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Ungewisser Ausblick

April 2026
Die Risiken steigen aufgrund des Irankriegs, die Notenbanken stehen vor neuen Herausforderungen: Dies sind zwei der Fazits des neuen Kapitalmarktausblicks vom Bankhaus Spängler.
Bankhaus Spängler
Nils Kottke, Bankhaus Spängler

„Das Börsenjahr 2026 hatte eigentlich sehr erfreulich begonnen. Seit März stehen die Kapitalmärkte jedoch ganz im Zeichen des Iran-Kriegs. Die Stimmung unter den Marktteilnehmer kippte, und Inflations- und Konjunktursorgen führten zu Kursrückgängen in allen Anlageklassen“, sagt Nils Kottke, Mitglied des Vorstands im Bankhaus Spängler, im aktuellen Kapitalmarktausblick für das zweite Quartal 2026. Wie es mit der Konjunktur und den Märkten weitergeht, hängt nun maßgeblich davon ab, wie lange der Krieg im Nahen Osten noch andauert und wie schnell sich die Lage danach wieder normalisiert.

Die unmittelbarste Auswirkung des Iran-Kriegs zeigt sich bei den Energiepreisen. „Allein im März ist der Preis für Brent-Öl um über 60 Prozent gestiegen – der stärkste Monatsanstieg seit fast 40 Jahren“, erklärt Markus Dürnberger, Bereichsleiter Asset Management im Bankhaus Spängler. Ursache ist bekanntlich die Blockade der Straße von Hormus. Die gestiegenen Energiepreise haben die kurzfristigen Inflationserwartungen für die Eurozone auf über drei Prozent getrieben. „Die Eurozone ist stark von Energieimporten abhängig. Dazu steigen die Produktionskosten der Unternehmen, die diese an ihre Kunden weitergeben werden. Auch die Nahrungsmittelpreise dürften zulegen“, so Dürnberger. Dennoch wird die höhere Inflation derzeit noch nicht als nachhaltig eingeschätzt.

EZB VOR ZINSANHEBUNGEN

Die veränderte Inflationslage hat die Zinserwartungen auf beiden Seiten des Atlantiks komplett umgekrempelt. „Während zu Jahresbeginn keine Zinsveränderungen durch die EZB erwartet wurden, gehen die Marktteilnehmer nun davon aus, dass sie die Zinsen in diesem Jahr mehrmals erhöhen wird“, sagt Kottke. Zwei Schritte zu je 25 Basispunkten sind eingepreist, der erste davon für Juni. In den USA hingegen werden in diesem Jahr keine Zinssenkungen mehr erwartet. „Nach einem Ende des Iran-Krieges könnten Senkungen aber wieder auf die Agenda rücken, zumal die Fed im Mai einen neuen Chef bekommt“, so Kottke. Auch wird die Debatte um die Unabhängigkeit der US-Notenbank dadurch jedenfalls neue Nahrung erhalten.

Die wirtschaftlichen Aussichten haben sich merklich eingetrübt. So ist der Sentix-Konjunkturindex, ein auf Umfragen unter mehr als 5.500 Anleger basierender Frühindikator, für die Eurozone im März in den negativen Bereich gerutscht und im April weiter gefallen. „Die Umfrageteilnehmer erwarten in der Eurozone sogar eine Rezession“, erklärt Dürnberger. Auch der US-Index ist rückläufig, dort wird eine Stagnation erwartet. Ein weiterer Belastungsfaktor sind die sich mehr als verdoppelten Kerosinpreise, die Flugreisen deutlich verteuern. Europäische Reisedestinationen wie Griechenland, Italien oder Spanien könnten zwar von umgelenkten Touristenströmen profitieren, während Regionen wie Wien und Salzburg mit weniger Besucher:innen aus Asien und dem Nahen Osten rechnen müssen.

BONDS UNTER DRUCK

Mit Kriegsbeginn kam es an den Aktienmärkten zu deutlichen Kursrückgängen: Emerging-Markets-Aktien verloren im März rund elf Prozent, europäische Titel rund acht Prozent. US-Aktien hielten sich besser, da die USA von der Energiekrise weniger stark betroffen waren und der Dollar als sicherer Hafen gefragt war. Mit der Verkündung des Waffenstillstands Anfang April erholten sich die Kurse rasch. „Anleger sind nicht in Panik verfallen und reagieren auf positive Nachrichten entsprechend”, so Dürnberger. An den Anleihemärkten stiegen die Renditen spürbar – in Deutschland zwischenzeitlich auf den höchsten Stand seit der Eurokrise im Jahr 2011 – und die Risikoaufschläge bei High-Yield-Anleihen weiteten sich aus, blieben aber weit unter den Niveaus früherer Schocks.

In den USA kam es zu einer markanten Branchenrotation: Seit Jahresbeginn liegt der Energiesektor mit knapp 30 Prozent an der Spitze, während IT-Werte, Finanzwerte und Konsumgüteraktien unter Druck stehen. Beim Gold gab es einen Rückschlag durch den Iran-Krieg: Das Edelmetall verzeichnete im März seinen stärksten Monatsverlust seit der Lehman-Pleite im Jahr 2008. Ausgepreiste Fed-Zinssenkungen, ein stärkerer Dollar und technisch bedingte Anschlussverkäufe belasteten den Preis. „Sollten die Märkte nach einem Ende des Konflikts wieder mit niedrigeren Zinsen rechnen, könnte Gold seinen Aufwärtstrend durchaus aber wieder aufnehmen”, so Kottke.

HOHE RISIKEN BLEIBEN

Das Bankhaus Spängler erwartet als Basisszenario moderates Wirtschaftswachstum, eine nur vorübergehend erhöhte Inflation in Europa, weitere Zinssenkungen in den USA und moderat steigende Unternehmensgewinne. Dürnberger nennt geopolitische Turbulenzen, einen deutlichen Inflationsanstieg, steigende Staatsschulden sowie die Gefahr, dass die Fed ihre Unabhängigkeit verliert, als Risiken. „Chancen bieten ein mögliches Ende des Iran-Krieges, eine Entspannung im Ukraine-Konflikt, sinkende Energiekosten und Produktivitätssteigerungen durch Künstliche Intelligenz“, so der Asset Manager.