Inhalt | Print-Ausgabe 02/2019
14.08.2019

Vernünftige Renditen für den Ruhestand

Weil im Private Banking über Generationen geplant wird, sollte auch die eigene Vorsorge für den Ruhestand berücksichtig werden. Schließlich steigt die Lebenserwartung, während das anhaltende Zinstief breite Strategien erfordert.

von Raja Korinek

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Es ist ein Thema, dass immer wieder unterschätzt wird. Doch wenn einmal das goldene Alter erreicht ist, das Berufsleben zurückgelassen wird, dann sollte man bereits ausreichlich vorgesorgt haben. Schließlich ist das ein Punkt, der schon aufgrund der demografischen Entwicklungen zunehmend ernst genommen werden sollte. Die Menschen werden immer älter, da ist ein umso größerer finanzieller Polster notwendig. Zumindest dann, wenn man den bisherigen Lebensstandard auch in der Pension erhalten möchte. Die Zahlen und Statistiken unterstreichen dabei das nahende Dilemma. Allein das britische Imperial College London hat sich die Entwicklung in einer Studie näher angesehen und kam zu dem Schluss, dass bis zum Jahr 2030 die Lebenserwartung allein in 35 Industriestaaten noch weiter steigen dürfte. Dazu zählt freilich auch Österreich, wobei die Zahlen ernüchternd sind. Denn laut Statistiken wird es hierzulande einen Alterstand bei den Männern von durchschnittlich 81,4 Jahre, und bei den Frauen von durchschnittlich 86,2 Jahre geben.

Zinstief als Herausforderung

Hinzu kommt ein weiterer Punkt. Die Zinsen verharren auf einem historischen Tief, in der Eurozone liegt der Leitzins noch immer bei null Prozent. Eine erste Anhebung rückt zunehmend in die Ferne, da die europäischen Notenbanker keine Anzeichen für einen ernsten Inflationsanstieg erkennen. Friedrich Strasser, Mitglied des Vorstandes der Bank Gutmann meint, auch wenn es bei den Kernzielgruppen von Privatbanken weniger um elementare Bedürfnisse gehe, sei die anhaltende Niedrigzinsphase eine Herausforderung für den Kapitalerhalt, „beziehungsweise das Sicherstellen von gewohnten Erträgen auch nach Beendigung der aktiven Berufstätigkeit.“ Das heißt im Klartext, dass man mit einem sicheren Anleiheportfolio schon längst keine soliden Einkommens- ströme für den wohlverdienten Ruhestand erzielen kann. Dazu braucht es inzwischen breiter aufgestellte Strategien. Womit sich grundsätzlich die Frage stellt, welchen Stellenwert das Thema im Private Banking derzeit hat. Erich Stadlberger, Leitung Private Banking und Asset Management bei der Oberbank, erzählt: „Eine Kundenberatung ist meist ein Gespräch mit Privatpersonen, die im Laufe ihres Lebens aus unternehmerischer Tätigkeit Vermögen aufgebaut haben“. Naturgemäß spreche man deshalb mehrheitlich mit Personen, die 50 Lebensjahre schon überschritten hätten.

Daher sei allein das Thema Vorsorge ein wesentlicher Teil der Gespräche. Was Stadlberger noch anmerkt: „Es wird nur selten von Kunden aktiv angesprochen. Die Aktivität und die Aufforderung für eine intensive Auseinandersetzung unter anderem mit der eigenen Vorsorge geht in den meisten Fällen von Bankseite aus“. Und was meinen andere gehobene Häuser? Auch hier setzt man sich mit dem Thema auseinander. „Die Altersvorsorge ist insbesondere bei unseren Kunden im aktiven Berufsleben oder für Unternehmer sehr wesentlich. Immerhin sind die maximalen Leistungen aus der gesetzlichen Pensionsversicherung für eine vermögende Klientel sehr überschaubar“, sagt etwa Franz Witt-Dörring, Vorstandsvorsitzender der Schoellerbank.

Individuelle Vorsorge

Verständlich, wenn die Privatbanker dem Thema hohe Aufmerksamkeit schenken. Wie man da am besten vorgeht? Waltraud Perndorfer, Leiterin Privat Bank der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, meint, dass beim Beratungsansatz die Analyse der persönlichen Ziele und der finanziellen Situation an erster Stelle stehe. „Daher ist auch die Altersvorsorge ein wesentliches Thema unseres Strategiegespräches“. Allerdings sei Perndorfer zufolge speziell bei vermögenden Privatkunden die Vermögenssituation, somit die finanzielle Gestaltung des Ruhestands, sehr individuell. Bei der Privat Bank biete man etwa das Financial Planning an, bei dem man in einem ersten Schritt die Pensionslücke anhand der bestehenden Vermögenswerte und der tatsächlichen Pensionsansprüche berechne. „Auf Basis dieser Informationen wird ein maßgeschneidertes Anlagekonzept erstellt“, sagt Perndorfer.

