Viele stempeln den Anleihemarkt als langweilig ab, doch aktuell sendet genau dieser Markt deutliche Warnsignale, konstatiert Maximilian Wienke, Marktanalyst beim Online-Broker eToro. Die Rendite der zehnjährigen Bundespapiere stiegen zu Wochenbeginn auf über 3,1 Prozent – den höchsten Stand seit 2011. Der Haupttreiber dafür sind der ungelöste Iran-Konflikt und der damit verbundene Anstieg der Ölpreise. Anleger rechnen zunehmend mit einer neuen Inflationswelle, was sich derzeit im Anleihemarkt widerspiegelt.
ERNSTE WARNZEICHEN
Zusätzlich sind die Erzeugerpreise im April bereits um 2,5 Prozent gestiegen, der stärkste Anstieg seit 2022. Solange es keine Lösung im Iran-Konflikt und keine klaren Signale einer Entspannung gibt, bleiben diese Entwicklungen ernst zu nehmende Warnzeichen. Deshalb sind die am Donnerstag veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes für Deutschland wichtiger als sonst.
Die Daten gelten als verlässliche Frühindikatoren und können eine drohende Stagflation oft Wochen oder sogar Monate früher anzeigen als offizielle Wirtschaftsdaten. Anleger sollten deshalb vor allem auf die Komponenten für Preise, Lieferzeiten und Auftragseingänge achten. Schwache Auftragseingänge bei steigenden Einkaufspreisen verstärken die Hinweise auf ein mögliches Stagflationsszenario in Deutschland.

