Inhalt | Print-Ausgabe 04/2018
16.01.2019

Und ewig lockt das Gold

Lebt das Gold als Investment nach den Preisstürzen noch vom Ruhm vergangener Tage? Oder hat es Eigenschaften, die sonst kein Wertpapier bieten kann? Für konservative Anleger ist es als Beimischung sinnvoll, meinen Experten.

von Thomas Müller

Foto: Fotolia

Es ist eigentlich zu wenig nutze und dennoch werden tausende Tonnen davon unter enormen Aufwand aus der Erde geholt und dann wieder in eigens errichteten riesigen Lagern aufbewahrt, wo es im Gegensatz zum Schmuck niemand sieht. Schon der Ökonom John Maynard Keynes mokierte sich über das anachronistische Anhäufen von Abertonnen an Gold und bezeichnete es als „barbarisch“. Fast 100 Jahre später hat das edle Metall immer noch eine treue Fangemeinde und wird von vielen Vermögensberatern und Fondsmanagern als gängige Beimischung in den Wertpapierportfolios eingesetzt. Denn einige besondere Eigenschaften hat es schon: Erstens ist Gold nur begrenzt verfügbar, denn die Förderung ist teuer und kann nicht beliebig erhöht werden. Zweitens wird es auf der ganzen Welt als wertvoll anerkannt und das seit Jahrtausenden, und drittens verändert es sich nicht, egal wie lange man es aufbewahrt. Damit verhält es sich ähnlich wie eine Währung, nur dass der Goldpreis nicht eine Volkswirtschaft widerspiegelt, sondern die globale Stimmung am Finanzmarkt, die politische Situation oder die herrschende Notenbankpolitik.

Anleger können daher das Gold als spekulative Wette auf alle diese Faktoren in der Zukunft einsetzen. „Man kann es aber auch als sicheren Hafen im Portfolio sehen", sagt Thiemo Storz, zuständig für den deutschsprachigen Vertrieb des Londoner Rohstoff-Spezialisten WisdomTree. "Gold korreliert nicht mit Aktien und Anleihen und ist nicht so stark von Angebot und Nachfrage beeinflusst. Es geht nicht darum Ertrag zu erwirtschaften, sondern um den Werterhalt." Mehr als Werterhalt, und das auch nur zum Teil, war in den letzten Jahren für die Goldanleger tatsächlich nicht drin. Ungezählt sind die Analysten-Prognosen, die Gold bis 2018 bei 2000 US-Dollar pro Feinunze gesehen haben, geworden ist es eine Seitwärtsbewegung um die 1.200-US-Dollar-Marke herum.

In unserer Titelstory zum Gold in der Ausgabe 2/2017 haben wir bereits auf den volatilen Goldkurs hingewiesen, der kurzfristige Ausblicke zu einem gefährlichen Geschäft macht. Im vergangenen Sommer ging es zuletzt wieder einige Prozente hinunter. „Der Markt sieht Gold derzeit pessimistisch, das sehen wir an der stark gesunkenen Zahl an Gold-Future-Kontrakten“, muss auch Thiemo Storz einräumen. „Wir erwarten aber keine großen Korrekturen. Es gab 2018 eine gewisse Enttäuschung am Markt, weil ein Preisanstieg erwartet wurde.“ Das Basisszenario von WisdomTree bis zum 3. Quartal 2019 rechnet mit einer weiteren Seitwärtsbewegung, unter der Voraussetzung, dass wir bis dahin drei Zinserhöhungen der US-Notenbank (Fed) und eine leicht sinkende Inflation haben werden. Den Goldkurs sieht man in diesem Fall stabil bei rund 1.300 US-Dollar. „Wertverluste halten wir für extrem unwahrscheinlich, bei geringerer Volatilität als am Aktienmarkt“, resümiert Storz. Welchen Einfluss die Geldpolitik auf den Goldpreis haben kann, mussten die Anleger zuletzt Mitte 2013 erfahren, als die angekündigten Zinserhöhungen der Fed den Kurs einbrechen ließen. Euro-Anleger mussten fast ein Drittel an Wertverlust hinnehmen, Dollar-Anleger traf es wegen der schwachen US-Währung in den folgenden Jahren noch härter. Weil Gold grundsätzlich in US-Dollar gehandelt wird, müssen jene, die direkt in Gold investieren, ein gewisses Währungsrisiko in Kauf nehmen.

