Inhalt | Print-Ausgabe 03/2017
12.10.2017

Schrittweise in die Aktienmärkte

Infolge der Politik der Notenbanken verdunkeln sich längst die Ertrags-Aussichten an den Anleihemärkten. Nachhaltige Mischfonds eröffnen individuelle "Auswege" in andere Assetklassen, insbesondere auch in die Aktienmärkte – und dies bei ganz unterschiedlichen "grünen" Leitplanken.

von Kay Schelauske

Die Staatsanleihen dienen vor allem als Risikopuffer gegen Marktschwankungen. Sie können aber im Zusammenhang mit einer durchdachten Durationssteuerung und einer professionellen Einzeltitelselektion attraktive Erträge abwerfen“, antwortet Ingo Speich auf die Frage, ob sich die Vorgabe eines zumindest 30-prozentigen Investments in Euro-Staatsanleihen als „Performancebremse“ auswirke. Der Leiter Nachhaltigkeit und Engagement bei Union Investment und Fondsmanager des im Juli dieses Jahres aufgelegten „UniRak Nachhaltig Konservativ“ bestätigt aber, dass moderate Renditeanstiege an den Rentenmärkten Investments in Deutschland und Europa tendenziell schwieriger machen. Auch andere Neuauflagen, wie der noch nicht ganz drei Jahre zugelassene „Kepler Ethik Mix“, sind ähnlich anleihenlastig aufgestellt. Allerdings setzt man dabei auch auf Unternehmensanleihen. Bei Union Investment rücken zudem „Green Bonds“ verstärkt in den Fokus. Mit diesen Anleihen, z.B. der Kreditanstalt für Wiederaufbau oder der niederländischen Bankengruppe ING, werden zweckgebunden ökologische oder soziale Projekte finanziert.

Fakt ist: Trotz der unstrittig schwierigen Lage an den Rentenmärkten setzen Anleger in Österreich weiterhin schwerpunktmäßig auf die Rentenpapiere. Unternehmensanleihen erhalten zwar gegenüber Staatsanleihen verstärkt den Vorzug. Die künftig besseren Ertragsaussichten an den Aktienmärkten werden jedoch nur in Maßen genutzt. So ist die Aktienquote in den vergangenen sechs Jahren von 15 auf 24 Prozent gestiegen . Anders in Deutschland: Bei unseren Nachbarn hat es längst einen Favoritenwechsel zu Lasten von Anleihen gegeben.



„Wir haben das Exposure zu Anleihen reduziert, da sie unserer Meinung nach zu teuer bewertet sind. Aktuell halten wir etwa 40 Prozent in Bonds, strategisch wären es beim ,Swisscanto Portfolio Fund Green Invest Balanced‘ eigentlich 50 Prozent“, sagt Fondsmanager Roman Boner. Der nachhaltige Swisscanto-Mischfonds setzt auf eine Entkoppelung des Wirtschaftswachstums vom Ressourcenverbrauch und der Förderung der Chancengleichheit. Boner: „Im Fokus stehen Unternehmen, die aufgrund ihrer nachhaltigen Produkte oder Dienstleistungen langfristig profitabel wachsen, da sie über hohe Eintrittsbarrieren verfügen.“

Die größte Anpassung gab es in diesem Jahr beim Abbau des deutlichen Übergewichts bei Technologieaktien nach einer sehr starken Performance im ersten Halbjahr, heißt es. Die Erlöse wurden einerseits in Finanzwerte, wie die Silicon Valley Bank, reinvestiert, die von einer steigenden Zinskurve und einer freundlichen Regulierung in den USA profitieren sollen. Andererseits standen selektiv Food Retailer wie Sprouts Farmers Market auf der Kaufliste, denen das potenzielle Ende der Deflation bei den Lebensmitteln zugute kommen soll.

Die Spitzenposition bei den „Ausgewogenen“ nimmt der Schoellerbank Ethik Vorsorge ein. Der nachhaltige Mischfonds vollzieht ein mehrstufiges Nachhaltigkeitsscreening und schließt u. a. die Bereiche Genmanipulierte Lebensmittel, Alkohol, Tabak und Atomenergie aus. Bei den investierbaren Titeln schätzt man besonders solche, die langfristig verteidigbare Wettbewerbsvorteile, eine gute Bonität, eine nachhaltige Ertragskraft pro Aktie, ein bewährtes Management sowie eine geringe Abhängigkeit von Wirtschaftszyklen vorweisen. „Der Schoellerbank Ethik Vorsorge ist gegenüber Aktien seit März von zuvor ,Übergewichtet‘ auf ,Neutral‘ gewichtet, womit die Quote lediglich 50 Prozent beträgt“, sagt Alexander Adrian. Der Ethik-Spezialist im Asset Management des Fondsanbieters hält es dabei für wahrscheinlicher, dass dieser Schritt in den nächsten Monaten zurückgenommen als fortgesetzt wird.

Ähnlich gut performt der „Raiffeisen-Nachhaltigkeit-Mix“. Gut 41 Prozent des Fondsvermögens sind in Anleihen, vornehmlich Unternehmensanleihen, investiert, fast die Hälfte in Aktien. Charakteristisch für die Titelauswahl ist die stets parallele Prüfung von Nachhaltigkeits- und Finanzinformationen. Ein Unternehmen kommt weder ins Anlageuniversum, wenn es Ausschlusskriterien wie bspw. Kinderarbeit, Rüstungsgeschäfte verletzt, noch wenn es über eine schwache Bilanzstruktur verfügt, heißt es. Die verbleibenden Unternehmen werden einem Nachhaltigkeitsscreening sowie einer fundamentalen Analyse unterzogen. Was das in der Praxis bedeuten kann, zeigen Titelverkäufe des laufenden Jahres: So wurden bspw. Aktien der BT Group wegen eines Korruptionsfalls bei einer italienischen Tochtergesellschaft verkauft. Gleiches gilt für den Bauwert LafargeHolcim wegen Kinderarbeit in Uganda und der Deutschen Telekom wegen Arbeitsrechtsverletzungen in den USA. Neu aufgenommen wurden bspw. Sunopta, ein Großhändler von Biolebensmitteln, und das Unternehmen Xylem, das im Bereich Wassertechnologie tätig ist.

Wer von Haus aus die Aktienkomponente stärker betonen will, muss sich zwischen zwei Einzel- bzw. Dachfonds entscheiden, wobei das Fondsvolumen des „C-Quadrat“-Fonds mit nur 6,3 Millionen Euro unter Kostengesichtspunkten kritisch zu bewerten ist. Angeführt wird die Mischfonds-Gruppe vom „UniRak Nachhaltig“. Abgesehen von Ausschlusskriterien mit Toleranzgrenzen sind Investments in Unternehmen gänzlich untersagt, die sich mit der Herstellung oder Verbreitung von ABC-Waffen, Streubomben, Landminen und dazugehörigen Schlüsseltechnologien befassen, internationale Arbeitsstandards verletzen und Tierversuche für kosmetische Zwecke unterstützen.

Lesen Sie den vollständigen Artikel in der Print-Ausgabe von FONDS exklusiv!