Inhalt | Print-Ausgabe 02/2010
27.05.2010

Tango Korrupti

Ravi Batra nimmt sich kein Blatt vor den Mund: Eine korrupte Elite hat die Finanzkrise verursacht. Ölmonopolisten gaukeln Knappheit vor. Und die Aktienmehrheit der Top-Unternehmen gehört in die Hand der Arbeiter und Angestellten. Is "The New Golden Age" coming?
 

von Bettina M. Gordon

FONDS exklusiv: Herr Batra, der Finanzolymp wackelt schon wieder bedenklich: Die SEC hat Goldman Sachs auf Betrug verklagt. Alan Greenspan, der frühere Halbgott der Wall Street, ist zum unbeliebten Buhmann der Nation geworden. Die Finanzwelt ist nicht mehr das, was sie noch in 2008 war. All dies haben Sie in Ihren Büchern bereits vor Jahren angekündigt. Warum sehen Sie etwas kommen, was so vielen anderen Experten entgeht? 
 
Ravi Batra: Ich gehöre weder einer Gruppe, Religion oder politischen Partei an und verschreibe mich keiner Ideologie. Ich ziehe somit keinen Vorteil daraus, den Markt und die Wirtschaft schön oder zumindest hoffnungsfroh zu reden, so wie es zahlreiche meiner Kollegen tun. Oft kommt es auch vor, dass sogenannte Experten sich einfach einer weit verbreiteten Idee verschreiben und nicht offen sind für andere Sichtweisen. Ich analysiere die Geschichte und Fakten und baue auf Logik. Meine Schlüsse sind oft divergierend zur vorgefassten Meinung. 
 
FONDS exklusiv: Sie werden oft heftig kritisiert von Kollegen und dem Establishment. 
 
Ravi Batra: Ja, und das schon lange und von Kritikern aus der ganzen Welt. Die meisten kritisieren mich leichtfertig, ohne überhaupt eines meiner Bücher gelesen zu haben. Das ist manchmal hart, sowohl für mich, als auch meine Familie. Doch ich fühle mich der Wahrheit, der Logik und den Fakten gegenüber verpflichtet. Und wie Sie sehen, kommt am Ende die Wahrheit doch ans Tageslicht. 
 
FONDS exklusiv: In "Greenspans Betrug" sind Sie scharf mit dem ehemaligen Notenbankchef ins Gericht gegangen und haben Recht behalten. Wir müssen alle nun die Suppe auslöffeln, die der FED-Chef versalzen hat. Was war Greenspans größter Fehler? 
 
Ravi Batra: Greenspan fokussierte auf Unternehmensgewinne und eine steigende Produktivität als Zugpferde des Wirtschaftswachstums. Er dachte, dass hohe Profite eine hohe Beschäftigung bringt, während hohe Löhne zu Arbeitslosigkeit führen. Das ist aber falsch. Eine gesunde Wirtschaft braucht immer die Balance zwischen Angebot und Nachfrage, sonst gibt es entweder hohe Arbeitslosenraten oder hohe Inflation. Die Quelle für Angebot ist Produktivität, die Quelle für Nachfrage sind steigende Reallöhne bzw. eine steigende Kaufkraft und Konsumentenausgaben. Greenspan liebte den Anstieg an Produktivität, aber hasste den Anstieg der Reallöhne. Er hat immer gegen ein Anheben der Löhne gewettert und wollte sogar die Mindestlöhne abschaffen, während stetige Preiserhöhungen in den Vereinigten Staaten die Kaufkraft der Konsumenten schmälerte. 
 
FONDS exklusiv: Die Regierung unter George W. Bush und die Wirtschaftskapitäne standen in der Mehrheit hinter Greenspan. 
 
Ravi Batra: Richtig. Was dazu führte, dass der Mindestlohn in den USA auf 7,5 Dollar pro Stunde sank und wir nun 9,7 Prozent Arbeitslosigkeit haben, während im Jahr 1969 die Mindestlöhne auf dem Rekordwert von 10 Dollar pro Stunde standen und es nur 3,5 Prozent Arbeitslose gab (eine der niedrigsten Ergebnisse in der Geschichte der USA). Wenn die Reallöhne also nicht mithalten können mit dem Anstieg der Produktion, dann öffnet sich mit der Zeit eine Schere mit mehr Angebot als Nachfrage. Es gibt einen Weg, die Nachfrage künstlich steigen zu lassen - mit neuer Verschuldung. Es ist ein künstlicher Weg, der nicht ewig begangen werden kann, der die Probleme auf die langfristige Bank schiebt. Seit 1981, als Greenspan Präsident Ronald Reagan beriet, ist das US Budgetdefizit gestiegen. Ökonomen nannten es Fiskalpolitik, doch in Wirklichkeit war es eine Politik der Verschuldung. 
 
FONDS exklusiv: Was passiert, wenn die Produktivität schneller steigt als die Reallöhne und die Schere zwischen Angebot und Nachfrage mit neuen Schulden gefüllt wird? 
 
Ravi Batra: Die Unternehmensgewinne steigen wie verrückt, denn steigende Produktivität bringt höheres Kapitaleinkommen. Mit steigenden Profiten kommen steigende Kurse und jeder ist happy. So hat die Welt Greenspan applaudiert, aber niemand hat darauf geachtet, welche Rolle der Schuldenberg hier spielt. In den 80er-Jahren ist der Dow Jones Index innerhalb von zwei Jahren um 1.000 Punkte gestiegen, nachdem der Index knapp 100 Jahre gebraucht hat, um die ersten 1000 Punkte zu erreichen. Ein dankbarer Reagan machte Greenspan im August 1987 zum Notenbankchef. Keine zwei Monate später ist die auf Schulden aufgebaute Aktienblase - kreiert durch die auf Schulden basierende Profitblase - geplatzt. Was tat Greenspan? Anstatt auf Löhne zu fokussieren, hat er die Welt mit Geld geflutet und die Zinsen gesenkt, damit sich die Konsumenten noch mehr borgen können. Das Problem wurde also mit noch mehr Schulden gelöst. 
 
Das vollständige Interview finden Sie in der Deutschland-Ausgabe 02/2010 von FONDS exklusiv.