Von den Schulden gefangen

Dass die herrschende Geldpolitik den Goldpreis nicht so bald wieder unter Druck bringen wird, erwartet auch Fondsmanager Benjamin Louvet vom französischen Vermögensverwalter OFI Asset Management. Er ist für den „OFI Precious Metals“ zuständig, der als einziger Edelmetall-Fonds auch UCITS-konform ist und überwiegend in Gold und Silber investiert. Die Preise der beiden populärsten Edelmetalle entwickeln sich historisch ähnlich. „Die große Schuldenlast der USA und anderer wichtiger Länder macht es auf absehbare Zeit unvorstellbar, dass die realen Zinsen steigen werden“, ist Louvet überzeugt. „Die nominalen Zinsen steigen zwar wieder und die US-Notenbank wird weitere Zinsschritte setzen. Allerdings gehen wir davon aus, dass mit dem Wirtschaftswachstum auch die Inflation steigt, und zwar schneller als die nominalen Zinsen. Das bedeutet sinkende Realzinsen und diese helfen dem Goldpreis.“ Louvet beruft sich dabei auf die langfristige Erfahrung seit den 1970er Jahren, als der Goldstandard von Bretton-Woods aufgehoben wurde. Damals wurden die vormals fixen Wechselkurse zwischen dem US-Dollar, dem Goldpreis und 43 anderen Währungen dem freien Markt überlassen.

Doch selbst optimistischen Gold-Anlegern empfiehlt der Fondsmanager nicht mehr als fünf Prozent des Vermögens in das Edelmetall zu investieren. Mit der globalen Verschuldung argumentiert auch Ralf Borgsmüller, Partner bei der PSM Vermögensverwaltung, in einem Kommentar im Wallstreet Journal: „Bei dieser riesigen Weltverschuldung stehen die Notenbanken mit dem Rücken zur Wand. Bei jeder neuen Finanzkrise müssen sie die Notenpressen immer schneller und in größerem Umfang in Gang setzten. Inflationieren oder Bankrott gehen ist das Schicksal der Weltwirtschaft.“ Sobald das den Anlegern klar wird, kommt es zum Run auf das Gold, prophezeit Borgsmüller.

Wirkstoff gegen Krisenangst

Dass Gold als Krisenwährung funktionieren kann, zeigte sich zuletzt zwischen 2007 und 2009 als der Goldpreis zwar eine Zeit lang mitgerissen wurde, aber letztlich jedes Jahr zweistellig im Plus lag (in Euro gerechnet). Eine Bilanz, die die meisten Börsenindizes und Aktienfonds nicht ziehen konnten. „Gold ist der perfekte Portfoliohedge und hat bisher bei jeder Rezession funktioniert“, bringt es Ronald Stöferle vom Liechtensteinischen Vermögensverwalter Incrementum in einem Online-Video auf den Punkt. Der Goldexperte sieht etwa in den USA erste Gewitterwolken beim Immobilienmarkt, bei den Autoverkäufen oder der Ausfallsquote für Kreditkartenschulden. Andere Marktbeobachter fürchten die enormen Staatsschulden von Italien und dessen rechtspopulistischer Regierung oder den Handelskrieg, den US-Präsident Donald Trump vom Zaun bricht. Wer also zu den pessimistischeren Szenarien für die Weltwirtschaft tendiert, kann sich mit Gold zumindest ein gewisses subjektives Sicherheitsgefühl ins Depot einkaufen.

Auf einen technischen Aspekt weist schließlich Andreas Hoose vom Antizyklischen Börsenbrief hin. Die Spekulation vieler Trader auf einen weiter fallenden Gold- und Silberpreis mittels Verkaufsoptionen, so genannte Short-Positionen, könnte sich als Fehleinschätzung herausstellen. Wenn die Short-Position bei einem gestiegenen Goldpreis geschlossen wird, muss der Verkäufer zum vereinbarten Preis liefern, was zu einer großen Nachfrage und hochschießenden Preisen führen kann („Short-Squeeze“). Zuletzt stand der Goldpreis Mitte November knapp über 1.200 US-Dollar und damit besser als noch im September, aber immer noch gute fünf Prozent schwächer als ein Jahr zuvor.

