Inhalt | Print-Ausgabe 02/2012
23.05.2012

Verborgene Schätze

Während der Goldpreis von einem Hoch zum nächsten eilt, hinkt die Performance der Branchenaktien hinten nach. Und das ist ungewöhnlich. Warum Fondsmanager jetzt auf eine langfristige Aufholjagd setzen und mit einer Beimischung anderer Edelmetallsparten die Renditen weiter „vergolden“ wollen, lesen Sie hier. 

von Raja Korinek

Auf dem internationalen Goldmarkt spielen sich schon seit Monaten ungewöhnliche Szenen ab. Während der Preis des gelben Edelmetalls auf seinen Höchstständen verharrt – wenn auch zwischenzeitlich mit Rücksetzern –, hinkt die Performance vieler Branchenaktien hinten nach. Allein 2011 hat das physische Metall rund zehn Prozent zugelegt. In genau die entgegengesetzte Richtung wanderte hingegen der FTSE-Gold Miners Index, der gerne von vielen Fondsmanagern als Benchmark verwendet wird, und zwar um knapp 13 Prozent. In diesem Index sind derzeit 26 globale Branchenkonzerne enthalten, die jeweils zumindest 300.000 Unzen Gold jährlich fördern und mindestens 49 Prozent des Gesamtumsatzes damit erzielen. Eine ähnlich negative Entwicklung legten auch die anderen etablierten Messlatten zurück. Sowohl der DAXglobal Goldminers Index als auch der Nyse Arca Gold Bugs-Index (auch bekannt als HUI-Index) schlossen das abgelaufene Jahr mit einem Minus ab.

 

Inzwischen sorgt die anhaltend schwächelnde Entwicklung bei Branchenexperten für reichlich Kopfschütteln. Denn zumindest historisch gesehen haben Goldminenaktien in Zeiten steigender Goldpreise normalerweise die bessere Entwicklung als das „Underlying“ zurückgelegt, hält man etwa bei Lombard Odier Investment Managers fest. An Begründungen für die Performanceschere mangelt es zwar nicht. Genauso gibt es aber genügend handfeste Argumente, die derzeit für eine langfristige Aufholjagd bei Branchenaktien sprechen. Denn allein beim Goldpreis wittern Marktexperten zahlreiche Gründe, die für einen anhaltenden Aufwärtstrend sprechen, die wohl wichtigste Voraussetzung dafür, dass die Minenkonzerne nicht nur bislang gutes Geld verdient haben, sondern auch weiterhin schöne Gewinne schürfen werden. Auch die Branche selbst sieht das offenbar so. Nicht ohne Grund wurde insgesamt das globale Hedging in den vergangenen Jahren kräftig zurückgefahren. Mit Hedging sicherten sich die Unternehmen den Preis für ihre zukünftige Goldförderungen ab, um sich nicht dem Risiko eines möglichen Preisrückschlags auszusetzen. Mittlerweile setzt sich die Mehrheit der Konzerne jedoch lieber dem aktuellen Marktpreis aus. Noch im 4. Quartal 2003 erreichte das Volumen rund 28 Milliarden US-Dollar. Ende 2010 lag die Summe bei lediglich sieben Milliarden US-Dollar. Umso interessanter ist ein näherer Blick auf die aktuellen Marktkräfte, die derzeit die Goldpreisentwicklung beeinflussen.

 

Glänzende Nachfrage

 

Allein im abgelaufenen Jahr legte die weltweite Nachfrage um 0,4 Prozent gegenüber 2010 auf 4.067 Tonnen zu. Das geht jedenfalls aus den Statistiken des World Gold Council hervor. Das Interessante daran: Während noch vor Jahren der Großteil des Angebots in die Schmuckindustrie wanderte, haben sich die Marktkräfte inzwischen zugunsten der Nachfrage seitens der Investoren verschoben. Das ist auch wenig verwunderlich. Angesichts der anhaltenden Schuldenkrise in den entwickelten Ländern, der Flutung der Finanzmärkte mit reichlich billigem Geld sowie den hartnäckig tiefen realen Zinsen wird ein zinsloses Investment in Gold zu einer äußerst attraktiven Alternative zum Werterhalt. Tatsächlich landeten im vergangenen Jahr nur 40 Prozent  der Goldnachfrage in der Schmuck­industrie, 16 Prozent wurden für weitere industrielle Zwecke eingesetzt.

