Inhalt | Print-Ausgabe 02/2012
23.05.2012

Wall Street’s First Lady

Ihre Prognosen sind legendär, da treffsicher und akkurat. Ihre Indikatoren stehen derzeit auf bullish und sie ist in bester Stimmung. Kein Wunder, hat der von ihr verwaltete Fonds doch bereits 25 Prozent Wertzuwachs erzielt. Es ist also der perfekte Zeitpunkt, um Marktstrategin Elaine Garzarelli zum Interview zu bitten. 

von von Bettina M. Gordon

Es gibt nur wenige Wall Street Analysten und Strategen, die sich über Jahrzehnte hinaus halten können, eine davon ist unbestritten Elaine Garzarelli, die von den US-Medien als „Legende“ tituliert wurde, nachdem sie mehrere Börsencrashs und Bärenmärkte punktgenau vorhersagte. Bekannte TV-Sender wie Fox Business, PBS Business und CNBC laden Garzarelli regelmäßig vor die Kamera und FONDS exklusiv bat „Wall Sreet´s First Lady“ (Investor Guide) zum mittlerweile bereits dritten Gespräch über Märkte, den Präsidenten und Ben Bernankes nächsten Schritt.

 

FONDS exklusiv: Frau Garzarelli, Sie sind bekannt geworden, weil Sie unter anderem die Börsencrashs von 1987 und 2000 sowie den Bärenmarkt 2002 vorhergesagt haben. Das Jahr 2012 war bislang sehr positiv, was erwarten Sie in groben Zügen für die zweite Jahreshälfte 2012?

 

Elaine Garzarelli: Der S&P 500-­Index  ist seit Jahresbeginn um zehn Prozent gestiegen, was sehr erfreulich ist. Die große Stärke der aktuellen Lage ist sicherlich die niedrige Zinslandschaft, die hoffentlich bis 2014 in etwa gleichbleiben wird. Das bedeutet eine Verbesserung der privaten und kommerziellen Immobilien­märkte sowie ein höheres Kurs-Gewinn Verhältnis im S&P 500. Auch die Besorgnis um die Eurozone ist aktuell kein großes Thema, seitdem die Europäische Zentralbank über eine Billion Euro in das Bankensystem gepumpt hat, wobei die Probleme in Spanien oder das sich abschwächende Wirtschaftswachstum in China noch nicht vom Tisch sind.  Wir würden uns aber erst dann ernsthafte Sorgen machen, in Amerika in einen Bärenmarkt abzudriften, wenn entweder die FED die Zinsen anheben oder der Ölpreis auf über 150 US-Dollar pro Barrel steigen sollte. Oder wenn es im Mittleren Osten zu Unruhen kommen würde, was Ängste schüren und weitere Konflikte auslösen könnte.

 

Der Dow Jones Industrial-Index ist wieder über 13.000 Punkte gestiegen, eine Marke, die wir das letzte Mal im Mai 2008 sahen. Welche Sektoren werden Ihrer Meinung nach weiter vorne liegen?

 

E. G.: Eine schlagende Führungsrolle hat sicherlich US-Notenbankchef Ben Bernanke eingenommen. Er hat vor Monaten angedeutet, dass es einen weiteren Stimulus, ein QE3 (Quantitative Easing 3) geben könnte und das hat die Rally gestartet. Wenn wir uns die Sektoren seit Jahresbeginn ansehen, dann sind die Leader die Werte der Informationstechnologie, Finanztitel und Konsumgüter. Wie mögen diese Sektoren nach wie vor und empfehlen auch noch die Sektoren Energie, Industriewerte und Rohstoffe.Die Halbleiterindustrie wird ebenfalls stark sein, denn das Gewinnpoten­zial und die Bewertung sind dort recht gut.

 

Sie sind also zufrieden, wie FED-Boss Bernanke die Finanzkrise bisher gehandhabt hat?

 

E. G.: Die monetäre Politik der FED gab soviel Unterstützung wie nur möglich in dieser Situation. Meiner Meinung nach hat Ben Bernanke das fragile Finanzumfeld mit QE1 und QE2 gut gehandhabt. Sollte sich die Wirtschaftslage abschwächen, dann hat die FED mehrere Möglichkeiten, QE3 quasi als Gegenoffensive einzusetzen. Aus dem Protokoll der letzten FED-Sitzung ist herauszulesen, dass es in den kommenden Wochen wohl kaum zu einem QE3 kommen wird, doch in der Sitzung im Juni bzw. in der zweiten Jahreshälfte ist es durchaus vorstellbar, dass sich die FED für eine weitere monetäre Unterstützung entscheidet. Kommt es zu keinem Stimulus, dann wird der Markt das nicht gut heißen und das weiß die FED natürlich. Die Chancen auf QE3 steigen außerdem, wenn die Forderungen auf Arbeitslosenunterstützung steigen.

 

Ist der zuletzt gesehene positive Aktienverlauf nur eine Rally innerhalb eines lang anhaltenden Bärenmarktes oder handelt es sich um einen echten Bullenmarkt?

 

E. G.: Wie Sie wissen, verlassen wir uns auf eine Vielzahl von Aktienindikatoren, um die Richtung des Aktienmarktes in den kommenden Monaten zu bestimmen. In den vergangenen 25 Jahren haben wir die Zusammenstellung dieser Indikatoren optimiert, um die Tops und Flops bestmöglich vorhersagen zu können. Unser Augenmerk liegt vor allem auf Faktoren, die  die Wirtschaftszyklen vorhersagen, auf monetären Indikatoren, Wertanalysen und die Stimmung an den Börsen. Wenn unsere Indikatoren auf einem Niveau von 30 oder darunter liegen, dann sind wir bearish, steigen die Indikatoren auf über 65 Prozent nach einem Bärenmarkt, gibt uns das ein deutliches Kaufsignal. Aktuell liegen unsere Indikatoren auf einem Level von 68 Prozent, also ganz klar bullish. Derzeit sind wir einem zyklischen Bullenmarkt innerhalb eines längerfristigen Bärenmarktes. Wir glauben aber, dass wir in den kommenden drei bis vier Jahren einen neuen, langfristigen Bullenmarkt starten werden.

 

Das vollständige Interview finden Sie in der Print-Ausgabe 02/2012.