FONDS exklusiv: Seit Jahresbeginn gilt ein höheres Antrittsalter bei der Korridorpension, eine neue Teilpension und die Aliquotierung wurde wieder eingesetzt. Wie bewerten Sie diese jüngsten Reformmaßnahmen?
Georg Daurer: Die Schritte sind gut, aber mit Blick auf die demografischen Herausforderungen viel zu klein. Die Zahl der Leistungsempfänger steigt, während jene der Beitragszahler abnimmt, ebenso das Beitragsvolumen, weil die Erwerbstätigen insgesamt weniger arbeiten. Erforderlich wäre vielmehr, das Pensionsalter zu erhöhen und für ältere Erwerbstätige ein attraktives Umfeld zu schaffen, sodass sie länger berufstätig bleiben wollen. Ein interessantes Modell offenbart Nordeuropa.
Inwiefern?
G. D.: Das Pensionsalter erhöht sich dort mit der steigenden Lebenserwartung. Je nachdem, ob jemand vor oder nach seinem quasi rechnerischen Pensionsalter in die Pension wechselt, muss er mit Zu- oder Abschlägen bei seiner gesetzlichen Pension rechnen.
Aktuell ist die Einführung des Generalpensionskassenvertrags in der Diskussion. Sofern dies zum 1. Jänner 2027 klappt, würde sich eine seit Jahren gestellte Forderung der Branche erfüllen. Warum wäre das ein wichtiger Schritt?
G. D.: Ja, denn im Prinzip geht es darum, dass das Kapital der Abfertigung Neu aus einer Vorsorge- in eine Pensionskasse übertragen wird und Beschäftigte daraus erstmals eine lebenslängliche Zusatzpension beziehen können. Bisher sieht das System nur eine einmalige Auszahlung vor. Und diese Möglichkeit sollen künftig alle Personen haben und nicht nur jene, die über ein Pensionskassenkonto verfügen.
Dabei ist festzuhalten, dass die Veranlagungsergebnisse der Vorsorgekassen stets hinter jenen der Pensionskassen zurückbleiben.
G. D.: Richtig, die Veranlagung der Vorsorgekassen ist vergleichsweise restriktiv, weil gesetzlich vorgegebene Garantien und vorzeitige Auszahlungsmöglichkeiten eingehalten werden müssen. Es gibt aber den Vorschlag, eine zweite Veranlagungsgemeinschaft einzuführen, bei der weder Garantien noch vorzeitige Entnahmen möglich sind. Dadurch könnte das Kapital deutlich chancenreicher veranlagt werden, was sich entsprechend positiv in den Performanceergebnissen niederschlagen sollte.
Inwieweit stärkt die Fusion mit der fair-finance Vorsorgekasse AG Ihr Unternehmen?
G. D.: Durch die Integration der fair-finance Vorsorgekasse AG konnten wir deutliche Kostenersparnisse erzielen. Gleichzeitig sind wir mit einem Vermögen von 5,3 Milliarden Euro nun unter den Vorsorgekassen auf Rang 3 aufgestiegen.
Blicken wir abschließend auf die Veranlagungsergebnisse Ihrer Gruppe: Wie fällt Ihre Bilanz für 2025 aus?
G. D.: Im vergangenen Jahr haben wir in der Pensionskasse eine Performance von 5,66 Prozent erzielt, während das Jahresplus branchenweit bei 4,33 Prozent lag. Das entspricht einer deutlichen Outperformance von über einem Prozentpunkt. Erfreulich ist zudem, dass wir bei der Pensionskasse in allen fünf Anlageaggregaten mit ihren unterschiedlich hohen Aktienquoten über dem jeweiligen Marktdurchschnitt liegen.
Was war ursächlich für diese Anlageerfolge?
G. D.: Zwei Gründe sind hervorzuheben: ein vergleichsweise geringerer nicht abgesicherter Anteil an US-Aktien und das konsequente Festhalten an unserer strategischen Asset Allokation. Vor allem bei der Vorsorgekasse werden wir jetzt überprüfen, ob wir unsere Ausrichtung nach der vollzogenen Verschmelzung etwas aktiver gestalten können. Klar ist: Sollte der Generalpensionskassenvertrag kommen, könnten wir die strategische Asset Allokation sogar gänzlich neu aufsetzen.

