Inhalt | Print-Ausgabe 02/2020
30.07.2020

Viele Optionen um Familie oder Partner günstig abzusichern

Familien genauso wie Ehe- oder Lebenspartner können mit einer Ablebensversicherung den finanziellen Notstand bei einem frühzeitigen Todesfall vermeiden. Besonders wichtig: eine ausreichend hohe Kapitalsumme im Leistungsfall.

von Kay Schelauske

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Wer Lebensrisiken nur nach ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit bewertet, kann im Ernstfall bös erwachen. Denn es gibt Schicksalsschläge, die einem auch finanziell den Boden entreißen können – das ist der Fall, wenn der Lebenspartner oder der Hauptverdiener der Familie durch einen Unfall oder eine schwere Erkrankung viel zu früh aus dem Leben scheidet. Die/Der Hinterbliebene kann dann zwar eine Witwen-/Witwer-Pension beantragen. Ein Ausgleich des Einkommensausfalls dürfte so jedoch kaum gelingen. Das zeigt schon ein Blick auf die aktuellen Pensionshöhen: Bei Männern liegt sie im Durchschnitt bei monatlich 352 Euro, bei Frauen bei monatlich 787 Euro. Tatsächlich liegt das Niveau oft noch niedriger. So erhält jeder vierte Witwer nur eine Pension von unter 187 Euro, jede vierte Witwe von unter 669 Euro.

 

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Mit einer Risiko- oder Ablebensversicherung lässt sich hingegen ein finanzielles Sicherheitsnetz spannen – nicht im Sinne einer monatlichen Pension, aber durch ein Kapitalkissen, sofern es dick genug gepolstert wurde. Verstirbt dann die versicherte Person, zahlt der Versicherer die vereinbarte Versicherungssumme an die Hinterbliebenen aus und bietet nicht nur Ehe-, sondern auch Lebenspartnerschaften und Familien damit einen belastbaren Kapitalschutz – sei es bei Immobilienfinanzierungen, Kreditsicherungen oder der Absicherung des Lebensstandards und der Altersvorsorge.

Es verwundert daher nicht, dass das Interesse bei Konsumenten in den zurückliegenden Jahren deutlich gestiegen ist. Wurden vor acht Jahren noch 196.000 Verträge neu abgeschlossen, stieg deren Zahl im vergangenen Jahr bereits auf fast 285.000. „In der Regel kümmern sich die Menschen um diese Vorsorge insbesondere dann, wenn die großen Entscheidungen im Leben anstehen“, sagt Helmut Hofmeier, der als Vorstand Leben im Continentale Versicherungsverbund auch für die EUROPA-Versicherung verantwortlich zeichnet und nennt u. a. folgende Beispiele: die Heirat, die Geburt des ersten Kindes, den Erwerb einer Immobilie und die Gründung einer beruflichen Existenz. Versicherungsnehmern bietet der Deckungsschutz zwei zentrale Vorteile: Erstens ist das versicherte Risiko eindeutig definiert. Damit sinkt für die Hinterbliebenen im Leistungsfall das Risiko, dass das Sicherheitsnetz reißt, weil der Versicherer nicht zahlt. Zweitens sind die monatlichen Versicherungskosten überschaubar. So muss bspw. ein 30-Jähriger kaufmännisch Angestellter nach einer Stichprobe unter in diesem Bereich sehr aktiven Versicherern lediglich zwischen 30 und 40 Euro pro Monat aufwenden, um seine Familie bis zum Ruhestand mit einer Versicherungssumme von 300.000 Euro abzusichern. Dies setzt allerdings voraus, dass die versicherte Person gesund ist und nicht raucht. Allein letzteres treibt die Versicherungskosten um mehr als das Doppelte in die Höhe.

