Der norwegische Staatsfonds – offiziell „Government Pension Fund Global“ (GPFG) – gilt mit einem aktuellen Vermögen von umgerechnet fast zwei Billionen Euro (Ende 2025) als der größte Staatsfonds der Welt und als vorbildlich – nicht nur, weil das rohstoffreiche Norwegen seine Einnahmen für künftige Generationen sichert, sondern auch aufgrund seiner langfristig erfolgreichen Investmentstrategie. Geduld, eine breite Diversifikation und politische Disziplin sind die Eckpfeiler des Erfolges, schreiben die Experten des Steiermärkische Sparkasse Private Banking.
HOHER AKTIENANTEIL
Verwaltet wird der Fonds von der Norges Bank Investment Management (NBIM), einer Abteilung der norwegischen Zentralbank. Investiert wird in Aktien, Anleihen, Immobilien und Infrastruktur für alternative Energiequellen, hautsächlich Wind- und Solarprojekte. Der Fonds strebt durch eine antizyklische Anlagestrategie danach, die Aktienquote bei rund 70 Prozent und die Anleihequote bei rund 30 Prozent zu halten. Nur rund zwei Prozent fließen in Immobilien und Infrastruktur.
Die Aktienquote betrug Ende vergangenen Jahres 71,3 Prozent, in Anleihen war 26,5 Prozent des Vermögens geflossen. 1,7 Prozent betrug der Anteil an Immobilien und 0,4 Prozent an Infrastruktur. Der Fonds hält 1,5 Prozent aller weltweit börsennotierten Aktien. Damit ist er an rund 7.200 Unternehmen in fast 70 Ländern rund um den Globus beteiligt – von Apple über Nestlé bis Siemens. Die größte Position nach Vermögen ist Nvidia, an dem der Fonds Ende 2025 1,26 Prozent besaß. Nach Ländern liegt der Hauptfokus auf den USA, mit großem Abstand folgen Japan, Großbritannien, Deutschland und Frankreich.
ANLEIHEN UND WENIG IMMOBILIEN
Auch die gezeichneten Festverzinslichen folgen einem recht ähnlichen geografischen Ranking: USA weit vor Japan, Deutschland, UK und Kanada. Das Immobilienvermögen ist hauptsächlich in Wohngebäuden in Frankreich investiert, im Bereich Infrastruktur fließt der überwiegende Teil des Fondsvermögens in Solar- und Windanlagen in Spanien sowie in weitere Projekte in Deutschland, Dänemark und UK.
Bekannt ist der Fonds auch für seine ethischen Investitionsregeln (ESG). Ausgeschlossen sind Unternehmen, die z. B. Atomwaffen oder Streumunition herstellen, schwere Umweltzerstörung verursachen, Menschenrechte verletzen oder stark in Kohleförderung involviert sind. Der Fonds nutzt seine Rolle als Großinvestor über Stimmrechte in Hauptversammlungen auch aktiv, um Druck in Klimafragen auszuüben sowie die Transparenz und eine gute Unternehmensführung zu gewährleisten.
KÜNFTIGE GENERATIONEN
Die Erfolgsstory begann mit einem Zufallsfund: Ende der 1960er-Jahre wurden in der Nordsee große Erdöl- und Erdgasvorkommen entdeckt. Für das damals vergleichsweise kleine und nicht besonders reiche Norwegen bedeutete dies einen wirtschaftlichen Wendepunkt. Bereits in den 1970er- und 1980er-Jahren stiegen die Einnahmen aus der Öl- und Gasförderung stark an. Norwegen wollte die Fehler anderer Rohstoffländer wie eine Überhitzung der Wirtschaft und eine zu starke Abhängigkeit von Rohstoffpreisen vermeiden.
Die zentrale Frage lautete: Wie kann der Reichtum aus endlichen Ressourcen dauerhaft gesichert werden? 1990 beschloss das norwegische Parlament die Einrichtung eines Staatsfonds unter dem Namen Government Petroleum Fund. Ziel war es, den Reichtum aus der Öl- und Gasförderung weltweit in ausländische Vermögenswerte zu investieren, also geografisch zu diversifizieren und für zukünftige Generationen zu bewahren. Die ersten Einzahlungen erfolgten 1996. 2006 erhielt der Fonds seinen heutigen Namen: Government Pension Fund Global – obwohl er kein klassischer Pensionsfonds ist. Der Name soll symbolisieren, dass der Fonds langfristig die Staatsfinanzen und damit auch das Sozialsystem absichert.
KAPITALERHALT
Die „Haushaltsregel“ lautet: Nur der Ertrag wird genutzt, das Kapital wird erhalten. Der Staat darf nur die langfristig erwartete Rendite (rund 3 %) entnehmen. So wird verhindert, dass kurzfristige politische Interessen den Fonds „aufzehren“, während die zentralen Funktionen gewahrt bleiben: Die norwegische Wirtschaft bleibt stabil, auch wenn die Einnahmen aus Öl und Gas aufgrund der Marktpreise schwanken, der Reichtum aus endlichen Ressourcen wird in dauerhaftes Finanzvermögen umgewandelt und Norwegen bleibt finanziell robust, auch wenn Öl und Gas langfristig an Bedeutung verlieren.

