Inhalt | Print-Ausgabe 02/2015
24.06.2015

Warten auf den gro├čen Einsatz

Trotz günstiger Bedingungen ist das Thema Zertifikate bei den meisten Anlegern in Österreich und Deutschland noch nicht angekommen. Das spiegelt sich auch in der Entwicklung der beiden Märkte wider. Dabei konnten risikoscheue Anleger in der Vergangenheit von diesem Instrument profitieren.

von Thomas M├╝ller

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Die Zinsen für Sparbücher und sichere Staatsanleihen sind historisch niedrig und selbst die Bausparprämie ist nicht mehr das, was sie einmal war. Profitieren konnte die Investmentbranche davon aber nur eingeschränkt. Das Fondsvolumen erholte sich in Österreich zwar zuletzt auf Vorkrisenniveau, aber Einzelaktien oder Rohstoffpapiere bleiben nur bei einer kleinen Fan-Gemeinde beliebt.

 

Nicht so richtig abgehoben hat auch die Produktgruppe der Zertifikate. Im April 2014 waren noch 12,4 Milliarden Euro in diese investiert, laut den aktuellen Zahlen des Zertifikateforums Austria waren es im April 2015 rund 11,6 Milliarden Euro. Sieht man sich die Unterkategorien an, lassen sich ­einige Trends erkennen, die hinter diesem Rückgang stehen.

 

Zwischen Dezember 2011 und Dezember 2014 haben sich die Bestände an Garantie-Zertifikaten um 1,5 Milliarden Euro reduziert. Das konnten die Zuwächse bei Bonuszertifikaten und Aktienanleihen von rund 480 Millionen Euro nur zum Teil kompensieren. Hinzu kommt, dass Garantie-Zertifikate die Performance der zugrunde liegenden Kurse nur sehr eingeschränkt mitmachen. Die Bonuszertifikate legen hingegen noch etwas auf den Kurs drauf, sofern dieser während der ­Laufzeit eine festgelegte Barriere nicht unterschreitet. Wenig überraschend ist schließlich, dass die recht spekulative Kategorie der Hebelprodukte nur 0,7 Prozent des Zertifikatevolumens ausmacht.

 

Auch in Deutschland entwickelt sich der Markt ähnlich, wie Lars Brandau, Geschäftsführer des Deutschen Derivateverbands (DDV), feststellt: „Der Gesamtmarkt in Deutschland ist in den zurückliegenden Jahren eher rückläufig. Das liegt vor allem daran, dass mehrjährige Kapitalschutz-Produkte auslaufen und zur Auszahlung kommen.“ Das freigewordene Kapital sei dann häufig in renditestärkere Aktien investiert worden, so Brandaus These. Natürlich gebe es auch Anleger, denen das Direktinvestment der Aktie immer noch zu riskant erscheint: „Diese greifen gerne zu Klassikern, wie Bonus- oder Discount-Zertifikate. Wenn wir also einen Trend ausmachen, dann den, dass die Anleger nach wie vor das Risiko scheuen und deshalb gegenwärtig auf Alternativen zurückgreifen.“

 

Lars Brandau, Geschäftsführer

des Deutschen Derivate Verbands

 

 

 

Zwischen Aktie und Sparbuch

 

Wie man das Vertrauen von sicherheitsorientierten Privatanleger gewinnen könnte, für die Aktien kein Thema sind, steht schon lange auf der Agenda der Branche. „Die Zertifikatebranche hat hier, was Transparenz und Produktklarheit betrifft, viel getan“, sagt Heike Arbter, Vorstand des Zertifikateforums Austria und im Hauptberuf Leiterin für strukturierte Produkte bei der Raiffeisen Centrobank. „Es geht darum, dass der Anleger die Risiken erkennt und versteht, die mit einer Anlageentscheidung verbunden sind. Chancen und Risiken sollten daher so klar wie möglich, so einfach wie möglich dargestellt werden.“ Mit den Bonuszertifikaten etwa könne man sich mit dem Risiko flexibel zwischen Sparbuch und Aktien positionieren.

 

Doch halten diese Zertifikate mit „Airbag“ in der Praxis, was sie versprechen? Der DDV hat für seinen Index-Report 2014 einen Performancevergleich zwischen dem EuroStoxx 50 und darauf basierenden Bonuszertifikaten gemacht. Dabei wurde aus 20 repräsentativen Zertifikaten ein „Bonus-Index“ errechnet. Seit Anfang 2006 konnte dieser immerhin ein kleines Plus von 1,6 Prozent p. a. erzielen, während der Basiswert mit minus 1,5 Prozent p. a. zu Buche schlug. Allerdings begannen die Zertifikate erst 2011 so richtig abzuheben und lagen Ende 2014 um ein Drittel über dem Index. Der Grund ist leicht zu erraten: In den Jahren 2008 und 2009 wurden durch die massiven Kursverluste viele Barrieren unterschritten und der Bonus der betroffenen Zertifikate ging verloren.

 

Belastung oder Chance?

 

Eine viel weitreichendere Folge der Jahre 2008 und 2009 waren die ­neuen Seiten, die von den europäischen und nationalen Gesetzgebern bei der Regulierung des Finanzmarktes aufgezogen wurden. Die Abkürzungen MiFID II, PRIIPs und KIID waren auch beim diesjährigen Zertifikatekongress oft gehört, nicht selten mit kritischem Unterton.

 

Heike Arbter fordert vor allem eine maßvolle und sachgerechte Umsetzung vom Gesetzgeber: „Es gibt derzeit schon sehr viele Dokumente für den Anleger, weitere bringen nicht unbedingt mehr Nutzen oder Klarheit.“

 

 

Lesen Sie den ganzen Artikel und weitere Beiträge zum Thema Zertifikate in der Print-Ausgabe 02/2015 von FONDS exklusiv.