Über die gesundheitliche Situation der versicherten Person wollen sich die Anbieter auch bei der Ablebensversicherung durch eine Reihe von Gesundheitsfragen ein klares Bild verschaffen. Dabei wird nach zahlreichen Erkrankungen innerhalb der letzten fünf Jahre gefragt. Stationäre Aufenthalte in Krankenhäusern oder Reha- bzw. Entzugskliniken müssen sogar über den Zeitraum der letzten zehn Jahre angegeben werden. Zudem erkundigen sich die Anbieter auch nach dem Body-Maß-Index und darüber, ob gefährliche Sportarten ausgeübt werden oder berufliche Risiken bestehen. Beim Vergleich der Fragestellungen zeigt sich, dass mitunter geringe Unterschiede die Risikobewertung negativ beeinflussen können.

Beispiel Auslandsreisen und Rauchverhalten: So will die Hannoversche Versicherung wissen, ob in den kommenden zwölf Monaten ein außereuropäischer Auslandsaufenthalt von mindestens halbjähriger Dauer geplant ist, während die EUROPA und die Dialog bereits auf drei Monate fokussieren. Für die Dialog und EUROPA gilt als Nichtraucher, wer in den zurückliegenden zwölf Monaten nicht geraucht hat. Die Hannoversche engt hier die Räume hingegen stärker ein, indem der Antragsteller angeben muss, ob er seit zwölf Monaten, drei oder zehn Jahren oder noch nie geraucht hat.

Wie nicht anders zu erwarten, lassen sich die Gesundheitsfragen bei den Anbietern im Zuge der Antragstellung online beantworten. „Wenn in dem vom Kunden auszufüllenden Gesundheitsfragebogen zum Antrag relevante Erkrankungen und Diagnosen angegeben sind, ist eine Risikoprüfung erforderlich. Ansonsten gehen die Anträge direkt in die automatische Dunkelverarbeitung“, sagt Michael Stille. Der Vorstandsvorsitzende der Dialog Lebensversicherung-AG verweist in dem Zusammenhang darauf, dass die Zahl der Gesundheitsfragen auf neun halbiert, ihre Formulierung allgemeinverständlicher gestaltet und Fachbegriffe zugunsten deutscher Bezeichnungen ausgetauscht wurden.

Wie die EUROPA Versicherung hebt der Versicherer dabei seine integrierte Risikoprüfung hervor. Angepasst an die angegebenen Erkrankungen werden ein oder zwei erforderliche ergänzende Fragen sofort gestellt und bei Bedarf allgemeine Informationen eingeholt, heißt es. In Abhängigkeit von der Diagnose und den gemachten Antworten könne dann ohne weitere Rückfragen abschließend entschieden bzw. direkt innerhalb von 24 Stunden polizziert werden.

Schnellere Risikoprüfung

Die EUROPA verweist auf ihr Online-Tool, das Vermittler und Kunden interaktiv durch den Antrag führt. Erforderliche Rückfragen werden durch das System automatisch erstellt, sodass ergänzende Fragebögen laut Versicherer zumeist nicht mehr notwendig werden. Vielmehr werde am Ende der Online-Antragstellung sofort eine Entscheidung getroffen, die die Ergebnisse der Risiko- und Gesundheitsprüfung bereits berücksichtigt. „Mit dem neuen eGesundheitsdialog werden die Prozesse im Sinne aller Beteiligten schneller. Auch unsere Vermittler profitieren, denn der von ihnen vermittelte Vertrag wird zügiger polizziert“, betont Hofmeier (Näheres hierzu im Interview auf Seite 60).

Weitere prämienrelevante Kriterien sind natürlich das Einstiegsalter, die Vertragslaufzeit und die Versicherungssumme, die eng mit dem Absicherungsziel zusammenhängen. „Zur Absicherung von Immobilienfinanzierungen bieten sich Tarife mit fallender Versicherungssumme bzw. nach Tilgungsplan an“, sagt Arne Becker, Leiter der Produktentwicklung der Hannoversche, und ergänzt: „Auch zur gegenseitigen Absicherung von Geschäftspartnern eigenen sich diese Polizzen.“ Bei der Finanzierung von Wohn- oder Gewerbeimmobilien wird deshalb ein annuitätisch fallender Tarif gewählt, während für die Familienabsicherung ein Tarif mit konstanter Versicherungssumme sinnvoller ist.

