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Premiere beim FNG-Siegel

Januar 2026
Roland Kölsch, Hauptverantwortlicher für die FNG-Siegel, F.I.R.S.T. e.V, berichtet über die diesjährige Vergabe der FNG-Siegel. Im Fokus steht ein neues Gütesiegel, das Anlegern einen Qualitätsstandard für Finanzprodukte bereithält, die in transformierende Geschäftsfelder oder Unternehmen investieren.
F.I.R.S.T. e.V.
Roland Kölsch, F.I.R.S.T. e.V.

Genau 205 Fonds und ETFs haben sich in diesem Jahr einer umfassenden Prüfung unterzogen, um mit dem unabhängigen Gütesiegel ausgezeichnet zu werden. Die im dritten Jahr rückläufige Entwicklung zeigt einerseits, dass die überbordende, nicht immer ihren Zweck erfüllende Regulatorik und die allgemeine Ernüchterung nach der ESG-Euphorie ihre Spuren hinterlassen haben. Andererseits wird deutlich, dass eine glaubwürdige und einfache Wiedererkennbarkeit gut gemachter Nachhaltigkeits-Fonds mittels externer Zertifizierung weiter hoch im Kurs steht. Dieses Resümee lässt sich nach dem diesjährigen Bewerbungs- und Vergabeprozess beim FNG-Siegel ziehen, der auch in diesem Jahr gebührlich gefeiert wird. Von den 190 Finanzprodukten, die das Gütesiegel erhalten haben, sind über 90 Prozent Wiederholungsbewerber. 15 der eingereichten Produkte konnten die Mindestanforderungen nicht erfüllen und erhielten kein Siegel. Neben dem etablierten FNG-Siegel wurde erstmals ein Fonds mit dem neuen FNG-Siegel Transition ausgezeichnet.

Immerhin hat das 2025 vollumfängliche Inkrafttreten der ESMA-Leitlinien zu Fondsnamen mit ESG- oder nachhaltigkeitsbezogenen Begriffen dazu geführt, dass die Schwemme der über 7.000 in Deutschland nach Artikel 8 oder 9 der EU-Offenlegungsverordnung zugelassenen, quasi selbst als nachhaltig deklarierten Fonds auf rund 2.500 eingedämmt wurde. Allerdings werden die teils immer noch breit zu interpretierenden Anforderungen sehr unterschiedlich von Produktanbietern umgesetzt. Hinzu kommt, dass die durch den jeweiligen Fondsnamen vorgegebenen Mindestkriterien, insbesondere zum (Nicht)Ausschluss von Waffen & Rüstung, den Umgang mit Verstößen gegen Menschen- und Arbeitsrechte oder die Toleranz für Atomstrom, nicht zufriedenstellend für Anleger sind, die mehr klare Kante bei der Umsetzung von Nachhaltigkeit in ihren Kapitalanlagen wünschen. Dies zeigt auch eine kürzliche Umfrage unter den Stakeholdern des Gütezeichens, in der sich eine deutliche Mehrheit beispielsweise für die Beibehaltung des bislang strengen Waffen-Ausschlusses aussprach (siehe Grafik).

Ein Güte-Siegel für Transitionsfonds

Auch im Hinblick auf die für die Wirtschaft notwendige Transformation, bei der es um die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen geht, waren die teils vage formulierten Beschreibungen der ESMA, die zu hohe Interpretationsspielräume für Transition-Fonds zulassen, Motivation, mittels des neuen FNG-Siegel Transition einen klaren und heute schon verfügbaren Qualitätsstandard für entsprechende Finanzprodukte zu entwickeln. Der kürzliche Vorschlag der EU-Kommission zur Einführung einer eigenen Transition-Produktkategorie im Rahmen der SFDR-Reform dokumentiert die zunehmende Bedeutung dieser neuen Ausprägung nachhaltiger Geldanlagen. Bis die neue Regulatorik in Kraft tritt, wird es allerdings noch dauern.

Das etablierte FNG-Siegel steht auf Wunsch seiner Stakeholder für eindeutige, klar abgrenzbare Mindestausschlüsse und die Abdeckung von Anlagestilen mit nachhaltigkeitsbezogenen Zielen, wie z.B. Werteorientierung, Management von ESG-Chancen und -Risiken (Best-in-Class u.a.) oder nachhaltige Investments nach SFDR bzw. EU-Taxonomie. Nach einer Konsultation im letzten Jahr haben wir die Transition-Variante als separates Gütezeichen eingeführt. Das FNG-Siegel Transition sieht dieselben Mindestvorgaben bei CTB-Ausschlüssen und konventionellen Waffen vor, aber nicht bei Kernenergie, Kohle, Ölsande und Fracking. Denn mit dem neuen Gütesiegel sollen Produkte ausgezeichnet werden, die auch in Unternehmen mit zu transformierenden Geschäftsfeldern investieren, wie fossile Energie und noch nicht komplett oder stark auf Renewables umgestellte Stromversorgung.