Inhalt | Print-Ausgabe 01/2015
01.04.2015

Stetige Gewinne mit Aktien aus Ăśberzeugung

Für Christoph Bruns ist die Aktie konkurrenzlos. Vorausgesetzt, er kann sie deutlich  unterhalb ihres fairen Wertes erwerben. Sein Erfolgsrezept: konsequent „Nein“ sagen und frühzeitig investieren, selbst wenn der „Mainstream“ genau das Gegenteil tut.

von Kay Schelauske

Christoph Bruns, Loys AG

Christoph Bruns, Loys AG

Bei Ihrem Fondsflaggschiff, dem „Loys Global“, setzen Sie derzeit einen klaren Schwerpunkt auf europäische Aktien? Warum ziehen Sie Europa den USA vor, Herr Bruns?

 

Christoph Bruns: Das ist eine berechtigte Frage. Die USA bilden immerhin mit rund 60 Prozent eindeutig das Schwergewicht im MSCI World, dem anerkannten globalen Aktien­index. Würden wir die Unternehmen aus Canada hinzuzählen, wäre das Übergewicht noch größer. Die USA geben also zweifelsohne an den weltweiten Aktienmärkten den Ton an. Doch uns interessieren solche Index-Gewichtungen überhaupt nicht, weil wir sehr aktive Fondsmanager sind. Zweitens ist für uns die Preiswürdigkeit einer Aktie maßgeblich für deren Attraktivität.

 

 

Bei unserer jüngsten Umfrage unter großen Fondsanbietern schraubten diese zwar die Renditeerwartungen angesichts erhöhter Bewertungen bei amerikanischen Aktien zurück. Dennoch erhielten die USA vor allem mit Blick auf eine anziehende Konjunktur und eines sich nachhaltig bessernden Arbeitsmarktes gegenüber Europa klar den Vorzug. Diese Einschätzung teilen Sie nicht?

 

C. B.: Die amerikanischen Aktienmärkte haben gute Jahre hinter sich und wirken nun eher teuer. Europa bewegt sich im Dauerkrisen-Modus. Der Euro hat sich als eine nicht so starke Währung erwiesen, wie es bei seiner Einführung propagiert wurde, obwohl sich ja schon damals eine Reihe von Ländern gegen die europäische Gemeinschaftswährung entschieden hatte. Kurzum, Europa ist weltweit schlecht beleumundet. Ich kenne den Blick derer, die von außen auf den Kontinent schauen, sehr gut, da ich seit 2002 in Chicago lebe. Das Überraschende ist dabei: Die in Europa ansässigen Unternehmen haben sich sehr gut entwickelt. Das liegt natürlich auch daran, dass gerade die Konzerne am Wachstum des Welthandels teilhaben. Aus dieser Divergenz zwischen den politischen Fehlentwicklungen in den Euro-Staaten gegenüber dem Umsatz- und Gewinnwachstum der Unternehmen ergibt sich für uns als Investoren eine interessante Ausgangslage: Die Gesellschaften sind deutlich günstiger bewertet und profitieren jetzt von einem dreiteiligen Konjunkturprogramm: Sie können aufgrund der niedrigen Zinsen zu besseren Konditionen Fremdkapital aufnehmen. Durch den gesunkenen Euro-Kurs können die Produkte günstiger außerhalb Europas verkauft werden. Drittens profitiert gerade der Industriestandort Deutschland als großer Öl-Verbraucher von dem um mehr als 50 Prozent gesunkenen Ölpreis. Dieser Rückenwind, der schlechte Ruf Europas und die günstigsten Aktienbewertungen der Welt ergeben für mich den Stoff, aus dem die Renditen der Zukunft gewoben sind. Denn eine der wichtigsten Erfahrungen, die ich als Fondsmanager gemacht habe, ist die, Gutes günstig zu kaufen und dann die Zeit ihre Arbeit verrichten zu lassen. Da wir hier vor allem in Europa fündig werden, sind wir hier überinvestiert.

 

 

Wie stark ist der „Loys Global“ derzeit in Europa engagiert?

 

C. B.: Wir sind etwa ein Drittel in Deutschland, ein weiteres in anderen Staaten Europas und den Rest in den USA und Asien investiert. Deutschland ist das Überraschungsland. Es nimmt bestens am Welthandel teil, hat ein hochwertiges Produktportfolio und profitiert, ohne etwas dazu beigetragen zu haben, von dem erwähnten Konjunkturprogramm. Auch für Anleger ist Deutschland daher sehr attraktiv, was sich ja auch an den jüngst gestiegenen Marktindizes ablesen lässt.

 

 

Deutsche Aktien sind aber mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von durchschnittlich 17 alles andere als günstig bewertet, oder?

