Inhalt | Print-Ausgabe 04/2016
16.12.2016

Tauziehen um Traditionen

Die Zeichen einer neuen Ära in der globalen Finanzbranche gehen auch an Österreichs Privatbanken nicht spurlos vorbei. Vom Einzug der FinTechs bis hin zum wachsenden Kostendruck muss die heimische Elite der Geldverwalter sich zahlreichen Herausforderungen stellen. Wie die Branche den Wandel erfolgreich meistern will, das hat FONDS exklusiv sich in der großen Private-Banking-Umfrage genau angesehen.

von Raja Korinek

Foto: Fotolia.de

Eigentlich gilt sie als äußerst diskret und betont traditionsreich, die feine Welt der heimischen Privatbanken. Dunkle Holzvertäfelungen und protzige Marmorstiegen gehören dabei längst einem Klischee aus der Vergangenheit an. Es ist vor allem Kontinuität, die im Mittelpunkt der Branche steht. Schließlich wollen die Vermögenden ihr Geld auch in stabilen Händen wissen. Und dennoch kann sich die Branche neuen Herausforderungen nicht entziehen, etwa dem steigenden Kostendruck, den wachsenden Regularien, aber auch den zahlreichen Konsolidierungen. Obendrein macht die Digitalisierung längst auch vor der weltweiten Finanzbranche nicht mehr Halt. Wie die heimischen Privatbanken den Wandel der Zeit meistern wollen, das hat FONDS exklusiv sich in der großen Private Banking-Umfrage angesehen.

Individualität für Vermögende

Doch was zeichnet das Private Banking eigentlich aus? Allein, wer Teil der exklusiven Geldelite sein möchte, der muss über ein gehöriges Vermögen verfügen, wie ein Blick auf die Tabelle ab Seite 42 zeigt. Denn die Eintrittsschwelle reicht von 100.000 Euro beim Bankhaus Spängler bis hin zu einer Million Euro bei der Kathrein Privatbank. Für Sylvia Denkstein, Bereichsleiterin Private Banking beim Bankhaus Spängler, gibt es dabei noch einen wichtigen Aspekt: „Wir konzentrieren uns auf die qualifizierte Beratung von Private Banking-Kunden.“ Ein wesentlicher Unterschied zum Retailbanking eben, wie Denkstein weiters ausführt. Denn dort werde eine große Anzahl an Kunden mit ¬geringem oder gar keinem Beratungsbedarf betreut. Einige heimische Privatbanken, wie die Wiener Privatbank, die Privat Bank der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich oder auch die Hypo Vorarlberg setzen zwar keine dezidierte Untergrenze ¬voraus, dennoch machen kleine Anlagesummen grundsätzlich wenig Sinn.

Eduard Berger, Vorstandsmitglied der Wiener Privatbank, präzisiert: „Es muss genug Vermögen vorhanden sein, um von unseren Kernkompetenzen, Immobilien und Aktien, profitieren zu können.“ Schließlich hätten vermögende Kunden mehr Manövriermasse, um ihr Geld diversifizierter anzulegen. Freilich eine wichtige Voraussetzung, um das Private Banking-Angebot sinnvoll nutzen zu können. Und dazu zählt auch die umfangreiche Beratung. Spängler-Expertin Denkstein gibt dazu tiefere Einblicke über die Vorgangsweise in ihrem Haus: „Gemeinsam mit den Kunden legen wir die strategische Vermögensausrichtung fest, sie muss regelmäßig diskutiert und hinterfragt werden.“

Wie wichtig der persönliche Kontakt tatsächlich ist, das unterstreicht auch Franz Witt-Dörring, Vorstandsvorsitzender der Schoellerbank: „Private Banking bedeutet, sich vor allem ausreichend Zeit zu nehmen, um die Bedürfnisse unserer Kunden zu verstehen und darauf individuell einzugehen.“ Und das hat durchaus gute Gründe. Denn die Erfahrung zeige, „dass es kein Produkt gibt, das alle Bedürfnisse und Wünsche abdeckt“. Es gilt also, mehrere Strategien sorgfältig auszuloten.