 

Knapp weniger als 35 Prozent schnappten sich Investoren (zum Beispiel in Form von ETFs, Goldbarren oder Münzen). „Das könnte jedenfalls einer der Gründe für die schwächere Performance von Goldminenaktien sein. Denn mit der wachsenden ETF-Industrie haben Anleger inzwischen die Möglichkeit, relativ einfach direkt auf physisches Gold zu setzen, ohne dabei auch noch ein Aktienrisiko einzugehen“, hält ­Nicholas Brooks, Chefanalyst bei ETF-Securities, fest. Tatsächlich halten die Zuflüsse weiter an, entsprechend verharrt das investierte Vermögen in Gold-ETFs auf Rekordniveaus.

 

Auch die weltweiten Zentralbanken haben im vergangenen Jahr erneut kräftig zugelangt und insgesamt 440 Tonnen (oder neun Prozent der gesamten Nachfrage) von dem glänzenden Metall in ihre Tresore gestapelt, immerhin das höchste Niveau seit 1964. Allen voran langten dabei jene Institute aus den Schwellenländern zu, die ihre wachsenden Devisenreserven ein wenig breiter streuen wollen. Dazu zählen etwa Russland, Mexiko, Saudi-Arabien und viele asiatische Nationen wie beispielsweise Thailand. Zugleich hielten sich die Verkäufe der westlichen Notenbanken zurück.

 

Seit einigen Jahren nimmt allerdings auch die Minenförderung wieder zu. Von 2001 bis 2008 war sie noch konstant rückläufig. Das war damals eines der Hauptargumente, weshalb der Goldpreis weiter steigen müsse. Im Vorjahr wurden mittlerweile 2.700 Tonnen gefördert, eine Zunahme von 5,5 Prozent gegenüber 2010.

 

 

 

Volle Kraft voraus hieß es dabei für China. Im Reich der Mitte wurden insgesamt 361 Tonnen ausgegraben – ein neues Rekordhoch obendrein. Tatsächlich ist das Land schon seit einigen Jahren die weltweite Nummer eins, gefolgt von Australien. Indessen rangiert die ehemalig größte Fördernation Südafrika inzwischen auf Platz vier, gleich hinter den USA.

 

Die klaffende Lücke zur Nachfrage wird dabei stets mit Altgold abgedeckt. Doch das Geschäft mit dem Recycling war im vergangenen Jahr rückläufig, und zwar schon das zweite Jahr in Folge. „Außerdem steigt der Goldkonsum ausgerechnet in den aufstrebenden Märkten stark an. Allein in China legt das Pro-Kopf-Einkommen besonders kräftig zu. So landet ein immer größerer Teil der Ersparnisse in Gold“, sieht Brooks von ETF Securities der steigenden Förderungen gelassen entgegen. 2011 wurde in Indien zwar mit 933 Tonnen noch am meisten von dem edlen Metall konsumiert. Doch schon im 4. Quartal lag die chinesische Nachfrage – die im Gesamtjahr 770 Tonnen erreichte – erstmals auf der Überholspur.

 

Bei BlackRock verweist man auf eine andere Entwicklung, die auf eine weitere Stütze des Goldpreises deuten könnte. Evy Hambro, Fondsmanager des BGF World Gold Fund, zeigt auf: „Die Qualität der Erze nimmt ab, der Goldanteil schrumpft also.“ Dennoch holen die Minenbetreiber lieber das Maximum aus bestehenden Minen heraus. Denn bei neuen Projekten sind die Kosten weit höher. Und die Errichtung einer neuen Mine dauert gleich mehrere Jahre.

 

Was die Minenbranche insgesamt trifft, sind die derzeit stark anziehenden Förderkosten. Mitschuld sind unter anderem die steigenden Energiepreise – die Minenindustrie ist sehr energieintensiv. Zum anderen sind auch die Personalkosten nach oben geklettert. Denn Geologen sind inzwischen eine seltene „Spezies“ geworden, nachdem es in der Minenindustrie jahrzehntelang praktisch keinen Nachwuchs gab.

 

Lesen Sie den ganze Titelstory in der Print-Ausgabe 02/2012 von FONDS exklusiv.