Inhalt | Print-Ausgabe 2/2022
21.07.2022

Transparenz als Indikator

Die Herausforderungen der „grünen Transformation“ von Gesellschaft und Wirtschaft sind unverändert groß.

von Kay Schelauske

Kay Schelauske

Vermutlich sind sie in den letzten Monaten noch gestiegen. Denn infolge der anhaltenden Kämpfe in der Ukraine, der massiv gestiegenen Rohstoffpreise und der Tatsache, dass der russische Aggressor am „Gashebel“ sitzt, ist die Sicherheit der Energieversorgung in den Fokus europäischer Politik gerückt. Nachhaltige Ziele, wie der Verzicht auf fossile Energieträger, insbesondere Kohle und Erdöl, drohen dabei ausgebremst zu werden. Wer einen tieferen Blick in die Erneuerbare-Energien-Branche wirft, wird feststellen, dass auch dort längst nicht alles rund läuft. Störfaktoren gibt es derzeit genug. Da verzögern z. B. die Lieferketten-Störungen, die durch die Null-Covid-Politik Chinas massiv verstärkt werden, die Fertigstellung von Energieprojekten. Die starken Preissteigerungen führen bspw. bei Windkraftunternehmen dazu, dass viele Hersteller kaum kostendeckend produzieren können. Stichwort Energietransporte: Es mangelt oftmals an den nötigen Übertragungsleitungen, um den regional erzeugten Strom in weit entfernte Verbrauchszentren zu transportieren – doch bis allein die Baugenehmigungen vorliegen, gehen Jahre ins Land.

Hauptrolle für Finanzbranche

Fakt ist aber auch: Der Klimawandel schreitet unvermindert voran. Der pandemiebedingte Wirtschaftseinbruch hat lediglich eine Atempause verschafft. Denn inzwischen steigen die CO2-Emissionen unvermindert weiter. Gerade deshalb ist es wichtig, dass sich Unternehmen, wie mit der Green Finance Alliance geschehen, in Nachhaltigkeits-Initiativen zusammenschließen. Der Finanzbranche kommt dabei zweifellos eine Hauptrolle zu, denn Investmentgesellschaften, Banken, Versicherungen und Versorgungseinrichtungen entscheiden darüber, in welche Regionen, Sektoren, Unternehmen und Projekte viele Milliarden Euro investiert werden.

Ein Stück weit treffen aber auch wir, die Konsumenten und Anleger, die Investmententscheidungen, sozusagen Hand in Hand mit dem Vermittler bzw. Vermögensberater des Vertrauens. Sie müssen voraussichtlich ab 2. August dieses Jahres ihre Kunden in Sachen Nachhaltigkeit aufklären und ihre sogenannten Nachhaltigkeitspräferenzen abfragen. Kein leichtes Unterfangen, was der Gesetzgeber hier bislang vorgibt, zumal noch nicht alle Details klar sind. Für Kunden und Vermittler ist es dennoch vor allem wichtig, sich auf den „grünen Weg“ zu begeben, sofern dies noch nicht geschehen ist. Warum?

Es gibt keine Alternative zur „grünen Transformation“. Oder anders ausgedrückt: Für Konsumenten und Anleger wird sich nachhaltiges Handeln immer mehr auszahlen. In Sachen Veranlagung gilt das sowohl für den direkten Weg über Aktien und Fonds als auch den indirekten via Lebensversicherungen oder der betrieblichen Altersvorsorge. Zweifelsohne sind die Gesellschaften unterschiedlich stark nachhaltig unterwegs und es erfordert Rechercheaufwand, den passenden Anbieter zu finden. Aber die Produktanbieter dürften dies noch verstärkt mit Tools und Schulungen zumindest ein Stück weit erleichtern. Und eines zeigt das neue Klima-Bündnis der Finanzbranche auch: Transparenz ist ein guter Indikator für „grüne Glaubwürdigkeit“.