Inhalt | Print-Ausgabe 04/2017
22.12.2017

Zukunftsvorsorge: Jetzt ist der Staat am Zug

Die prämiengeförderte Zukunftsvorsorge befindet sich im Niedergang. Die Gründe sind hausgemacht. Daher liegt es an der neuen Bundesregierung, ihrem "Vorsorgekind" wieder auf die Beine zu helfen. Für Herrn und Frau Österreicher wäre das in diesen Niedrigzinszeiten wichtiger denn je.

von Kay Schelauske

Foto: Fotolia

Es ist ein Trauerspiel. Der Markt für die prämiengeförderte Zukunftsvorsorge schrumpft seit vier Jahren. Daran ändern auch die dank erzielter Performancegewinne gestiegenen Vermögenswerte nichts. Nach jüngsten Angaben der hiesigen Finanzmarktaufsicht (FMA) ging der Vertragsbestand Ende 2016 um 8,5 Prozent auf 1,377 Millionen Verträge zurück. Im Jahr 2012 hielten die Österreicher noch 1,638 Millionen Verträge (siehe Grafik auf Seite 61). Was sind die Gründe für diesen Niedergang und lässt er sich noch aufhalten?

Eine Ursache liegt in dem Marktrückzug der Fondsanbieter, die laut FMA-Angaben seit 2010 kein Neugeschäft mehr schreiben. Da die Verträge vielfach nur über die Mindesthaltedauer von zehn Jahren abgeschlossen wurden, fiel der Vertragsbestand zuletzt drastisch um 57 Prozent auf knapp 23.000 Stück. Viele Verträge machten den Österreichern wahrlich keine Freude, weil sie kaum oder gar keine Erträge mehr erzielten. Im Jahr 2011 meldeten die Kapitalanlagegesellschaften immerhin jeden fünften Vertrag als „ausgestoppt“. Auch Verträge bei Versicherern waren betroffen, dies allerdings nur zu zwei Prozent. "Generell ist die Ausstoppung von Verträgen sicher nicht der alleinige Grund für die rückläufige Nachfrage", sagt Peter Thirring. Der Generaldirektor der Donau Versicherung betont, dass das eigene Produkt nicht ausgestoppt ist und führt aus: „Meines Erachtens haben immer wiederkehrende, einseitige Kampagnen gegen die staatlich geförderte Zukunftsvorsorge sowie die Reduktion der staatlichen Förderung durch den Gesetzgeber wesentlich zur Verunsicherung der Konsumenten beigetragen." Diese Verunsicherung scheint den Zukunftsvorsorge-Markt bis heute nicht loszulassen. So ging das Neugeschäft bei den Versicherern um satte 19 Prozent zurück. 18.474 Verträge wurden laut FMA im vergangenen Jahr unterschrieben. Zwei Jahre zuvor entschieden sich noch gut 29.000 Österreicher für eine prämiengeförderte Altersvorsorge. Verstärkt hat sich hingegen die Konzentration auf Anbieterseite: drei Gesellschaften schließen 75 Prozent der Neuverträge ab, sieben Versicherer werden hier überhaupt noch unterwegs sein. Nach FMA-Angaben liegt der kumulierte Marktanteil der Top-3-Anbieter im Versicherungsbereich – gemessen am Nettoprämienvolumen – nach wie vor bei beachtlichen 54 Prozent. „Die Marktkonzentration der fünf bzw. zehn größten Anbieter hat seit 2010 kontinuierlich zugenommen“, hebt die Aufsichtsbehörde hervor.

Dabei kann sich die Renditebilanz der Versicherungsprodukte auch im Umfeld anderer Assetklassen durchaus sehen lassen: im Durchschnitt erzielten sie eine volumengewichtete Gesamtperformance vor Kosten von 5,8 Prozent. Zum Vergleich: Während der hiesige Aktienindex ATX das vergangene Jahr mit einem Plus von fast 12,5 Prozent besiegelte, sank die Rendite zehnjähriger österreichischer Staatsanleihen nach Angaben der Aufsichtsbehörde auf 0,43 Prozent (siehe Grafik auf Seite 62). Allerdings kommt von den erzielten Wertzuwächsen bei manchen Kunden viel zu wenig an, weil die Produktgarantien und der Verwaltungs- und Vertriebsapparat mancher Anbieter zu teuer sind. „Um mehr Transparenz in die sehr unterschiedliche Kostenstruktur der einzelnen Anbieter zu bringen, haben wir als Finanzmarktaufsichtsbehörde hier die Informationspflichten Anfang 2016 verschärft“, sagt FMA-Vorstand Helmut Ettl.