Auch Witt-Dörring findet, dass ein wesentlicher Aspekt des Vermögensaufbaus die optimale Vermögensstruktur sei. Und das aus gutem Grund. „Vielfach ist viel Kapital bereits in Immobilien oder auch in Unternehmen gebunden, oder nicht verfügbar. Deshalb sollte in den meisten Fällen ein Vermögenaufbau in liquiden und verfügbaren Vermögenswerten, etwa mit Wertpapieren, erfolgen“.

Ähnlich ist der Tenor der anderen Experten. Strasser von der Bank Gutmann meint, der Vermögensaufbau müsse umfassend erfolgen und verweist dazu auf die konkrete Vorgangsweise in seinem Haus: „Im ersten Schritt muss sichergestellt sein, dass zu jeder Zeit ein Polster an Liquidität bereitsteht, damit die normalen Lebensumstände und zeitnahe größere Ausgaben gedeckt werden können“. Hier werden Anleihen mit kürzerer Laufzeit und Cash für den Liquiditätsbedarf herangezogen. Im nächsten Schritt gehe es um Ziele, die auf mittlere Sicht, somit auf mehr als fünf Jahre, erreicht werden sollten. „Hier spielen neben Anleihen bereits Aktien eine Rolle“. Im dritten Schritt stehe laut dem Gutmann-Experten die langfristige Ausrichtung auf mehr als zehn Jahre im Vordergrund. „Hier geht der Blick in Richtung Ruhestand und mögliche Vermögensweitergabe an die Erbengeneration“. Da stünden langfristige Investments wie zum Beispiel Aktien, aber auch direkte Beteiligungen im Vordergrund.

Langfristig auf Aktien setzen Langfristig auf Aktien setzen

Freilich, je früher man mit der Vorsorge beginnt, desto ausgeprägter kann der Aktienanteil sein. „Bei jüngeren Menschen ist die Zeit bis zum Pensionsantritt sehr lange und somit kann, wenn es die persönliche Risikoneigung zulässt, deutlich mehr in Aktien investiert werden“, sagt Perndorfer von der Privat Bank. Im Vergleich zur älteren Generation legten junge Menschen allerdings mehr Wert darauf, wie ihr Geld veranlagt wird. Themen wie Nachhaltigkeit oder erfolgreiche Unternehmen des täglichen Umfelds, etwa Apple oder Amazon, würden dabei favorisiert.

Dennoch zeigt die Praxis auch, dass es gerade in jungen Jahren eine Vielfalt an Zielen gibt, abseits der Vorsorgeplanung. Was auch eine gewisse Gefahr birgt. So meint Martin Hauer, Vorstand Retail und Verbundservices der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien, bei jungen Menschen stünden zahlreiche Themen wie zum Beispiel Studium, Existenzaufbau, eigene Wohnung oder Familiengründung im Vordergrund. „Klassischerweise beginnen die Kunden sich erst ab Mitte oder Ende 30 konkret mit dem Thema Vorsorge zu beschäftigen“. Und das sei eigentlich schon spät, findet der Raiffeisen-Experte.

Dabei sind Wertpapiere nicht die einzige Alternative. Hauer meint auch, das Thema Immobilien rücke zunehmend in den Fokus der Altersvorsorge. „Konkret sind Vorsorgewohnungen oder Zinshäuser beliebte Einkommensquellen im Alter“. Ein weiteres wichtiges Thema sei aber auch die betriebliche Vorsorge. Dazu zählen etwa Geschäftsführerpensionen, Rahmenverträge sowie Gehaltsumwandlungen, listet Hauer auf. Da haken im Übrigen die anderen Experten ebenso ein. Neben einer klassischen Vermögensverwaltung mit einem guten Mix aus Assetklassen und Laufzeiten sieht Stadlberger von der Oberbank klare Argumente, die für eine Ergänzung eines Wertpapier-Portfolios etwa mit einer Risikoversicherung sprächen. „Die Kombination einer Ablebensversicherung mit einer professionellen Veranlagung auf Fondsbasis bietet die Chancen auf einen Vermögenszuwachs sowie einer Absicherung der Begünstigten im Todesfall“, so Stadlberger, der noch weitere Vorteile darin sieht. So fällt keine Kapitalertragssteuer bei Behalten bis Laufzeitende an. Auch gibt es die Möglichkeit einer Schenkung durch die Nutzung eines namentlichen Bezugsrechtes für eine dritte Person.