Hinzu kommt noch eine wesentliche Unterscheidung vom breiten Massengeschäft, auf die Susanne Höllinger, Vorstandsvorsitzende der Kathrein Privatbank, verweist: „Das Retailbanking geht in Richtung Filialschließungen, immer weniger persönlichen Kundenkontakt, stark limitiertem Produktangebot und absoluten Standardlösungen. Also genau in die gegenteilige Entwicklung vom Private Banking.“

Regulierungswut belastet

Dennoch, seit der Krise von 2008 hat sich die gesamte Finanzwelt rund um den Globus stark verändert. Und dem können sich auch Österreichs Privatbanken nicht entziehen. Ganze Flutwellen an Regularien überrollen inzwischen die Branche, sie muss entsprechend darauf reagieren. Allein die Dokumentationspflichten nehmen zu, und Banken werden verstärkt in die Pflicht genommen. Nicht ohne Grund meint Bernhard Ramsauer, Chef der Semper Constantia Privatbank: „Die größte Herausforderung für Banken besteht derzeit darin, die vom Regulator vorgegebenen Rahmenbedingungen vollinhaltlich, aber auch in ökonomischer Art und Weise zu erfüllen.“ Dabei dürfte das regulatorische Umfeld in den kommenden Jahren noch anspruchsvoller werden, blickt Spängler-Expertin Denkstein auf künftige Entwicklungen. „Und das wird die Bankenlandschaft maßgeblich verändern, insbesondere das Beratungsgeschäft wird dann mit erheblichem Mehraufwand belastet werden“, resümiert Denkstein. Demnächst steht etwa die Umsetzung von MiFID II an, die Direktive umfasst beispielsweise wesentliche Transparenzvorschriften bei Wertpapiergeschäften. Schon jetzt befassen sich zahlreiche Institute mit diesem umfangreichen Implementierungsprozess oder haben die Herausforderung bereits gemeistert: „Wir reagierten frühzeitig im Jahr 2015 mit der Umstellung der Veranlagungsberatung auf die EU-Richtlinie MiFID II. So sind wir mit 40 geprüften Eigen- und Fremdfonds, die unterschiedliche Anlagestrategien bedienen, bestens vorbereitet“, verweist Gaston Giefing, Leiter Raiff¬eisen Private Banking Wien bei der Raiffeisen Landesbank Nieder¬österreich/Wien (RLB NÖ/Wien), auf entsprechende Maßnahmen in seinem Haus.

Konsolidierung als Konsequenz

Fraglich bleibt allerdings, ob dabei alle Branchenmitwerber mit dem steigenden Aufwand, den neue Anforderungen und Regularien mit sich bringen, auch mithalten können. Denn, wie Ramsauer von der Semper Constantia betont, seien eine entsprechende Größe und Geschäftsentwicklung unerlässlich, um auch die Kosten dafür tragen zu können. Ein entscheidender Faktor, meinen auch andere Mitwerber. Schoellerbank-Chef Witt-Dörring verweist dabei auf die jüngere Vergangenheit, „sie hat gezeigt, dass Private Banking-Einheiten mit einem verwalteten Kundenvermögen von weniger als rund fünf Milliarden Euro im aktuellen Umfeld nicht rentabel erscheinen.“ Dann fallen die hohen Kosten schließlich zu sehr ins Gewicht.