 

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„Ein Vergleich der nun erforderlichen Angaben zeigt, dass die verrechneten Kosten im vorherrschenden Niedrigzinsumfeld die Gesamtverzinsung beträchtlich reduziert“, sagt Vorstandskollege Klaus Kumpfmüller. Mit Blick auf die Szenarien einer 20- bzw. 30-jährigen Vertragslaufzeit betrage die Minderung im extremsten Fall 46 Prozent, wodurch dem Kunden von einer Gesamtverzinsung von plus 2,5 Prozent effektiv nur plus 1,35 Prozent weitergegeben werde. Im Durchschnitt schlägt die Minderung bei der längeren Laufzeit mit 24 Prozent, bei der kürzeren mit 36 Prozent zu Buche. Die Behördenchefs empfehlen daher, genau hinzuschauen, insbesondere auch angesichts der langen Vertragsbindungen.

Die Analyse der Vertragslaufzeiten zeigt, dass rund 70 Prozent der Verträge über eine Laufzeit von mehr als 25 Jahren verfügen. Mehr als jeder vierte Vertrag wurde sicherlich mit dem Ziel der Altersvorsorge unterschrieben, da die Laufzeit über 45 Jahre hinausgeht (siehe Grafik oben). „Die Streuung der Vertragslaufzeiten ist relativ groß, weil das Produkt sowohl von Berufseinsteigern als auch in einem höheren Alter als Pensionsvorsorge abgeschlossen wird. Im Schnitt ergibt sich daraus eine Vertragslaufzeit von rund 25 bis 30 Jahren“, beschreibt Martin Sturzlbaum, Chief Insurance Officer Leben/Kranken der Generali Versicherung, die Lage im eigenen Haus. Vonseiten der Donau Versicherung ebenso wie der Wiener Städtischen Versicherung wird betont, dass man auf das Pensionsalter abstellt, also auf eine Prämienzahlungsdauer bis zum 65. Lebensjahr. „Damit haben die Kunden die Sicherheit, alle Vorteile des Produktes bis zum Antritt ihrer Pension zu nützen. Die Kunden können auf Wunsch die Prämienzahlung für einige Zeit aussetzen, die Prämienhöhe reduzieren oder bis zum staatlichen festgesetzten Höchstausmaß erhöhen“, erläutert Hermann Fried, Vertriebsvorstand bei der Wiener Städtischen.

Im Jahr 2017 können Sparer maximal eine Prämie in Höhe von 116,58 Euro vom Staat kassieren. Hierfür müssen sie aber insgesamt 2742,98 Euro einzahlen. Somit entspricht die Förderung gerade einmal etwa einer halben Monatsprämie der insgesamt erforderlichen Summe. Üppig ist das wahrlich nicht. Einschneidend war hier die Halbierung der Förderprämie durch den Staat im Jahr 2012. Seitdem wurden zwar die Rahmenbedingungen für die Produktgestaltung verbessert, das geringe Förderniveau jedoch beibehalten. „Das Produkt ist versicherungssteuerfrei und wird noch mit 4,25 Prozent jährlich gefördert – allein diese Features kann kein anderes Produkt bieten“, betont Fried. Um diese Vorteile dauerhaft nutzen zu können, sollte bedacht werden, dass Vertragskündigungen und die Ausschüttung des Gesamtkapitals förder- und steuerschädlich sind. Dann muss die Hälfte der staatlichen Prämien zurückgezahlt und Kapitalerträge mit 25 Prozent nachversteuert werden. Schon um diese negativen Szenarien zu vermeiden, sollte zunächst generell ein Einstieg in diese Zukunftsvorsorge mit den persönlichen Anforderungen abgeglichen werden. Erst dann geht es gegebenenfalls an die eigentliche Auswahl des passenden Produkts.

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