 

C. B.: Nach klassischen Maßstäben bewertet, stimmt das. Aber diese Maßstäbe gelten nur für normale Zeiten und die haben wir zweifellos nicht. Die große Finanzkrise des Jahres 2008 ist in ihrer Bedeutung noch gar nicht voll erkannt worden. Sie ist für die Finanzmärkte so etwas wie der Erste Weltkrieg für Europa, der vieles dauerhaft verändert hat, angefangen beim Versailler Vertrag bis zur Auflösung des Zarentums in Russland. Staaten wie Irland, Portugal, Spanien und Griechenland mussten durch den Euro-Rettungsschirm aufgefangen werden, sonst wären sie längst Pleite gegangen. In den USA wären alle großen Banken ohne Ausnahme insolvent geworden, hätte sie der Staat nicht aufgefangen, von Lehman Brothers einmal abgesehen. Manche großen Industriekonzerne wie General Electric oder Harley Davidson wären ohne die Sonderkredite des Staates vor die Hunde gegangen. Die amerikanische Notenbank hat amerikanische Staatsanleihen im Wert von 4000 Milliarden US-Dollar gekauft. Damit ist Amerika jetzt kurioserweise selbst sein größter Gläubiger. Erstmals hat die Europäische Zentralbank negative Zinsen eingeführt. Alles dies zeigt: Es sind ganz neue Zeiten angebrochen. Und das gilt auch für Aktien. Auf sie wartet ein konkurrenzloses Jahrzehnt, denn Zinssparen lohnt sich nicht mehr. Angesichts der hohen Geldmengen, die angelegt werden wollen, rechtfertigt diese veränderte Situation um 50 Prozent höhere Bewertungen gegenüber früher. Mehr noch: Die Dividende wird zum zentralen Investmentkriterium zugunsten der Aktie.

 

 

Vor genau zehn Jahren sind Sie mit Ihrem Flaggschiff, dem „Loys Global“, gestartet und haben seither bei einer durchschnittlichen Jahresrendite von acht Prozent den Anlagewert mehr als verdoppelt. Was ist das Geheimnis dieses Erfolgs?

 

C. B.: Ganz wesentlich war es wohl, dass wir oft genug „Nein“ gesagt haben. Anfang 2005 sind wir mit dem Fonds gestartet. Mitte 2007 spitzte sich die Bankenkrise zu. Bis dahin zahlten die Kreditinstitute hohe Dividenden und genossen einen sehr guten Ruf. Dennoch haben wir nie Ak­tien einer Bank gekauft, nicht, weil wir die Krise erahnt hätten, sondern aus einem anderen Grund: Wir können die Banken nicht bewerten. Die Bilanzen beinhalten derart viele Finanzinstrumente, dass sie nicht zu durchblicken sind. Was ich aber nicht verstehe, das kaufe ich nicht. Das galt damals wie heute. Ein weiteres Beispiel waren die Erneuerbaren Energien. Gerade in Deutschland gab es hier einen Hype, der sich auch in zeitweilig extrem steigenden Börsenkursen niederschlug. Dennoch waren wir nie investiert. Ich habe ein Problem damit, wenn Unternehmen nur deshalb Gewinne erzielen, weil sie vom Staat subventioniert werden. Sobald diese Förderungen entzogen werden, gehen die Betriebe in die Knie. Genauso ist es leider gekommen. Sehr geholfen hat zudem, dass wir seit Fondsauflage nur ein Mal voll investiert waren: das war im Herbst 2008. Okay, das war ein halbes Jahr zu früh, denn die Börse drehte erst im Frühjahr 2009. Aber in dem Jahr erzielten wir schließlich unser bisher bestes Anlageergebnis. Auch deshalb fühle ich mich bei schwankenden Börsen wohler, als wenn die Kurse nur nach oben gehen. Es ist nicht unsere Sache, steigenden Aktienkursen hinterherzulaufen, um bei erhöhten Kursniveaus zuzukaufen.

 

 

Ihre Anlagestrategie bezeichnen Sie auf Ihrer Homepage als genuines, also echtes, wahrhaftiges Investment. Ist dieser Begriff mehr als eine Marketing-Idee?

 

C. B.: Als ich zu Loys kam, stellte ich folgende Frage: Warum investieren wir nicht genau nach unserer Überzeugung und sagen das den Kunden genauso. Das macht kein anderer und es fällt uns leicht, denn wir brauchen uns nicht verbiegen. Das fand einhellige Zustimmung. Dann stießen wir auf das schöne Wort „genuine“ und ein passendes Zitat von Max Frisch. Der Schweizer Schriftsteller hat einmal gesagt: „Die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit. Komischerweise. Die glaubt niemand.“

 

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Der Kern Ihres Investmentansatzes ist es ja, den Fair Value einer Aktie zu bestimmen, den Titel nur mit einer Sicherheitsmarge zu kaufen und bei Erreichen seines fairen Wertes wieder zu verkaufen. Nun wird es in der Praxis sicherlich vorkommen, dass die Gegenbewegung auf sich warten lässt und die Aktie nach ihrem Kauf weiter fällt. Bleiben Sie dem Titel dennoch treu?

 

C. B.: Das kommt vor, vielleicht sogar häufiger, als man sich das wünscht. Unser Handeln basiert auf der These, dass der Markt den fairen Wert einer Aktie nicht verkennen wird. Nun kann es sein, dass wir erkennen müssen, dass uns bei der Wertermittlung ein Fehler unterlaufen ist. Dann verkaufen wir den Titel. Wenn sich der Wert aber im Zuge unserer Prüfungen, die wir bei jedem Kursrückschlag erneut durchführen, bestätigt, dann kaufen wir nach. Das ist genuines Investment. Da sich an unserer Überzeugung nichts geändert hat, ist die Aktie dann noch attraktiver geworden. Deswegen kaufen wir uns gewöhnlich schrittweise in einen Titel ein, um die Option von günstigeren Nachkäufen zu haben. Das gilt auch bei Krisenszenarien. Denn unsere Ausgangsbasis ist der Wert einer Aktie, nicht die Entwicklung eines Marktes.

 

 

Lesen Sie das ganze Interview in der Print-Ausgabe 01/2015 von FONDS exklusiv.