Wenig verwunderlich, dass auch Tendenzen zu Konsolidierungen am österreichischen Markt laut Witt-Dörring „ganz klar vorhanden seien“. Allein, einige wesentliche Veränderungen hat es bereits in diesem Jahr gegeben. Im Frühjahr 2016 schnappte sich die Wiener Privatbank einen Konkurrenten, die Valartis Privatbank. Und das Bankhaus Schelhammer&Schattera ist inzwischen mehrheitlich im Eigentum der GraWe-Gruppe, zu der auch die Capital Bank gehört. Allerdings ist es nicht nur die wachsende Bürokratie, die Banken das Leben erschwert. Auch das historische Zinstief hinterlässt immer tiefere Spuren. Und stellt die Branche vor weitere Herausforderungen. Wolfgang Traindl, Leiter Private Banking bei der Erste Bank, verweist auf die wenig erfreulichen Folgen: „Daraus ergeben sich niedrigere Ertragserwartungen für die Kunden, es führt auch zu einem Druck auf die Margen.“

Bei bestimmten Dienstleistungen und Produkten sei die Marge sogar negativ, gibt sich Beatrice Schobesberger, Direktorin Wealth Management bei der Hypo Vorarlberg, wenig erfreut. „Den Instituten fehlen nun die Erträge.“ Das treffe vor allem auf einlagenfinanzierte Banken zu, „die sich nicht über den Kapitalmarkt refinanzieren können. Damit gerät das Zinsergebnis stark unter Druck.“

Alternative Strategien gesucht

Eine Besserung scheint aber nicht so rasch in Sicht zu sein, wenn man die Prognosen zahlreicher Analysten betrachtet. Oft genug fällt in Bezug auf die Zinslandschaft der Spruch „Lower for Longer“, das trifft vor allem auf Europa zu. Für die Privatbanken gilt es deshalb, vor allem mit konservativ ausgerichteten Anlegern geeignete Alternativen zu finden. Auf sie verweist Höllinger von der Kathrein Privatbank: „Bei einem Anlei¬- heinvestment empfehlen wir eine breite Diversifizierung, auch abseits von Euro-Staatsanleihen. Die ¬Streuung kann durchaus Anleihen aus den Schwellenländern umfassen, wobei wir die Gewichtung regelmäßig anpassen.“ Dabei böten insbesondere Staatsanleihen aus den Emerging Markets in lokaler Währung attraktive Renditen und zugleich die Perspektive einer Währungsaufwertung. Gemessen an der Kaufkraftparität seien viele davon derzeit nämlich günstig bewertet.

Doch insgesamt sei es bei dem anhaltend niedrigen Zinsniveau schwieriger geworden, Kunden überhaupt für Veranlagungsprodukte zu begeistern, verweist Waltraud Perndorfer, Leiterin Privat Bank, auf eine aktuelle Entwicklung. Verständlich, da auch die allgemeinen Marktschwankungen zugenommen haben, manche Anleger in diesem unsicheren Umfeld erst gar nicht veranlagen wollen. Perndorfer: „Viele Kunden bevorzugen inzwischen ein Investment in den vermeintlich sichereren Immobilienmarkt. Auch verwenden sie Einlagen, um bestehende Finanzierungen abzudecken.“

Bei der Erste Bank sehe man ebenfalls, dass Kunden sich für andere Anlageklassen als Wertpapiere inte¬ressierten, besonders für reale Werte wie Immobilien und Gold. „Zudem nehmen Kunden vermehrt unseren Rat im Hinblick auf die reale Erhaltung ihres Vermögens in Anspruch“, betont Traindl. Das ist auch wenig verwunderlich. Zieht man die Infla¬tionsrate von den mickrigen Zinsen ab, landet man rasch in der Minuszone.

Verständlich, wenn auch Schobesberger von der Hypo Vorarlberg meint: „Für Kunden steht heutzutage vor allem der Kapitalerhalt und die Sicherheit der Anlage im Vordergrund, anstelle einer möglichst hohen Rendite.“ Das Ertragsdenken sei eher in den Hintergrund gerückt. Ähnlich die Entwicklung, die auch Alexander Eberan, Vorstandsmitglied im Bankhaus Krentschker, beobachtet: „Die Kunden wollen Sicherheit, aber auch eine Rendite, die ihr Kapital inflationsbereinigt möglichst nicht schmelzen lässt.“

 

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