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Kann KI beraten?

Mai 2026
Laut einer aktuellen Umfrage von Janus Henderson Investments nimmt der Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Beratung zu. Jedoch gibt es noch große Vorbehalte in zahlreichen Punkten.
Janus Henderson Investments
Matt Sommer, Janus Henderson Investments

Der Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) nimmt in der Beratung zu, zeigt die aktuelle „Anlegerumfrage 2026“ von Janus Henderson Investments auf. Doch es gibt auch Vorbehalte, die ihre Rolle bei der Gestaltung von Anlageentscheidungen einschränken.

Zu den fünf größten Hürden für Anleger beim Einsatz von KI für Anlagezwecke zählen:

* Befürchtung, dass KI-Empfehlungen verzerrt oder widersprüchlich sein könnten (75 %)

* Bedenken hinsichtlich Datenschutzes oder Datensicherheit (74 %)

* Bevorzugung traditioneller Methoden (z. B. Berater oder eigene Recherchen) (73 %)

* Mangelndes Vertrauen in KI-gestützte Empfehlungen (72 %)

* Mangelndes Vertrauen in die Zuverlässigkeit von KI-Empfehlungen (70 %)

Die überwiegende Mehrheit der Anleger (87 %) gab an, dass sie es „gut“ oder „neutral“ fänden, wenn ihr Finanzberater KI nutze, um Informationsmaterial zu erstellen und dieses mit ihnen zu teilen. Allerdings fühlen sich Anleger weniger wohl dabei, wenn Berater KI für persönlichere Angelegenheiten einsetzen: 40 Prozent der Befragten wären verärgert, wenn ihr Berater KI für die automatische Beantwortung von SMS und E-Mails nutzen würde, bzw. ein Drittel (33 %), wenn ihr Berater KI für Anlageempfehlungen nutzen würde.

„Die Branche steht vor Herausforderungen, wenn es um den Einsatz von KI in der Beratung, der Kundenkommunikation und bei Anlageentscheidungen geht. Zwar hat KI das Potenzial, ein wertvolles Instrument für den Beratungsalltag zu sein, doch müssen Berater KI strategisch und wohlüberlegt einsetzen“, sagt Matt Sommer, Head of Specialist Consulting Group bei Janus Henderson. „Unter dem Strich lässt sich sagen, dass der Bedarf an von Menschen getroffenen Entscheidungen und persönlichen Beziehungen nicht durch künstliche Intelligenz verdrängt werden wird; vielmehr könnte KI den Wert, den Investoren diesen Eigenschaften beimessen, sogar noch steigern.“

Auch weitere Ergebnisse offenbaren Interessantes: Anleger wünschen sich Transparenz und Rechenschaftspflicht, wenn ihr Berater KI einsetzt: 85 Prozent gaben an, dass sie ihren Berater letztendlich für KI-generierte Empfehlungen oder Unterlagen verantwortlich machen, und 79 Prozent würden es nicht gutheißen, wenn ihr Berater KI einsetzen würde, ohne dies offenzulegen. Interessanterweise gaben nur 33 Prozent der Anleger an, dass ihr Berater mit ihnen besprochen habe, wie er KI in der Praxis einsetzt.

KI ALS ANLAGECHANCE

Die Studie untersuchte auch das Anlegerinteresse an dem Thema und zeigt, dass mehr als die Hälfte der Anleger (61 %) davon ausgeht, dass KI langfristig positive Auswirkungen auf die Märkte haben wird. Aber 9 von 10 Anlegern haben zumindest gewisse Bedenken gegenüber Investitionen in KI.

Die häufigste Sorge der Anleger ist, dass KI die Erwartungen möglicherweise nicht erfüllt (28 %), gefolgt von Bedenken hinsichtlich KI-Verzerrungen, Missbrauch oder unzureichenden Sicherheitsvorkehrungen (24 %) sowie dem Risiko der Überbewertung von KI-Investitionen (19 %).

Zwei Drittel der Anleger (67 %) sind besorgt über eine mögliche KI-Blase oder eine KI-bedingte Marktkorrektur in naher Zukunft. Auf längere Sicht wird die Stimmung positiver: 46 % der Anleger erwarten, dass sich KI in den nächsten fünf Jahren moderat positiv auf die Marktrenditen auswirken wird, während eine kleinere, aber optimistischere Gruppe (15 %) mit erheblichen positiven Auswirkungen rechnet. Insbesondere jüngere Anleger sind davon am stärksten überzeugt – 31 Prozent der Millennials erwarten überdurchschnittliche Renditen, verglichen mit 14 Prozent der Generation X und nur acht Prozent der Babyboomer.

„Skepsis gegenüber KI ist verständlich, doch Anleger laufen Gefahr, zwischen vorübergehenden Bewertungsschwankungen und langfristigen strukturellen Veränderungen nicht zu unterscheiden“, sagt Denny Fish, Portfolio Manager im Global Technology and Innovation Team bei Janus Henderson Investors. „Es wird in unserem Leben kein größeres langfristiges Thema geben als KI. Anleger müssen jedoch Geduld und Disziplin mitbringen. Denn während KI im Laufe der Zeit massive Gewinner hervorbringen wird, wird sie auf diesem Weg auch erhebliche Verlierer mit sich bringen. Wir glauben, dass diese Zweiteilung Chancen für aktive Fondsmanager eröffnet.“