Technologie: Vom US-Virus angesteckt
2007 warteten Technologieaktien zur Überraschung vieler Investoren mit einer deutlichen Outperformance auf. Ob sich dieser Trend auch dieses Jahr fortsetzt, erscheint jedoch mehr als fraglich. Denn nach monatelanger tapferer Resistenz hat das Virus namens US-Kreditkrise nun doch auf die Hightech-Branche übergegriffen.

Wer bisher geglaubt hat, die US-Kreditkrise würde den Technologiesektor nahezu ungeschoren lassen, sieht sich spätestens nach den zuletzt präsentierten Quartalsberichten eines Besseren belehrt. Die Hightech-Anbieter leiden zum einen direkt darunter, denn viele Unternehmen stellen IT-Investitionen im gegenwärtigen Umfeld immer unsicherer werdender Geschäftsaussichten erst einmal zurück und warten ab. Geplante Aufrüstungen, Upgrades etc. erscheinen angesichts gekappter Expansionspläne plötzlich nicht mehr so dringlich und verschwinden in der Schublade. Besonders hart trifft es wieder einmal die Bereiche Halbleiter-Ausrüstung und Netzwerk-Infrastruktur. So stürzte etwa der Chip-Weltmarktleader Intel an der Börse dramatisch ab, weil die Wachstumsprognose für 2008 kräftig zusammengestutzt werden musste. "Intels Hoffnung, die Schwäche im US-Markt durch solides Wachstum in anderen Weltregionen ausgleichen zu können, hat sich nicht erfüllt", erklärt Peter Boockvar, Analyst beim US-Finanzhaus Miller Tabak & Co. Und das sind schlechte Nachrichten für die gesamte Branche, vor allem aber für jene Investoren, die bisher an der Börse auf die Abkoppelungsthese gesetzt haben.
Dabei gab es zahlreiche Warnsignale, wie etwa die letzten Quartalsausweise des Netzwerkriesen Cisco. Sprach CEO John Chambers im August noch von "der besten aller Welten" seit seinem Amtsantritt beim führenden Internet-Autobahnbauer, so klang dies im November schon ganz anders. Da klagte er bereits über eine Auftragsflaute aus dem US-Finanzbereich, der traditionell zu den wichtigsten Abnehmern vieler US-Hightech-Konzerne zählt. Und nun musste der Cisco-Chef gar eingestehen, dass die Kunden aus nahezu allen Branchen "extrem vorsichtig geworden sind" - auch in Europa und Asien.
Doch es tönt nicht nur in Moll aus den Hightech-Vorstandsetagen. So demonstrierte etwa IT-Riese IBM große Zuversicht für 2008 und begründete dies mit höheren Auftragseingängen aus Osteuropa, Vietnam und China. Allerdings hätte "Big Blue" ohne den Turbo-Effekt des schwachen Dollars 2007 statt über zehn nur vier Prozent Umsatzzuwachs erreicht. Als Gradmesser für den US-Hightech-Sektor eignet sich IBM außerdem nur bedingt, denn über zwei Drittel der Erlöse werden bereits außerhalb der USA erwirtschaftet.
Wenn es aber Cisco nicht gelingt, sich von der US-Malaise abzukoppeln, stellt sich natürlich die Frage, inwieweit dieses Ziel von anderen IT-Marktführern erreicht werden kann. Am ehesten trauen Analysten dieses Kunststück einigen Softwareanbietern sowie Technologieunternehmen zu, die ein lukratives Marktsegment besetzt haben und nun die Früchte ihrer Hightech-Leadership ernten. So haben etwa Microsoft und Oracle zuletzt mit kräftigem Wachstum positiv überrascht. Doch selbst ein Software-Gorilla wie SAP kann keine Wunder vollbringen: 2008 erwarten die Walldorfer wegen schwächerer Nachfrage ihrer Businessprogramme nur noch einen Zuwachs bei den Lizenz- und Wartungserlösen von 12 bis 14 Prozent, nach 17 Prozent im abgelaufenen Jahr. Und das klingt doch eigentlich gar nicht so übel. Denn, so verlautet aus der SAP-Zentrale, die Auswirkungen der Kreditkrise auf das eigene Geschäft seien gering, da viele Betriebe auch in schlechteren Zeiten danach strebten, ihre Effizienz zu steigern und neues Wachstum zu generieren. Zudem seien solche IT-Projekte kaum fremdfinanziert. Auch andere Technologiekonzerne aus Europa wie Philips oder Nokia wollen überdurchschnittlich wachsen.
Den vollständigen Artikel finden Sie in der Print-Ausgabe 01/2008 von FONDS exklusiv.
