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Wandelanleihen im Fokus

September 2026
Wie Künstliche Intelligenz neue Impulse in dieser Anlageklasse setzt, erläutern die Experten der Steiermärkische Sparkasse Private Banking.

Wandelanleihen erleben einen neuen Boom. Vor allem KI- und Wachstumsunternehmen haben in jüngster Zeit den Markt für Wandelanleihen deutlich verändert. Diese Unternehmen nutzen das hybride Finanzierungsinstrument, um Milliarden für Rechenzentren, Chips und Cloud-Infrastruktur aufzunehmen. Für Anleger eröffnet das interessante Möglichkeiten – doch die Risiken sind nicht zu unterschätzen, betonen die Leiter des Steiermärkische Sparkasse Private Banking Karl Freidl (Graz) und Christian Sajowitz (Wien).

Der KI-Boom findet längst nicht mehr nur an der Börse statt. Er verändert zunehmend auch den Markt für Unternehmensfinanzierungen. Das Instrument der Wandelanleihe rückt dabei besonders in den Fokus. Damit können sich Unternehmen Kapital am Anleihemarkt beschaffen und Anleger erhalten gleichzeitig die Möglichkeit, später von steigenden Aktienkursen zu profitieren. Gerade für wachstumsstarke Technologie- und KI-Unternehmen kann diese Kombination spannend sein. Doch die Konstruktion hat ihren Preis: Je größer die Wachstumsfantasie, desto wichtiger wird die Analyse der tatsächlichen Finanzkraft des Unternehmens.

Denn die Branche braucht enorme Summen. Gleichzeitig sind viele der Unternehmen noch weit davon entfernt, ihre Investitionen vollständig aus dem laufenden Geschäft zu finanzieren. Zunehmend rücken Unternehmen in den Mittelpunkt, die die Infrastruktur für künstliche Intelligenz bereitstellen. Dazu gehören Rechenzentrumsbetreiber, Cloud-Anbieter, Halbleiterunternehmen, Netzwerk-Spezialisten und Unternehmen aus dem Bereich Energieversorgung.

HOHES DOLLAR-VOLUMEN

Wie stark die Nachfrage nach Kapital inzwischen ist, zeigen die Emissionen. In den USA erreichte das Volumen von Wandelanleihen im laufenden Jahr 2026 bislang deutlich mehr als 100 Milliarden US-Dollar, wobei vor allem KI-Unternehmen zu den wichtigsten Emittenten gehören.

Das Prinzip eines Convertible ist relativ einfach: Eine Wandelanleihe ist zunächst eine Unternehmensanleihe. Der Anleger stellt dem Unternehmen Kapital zur Verfügung und erhält dafür – abhängig von den Bedingungen der Emission – Zinsen und am Ende der Laufzeit eine Rückzahlung. Zusätzlich gibt es eine Wandlungsoption. Unter bestimmten Voraussetzungen kann die Anleihe in Aktien des Unternehmens umgewandelt werden.

Damit verbindet das Wertpapier zwei Welten: Der Anleger profitiert von der Rückzahlungs- und Zinskomponente einer Anleihe und hat gleichzeitig eine Option auf Wandlung, die bei steigendem Aktienkurs deutlich an Wert gewinnen kann. Entscheidend bleibt aber die finanzielle Situation des Unternehmens. Kommt ein Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten, kann auch eine Wandelanleihe deutlich an Wert verlieren. Der Anleihecharakter reduziert zwar grundsätzlich die Abhängigkeit von der Aktienkursentwicklung, beseitigt aber nicht das Kreditrisiko.

Gerade bei jungen KI-Unternehmen ist dieser Punkt wichtig. Stark steigende Umsätze können mit hohen Investitionen und erheblichen Verlusten einhergehen. Für Anleger stellt sich deshalb die Frage, ob das Unternehmen irgendwann ausreichend Cashflow erwirtschaften kann, um seine Schulden zu bedienen und gleichzeitig weiter zu investieren.

Wer eine einzelne Wandelanleihe kauft, sollte sich deshalb mehrere Fragen stellen:

Erstens spielt die Stabilität des Emittenten eine große Rolle. Wachstum alleine reicht nicht. Auch Bilanz, Cashflow, Verschuldung und Liquiditätsreserven sind entscheidend. Bei jungen KI-Unternehmen sollte insbesondere geprüft werden, wie lange das vorhandene Kapital reicht und ob weitere Finanzierungsrunden erforderlich sein könnten.

Zweitens ist der Wandlungspreis, ab welchem Aktienkurs die Umwandlung in Aktien attraktiv wird, interessant. Je höher die Schwelle, desto stärker muss die Aktie steigen, bevor die Aktienkomponente einen wesentlichen Beitrag zum Wert der Wandelanleihe leistet.

Drittens ist auch die Laufzeit ein wichtiger Faktor. Diese bestimmt, wie viel Zeit dem Unternehmen bleibt, seine Wachstumsstrategie umzusetzen – und dem Anleger, von einer möglichen Aktienkurssteigerung zu profitieren.

Viertens sollte die Wandelanleihe in einem möglichst liquiden Markt gehandelt werden. Wer kurzfristig verkaufen will oder muss, könnte bei einem illiquiden Markt mit einem größeren Spread zwischen Kauf- und Verkaufspreis konfrontiert sein.

Fünftens kann das Kurspotenzial begrenzt sein, wenn der Aktienkurs bereits hoch ist, also schon sehr hohe Erwartungen an das zukünftige Wachstum widerspiegelt. Gleichzeitig kann eine enttäuschende Geschäftsentwicklung die Aktie und damit auch die Wandelanleihe unter Druck setzen.

Wer einen einzelnen Convertible kauft, sollte die Emissionsbedingungen genau analysieren. Bei Privatanlegern kann zudem ein breit diversifizierter Convertible-Fonds oder ETF eine Möglichkeit sein, das Risiko einzelner Unternehmen zu reduzieren – wobei auch hier Kosten, Zusammensetzung, Währungsrisiken und Zinsänderungsrisiken berücksichtigt werden müssen.