategie in der Vergangenheit und aktuelle Produktionsengpässe haben die Kupferproduzenten Probleme, das Angebot zu erweitern und der gestiegenen Nachfrage nachzukommen. Die Konsequenz sind niedrige Lagerbestände, die den Kupferpreis auf einem hohen Niveau halten sollten." Streiks, Unwetter und Engpässe bei der Energieversorgung tun ein Übriges. Daher hält Kühl ein "Decoupling-Szeario" für viele Rohstoffmärkte für recht wahrscheinlich. "China fragt knapp 30 Prozent des weltweit produzierten Kupfers nach, während der Anteil der USA nur noch 15 Prozent beträgt. Der Großteil dieses Metalls geht direkt in den Auf- und Ausbau der chinesischen Infrastruktur (z.B. Stromleitungen, Wasserrohre etc.). Nur ein kleiner Teil wird für die Fertigung von Export- bzw. Konsumgütern benötigt. Noch stärker trifft dies auf die Stahlproduktion und den Eisenerzbedarf zu. China fragt knapp 55 Prozent des global gehandelten Eisenerzes nach, das größtenteils für die Produktion von Baustahl benötigt wird. Die chinesische Rohstoffnachfrage ist daher relativ unabhängig von einem US-Abschwung", analysiert Fondsmanagerin Kühl. 
 
Den vollständigen Artikel finden Sie in der Print-Ausgabe 02/2008 von FONDS exklusiv.