Bei der EUROPA weist man aber darauf hin, dass der Vertrag nicht zwingend so lange laufen muss, bis zum Beispiel der Hauptverdiener im Ruhestand ist. So könne sich der Absicherungsbedarf schon dadurch verringern, wenn die Kinder erwachsen sind und ihre eigenen Wege gehen. Mit dem Angebot von sechs verschiedenen Versicherungssummenverläufen und drei Prämienzahlungsarten bietet die Dialog Lebensversicherung hier die größte Flexibilität.

Anders als bei einer Hausfinanzierung ist bei der Familienabsicherung die Höhe der Versicherungssumme nicht von vornherein klar. Nach Angaben der Versicherer hilft hier aber folgende Faustregel: bei Alleinstehenden das Dreifache des jährlichen Bruttoverdienstes, bei Familien das Fünffache. Der genaue Kapitalbedarf sollte anhand der persönlichen Einkommens- und Vermögensverhältnisse festgezurrt werden sowie der Kosten, die zukünftig anfallen werden. Dabei geht es um Fragen wie diese: „Wie lange werden die Kinder finanziell abhängig sein? Werden Eltern gepflegt? Wie ist die finanzielle Situation insgesamt im Haushalt?“, formuliert Hofmeier. Demgegenüber gilt es auch zu prüfen, welche „Ersatzeinkommen“, wie z. B. die genannten Witwen-/Witwer- oder Waisenrenten oder sonstige freie Vermögen, zur Verfügung stehen.

Nicht nur für die Festlegung der Versicherungssumme kann sich ein Termin mit dem Berater lohnen. Gleiches gilt auch für die Absicherung von (Ehe-)Paaren, die oft schon mit Blick auf die finanzielle Situation sinnvoll sein kann. Die Versicherer bieten hierfür teils sogenannte „Verbundene-Leben“-Tarife an. Bei dieser Vertragsgestaltung sichern sich beide gegenseitig in einem Vertrag ab. „Stirbt einer, wird die Versicherungssumme an den anderen ausgezahlt. Das ist vor allem sinnvoll für Paare, die keine Kinder haben und Geschäftspartner, die sich so gegenseitig absichern“, sagt Becker von der Hannoverschen. Die Versicherungssumme wird häufig auch dann nur einmal ausgezahlt, wenn beide Partner beispielsweise bei einem Autounfall ums Leben kommen. Stille stellt hingegen fest, dass sie die Versicherungssumme in solchen Fällen zwei Mal auszahlen. „Ein Alleinstellungsmerkmal der Dialog ist es, dass bis zu neun Personen in einem Vertrag versichert werden können, was vor allem für Geschäftspartnerschaften interessant ist“, sagt der Vorstandsvorsitzende und beziffert die Ersparnis gegenüber zwei Einzelverträgen auf zehn bis 15 Prozent.

„Verbundene Leben" oder zwei Verträge

Bei der Hannoverschen weist man darauf hin, dass der Abschluss von zwei Verträgen aus zwei Gründen vorteilhaft sein kann: Erstens wird die Versicherungssumme aus jedem einzelnen Vertrag fällig und nicht wie bei dem Partnertarif nur einmal. Zweitens können zwei Verträge unabhängig voneinander verändert oder gekündigt werden. „Ist eine der beiden Personen Raucher, werden zwei Einzelverträge sehr wahrscheinlich günstiger sein als ein Partnertarif“, so die Einschätzung aus der Produktentwicklung des Versicherers.

Die Prämienzahlungen für Ablebensversicherungen sind steuerlich begünstigt. „Sofern die persönlichen Voraussetzungen gemäß Paragraf 18 EStG zutreffen, sind die Prämien im Rahmen der Höchstbeträge als Sonderausgaben absetzbar“, sagt der Dialog-Vorstandsvorsitzende. Vorteilhaft ist die steuerliche Situation auch im Leistungsfall, gerade mit Blick auf den deutschen Nachbarn. Anders als dort müssen die Kapitalleistungen nicht mit einer Schenkungs- und Erbschaftssteuer versteuert werden. Die Experten der EUROPA stellen aber fest, dass die Verpflichtung besteht, geschenktes Vermögen der Finanzverwaltung zu melden.