Und wie sehen andere Häuser das Thema? Bei der Schoellerbank findet man ebenfalls Gründe etwa Versicherungslösungen in Betracht zu ziehen. Sie seien schließlich ein weiterer wichtiger Baustein der Altersvorsorge. Einerseits, weil es ausschließlich mit Versicherungen möglich sei, eine konstante Rentenzahlung bis ans Lebensende zu erzielen. Andererseits weil diese – sofern diese geschickt ausgestaltet sind – es ermöglichten, das Vermögen an die nächste Generation weiterzugeben oder auch selbst zu nutzen. Die Voraussetzung dafür seien laut Witt-Dörring allerdings Versicherungslösungen, die neben einer professionellen Anlage auch eine effiziente Kostenstruktur aufwiesen. Er findet zudem, dass es ratsam sei, auf ein adäquates und laufendes Reporting zu achten, um einen transparenten Einblick zu erhalten. Dennoch sollte man grundsätzlich einen Punkt bei Versicherungslösungen beachten. Dazu verweist Strasser von der Bank Gutmann auf die überlappenden Versicherungsleistungen, die viele Kunden erfahrungsgemäß hätten. Und das drückt naturgemäß die Rendite: „Wir vergleichen daher gemeinsam mit unseren Kunden die Vor- und Nachteile verschiedener Versicherungslösungen – auch mit klassischen Wertpapierveranlagungen“, sagt Strasser.

Sind Stiftungen eine Lösung?

Und wie sieht es abseits von Direktveranlagungen, etwa bei Stiftungen aus? Perndorfer von der Privat Bank meint, Stiftungslösungen hätten in den vergangenen Jahren aufgrund zahlreicher steuerlicher Änderungen und Rechtsprechungen an Attraktivität verloren. Sie sagt deshalb, „in der Regel macht eine Privatstiftung meistens dann Sinn, wenn es um den Zusammenhalt des Vermögens geht“. Auch Witt-Dörring meint, Stiftungslösungen seien immer dann ein Thema, wenn Vermögen im Rahmen von Nachfolgeüberlegungen bewahrt werden soll. Jedoch muss dem Stifter bewusst sein, dass er sein Vermögen an die Stiftung überträgt, damit viel an Einflussmöglichkeit verliert. Der Schoellerbank-Boss verweist dabei noch auf andere Alternativen. „Um eine Diversifizierung zu erzielen, können Goldmünzen und -barren zu einer diversifizierten Vermögensstruktur zählen. Darüber hinaus können bei einer hohen Affinität Themen wie Oldtimer, Gemälde oder Kunstobjekte für den Vermögensaufbau herangezogen werden".

Jedenfalls ist der Bereich der Vorsorge kein einfacher, vor allem aber ein sehr persönlicher. Und da können schon auch einmal Fehler passieren. Die sich womöglich aber vermeiden ließen. Oberbank-Experte Stadlberger kann dazu auf handfeste Beispiele aus seiner langjährigen Erfahrung verweisen: „Wir sehen, dass Kunden zuerst einen Rechtsanwalt oder Notar und, in Zusammenhang mit unternehmerischen Agenden, auch einen Steuerberater als Ansprechpersonen wahrnehmen, einen Bankberater weniger.“ Das sei ein Fehler, meint der Experte. Nur im Beratungsdreieck von Kreditinstitut, Rechtsanwalt und Steuerberater könne man eine ideale Lösung finden.

Ein noch größerer Fehler ist es freilich, gar keine Altersvorsorge zu haben und sich mit der Pensionslücke nicht auseinanderzusetzen. „Oder damit zu spät zu beginnen“, sagt Hauer von der der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien. Genauso sei es ein Fehler, ohne konkreten Plan vorzusorgen. Ein Punkt, der Witt-Dörring von der Schoellerbank ebenso ein Dorn im Auge ist. Vielfach passiere der Vermögensaufbau aus unterschiedlichen Gründen unstrukturiert, meint der langjährige Privatbanker, „und damit eher zufällig. Dass sich dies im Alter als problematisch herausstellen kann, wird oft zu spät erkannt. Im hohen Alter dann noch gegenzusteuern, ist meistens nur mit Kapitalverlust möglich, sodass rechtzeitig eine qualitative Vorsorgeberatung erfolgen sollte“. Auch Hauer rät, individuelle Möglichkeiten je nach Ertragserwartung und Risikobewusstsein zu nutzen. Dabei sollte stets die eigene Risikotragfähigkeit hinterfragt werden – und das vor allem bei Laufzeiten von mehr als zehn Jahren.