Diverse Anlagemöglichkeit

Für den entschlossenen Gold-Anleger stellt sich allerdings die Frage, in welcher Form er investieren möchte. Da gibt es schon beim physischen Gold einige Möglichkeiten, wie die klassischen Goldbarren in verschiedenen Größen, die Goldmünzen oder sehr kleine Stückelungen wie die CombiBars und FineCards des deutschen Anbieters Heimerle und Meule. Die CombiBars sind Goldtafeln, die an Sollbruchstellen in Ein-Gramm-Barren aufgeteilt werden können, wie eine Tafel Schokolade. Die FineCards wiederum sind kleine Kunststoffkarten mit eingelassenen Ein-Gramm-Barren und eignen sich eher als Geschenkidee. Einen ähnlichen Zweck erfüllt der 2018 eingeführte „Goldsparplan“ der Münze Österreich, bei dem eine Philharmoniker-Goldmünze in regelmäßigen Abständen zugeschickt wird. Die kleinste Münze hat eine 1/25 Unze, die größte eine Unze. Insgesamt rechnet man bei der Münze Österreich mit einem etwas schwächeren Gold-Absatz als 2017 (764.800 Unzen), 2016 waren es noch 834.600 Unzen. Von den Goldsparplänen wurden bisher rund 1000 verkauft, und das ganz ohne Werbung, wie man bei der Prägeanstalt betont.

Die Preise für diese Produkte ergeben sich in erster Linie aus dem aktuellen Goldpreis, aber nicht nur. „Auf diesen Börsenpreis wird ein geringer marktüblicher Handelsaufschlag berechnet. Zum anderen kommen, abhängig vom Produkt, Kosten für die Herstellung hinzu“, erklärt Jonas Schneider, Produktmanager bei Heimerle und Meule. Nachdem die Herstellungskosten pro Stück anfallen, sind kleine Stückelungen pro Gramm etwas teurer. Will man das Gold bei einem Händler wieder verkaufen, wird ein Handelsabschlag fällig. Praktischer in der Handhabung sind da schon die Finanzprodukte, die den Goldpreis abbilden und auch in größeren Summen gehandelt werden können, ohne logistische Probleme zu bekommen. Das sind einerseits Indexzertifikate auf Gold oder Goldminen-Indizes, die keine jährlichen Gebühren verursachen. Andererseits bieten sich Exchange Traded Commodities (ETC) an, die im Gegensatz zu den Zertifikaten von den Emittenten mit physischem Gold oder Gold-Derivaten hinterlegt sind. Das Emittentenrisiko ist dadurch stark reduziert, was aber auch Kosten von 0,4 bis 1 Prozent p.a. verursacht. Ein gegen den US-Dollar abgesicherter ETC, wie der Gold EUR Hedge ETC von BNP Paribas Asset Management, kostet 1,20 Prozent p.a.

 

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Eine weitere Anlagemöglichkeit besteht in Fonds mit Goldminenaktien. Die Kurse reagieren hier relativ volatil auf den Goldpreis und das Klumpenrisiko in so einem Fonds ist naturgemäß groß. Der NYSE Arca Gold BUGS Index, der die größten Minengesellschaften abbildet, hat sich 2013 mehr als halbiert (siehe Chart) und bewegt sich seitdem auf diesem Niveau seitwärts. Wer mit steigenden Goldpreisen rechnet, kann hier aber mehr Performance erwarten als nur über das Gold selbst. „Goldminen-ETFs eignen sich für Anleger, die sich permanent mit der Thematik beschäftigen und einen kurzfristigeren Horizont haben. Das muss sehr genau beobachtet werden“, sagt Thomas Meyer zu Drewer, Geschäftsführer des ETF-Anbieters ComStage in einem Interview mit DerAktionär-TV. Dem Normalanleger ist dann wohl eher mit einem günstigen Goldzertifikat geholfen, mit dem man bis zum nächsten nachhaltigen Aufwärtstrend abwarten kann. Eines hat die Geschichte bisher gezeigt: Wertverluste wie an den Börsen oder wie bei Anleiheausfällen sind nicht zu erwarten.