Das ist beachtlich: Auf Industrie, Handel, Finanz- und Versicherungswesen sowie freiberufliche und technische Dienstleistungen entfallen zusammen fast 55 Prozent des gesamten KI-Potenzials in Österreich. Das stellten dieser Tage die Wirtschaftsforscher von Economica und Experten von Microsoft Österreich fest. Vor zwei Jahren hatten sie hervorgehoben, dass KI hierzulande die Bruttowertschöpfung um bis zu 18 Prozent steigern könne, was einem zusätzlichen Wertschöpfungspotenzial von rund 72 Milliarden Euro entspreche. Jetzt benennen sie akademische Berufe, Techniker und Handwerksberufe als Effizienzgewinner sowie nicht unerwartet die Umsetzung standardisierter Anwendungen – während spezialisierte Tätigkeiten weiterhin maßgeschneiderte Ansätze benötigen.
Die Versicherungswirtschaft setzt KI in vielfältiger Weise ein. Beispielsweise verbessern Analyse- und Scoring-Modelle die Risikobewertung im Underwriting. Durch die laufende Analyse von Kundenfeedbacks mittels Online-Machine-Learning-Verfahren lassen sich Produktangebote auf Basis der gewonnenen Daten optimieren. Deutlich schneller wird die Bearbeitung von Schadenfällen dank digitaler Meldung und Automatisierung von Abläufen. Algorithmen unterstützen die Experten bei der Priorisierung der Schadenfälle, indem die geschickten Belege geprüft und die Schäden klassifiziert werden. Zudem entlasten Chat- und Voicebots den Kundenservice, weil einfache Fragen nicht mehr beantwortet werden müssen. Sofern Kunden und Berater von der „Maschine“ nicht genervt sind, können kürzere Reaktionszeiten und Kommunikation in Echtzeit zu spürbar besseren Kundenerfahrungen führen.
Mehr Kunden, besser beraten
Produktanbieter und Berater erhalten durch prädiktive Analytik gleichermaßen die Möglichkeit, Kunden personalisiert mit zielgerichteten Angeboten anzusprechen. Durch die Nutzung von Stimm-, Sprach- und Gesichtserkennungsverfahren lassen sich Mehrwerte dahingehend erzielen, dass Anrufer automatisch identifiziert und mit vorhandenen Kundendaten verknüpft werden, sodass Berater sofort einen umfassenden Überblick erhalten und individuell reagieren können. Überhaupt können Kundengespräche mittels Speech-to-Text-Technologien automatisch protokolliert und aufgezeichnet werden, was lästigen Verwaltungsaufwand reduziert und Raum für die wichtige persönliche Beratung schafft. Durch den gezielten KI-Einsatz lassen sich also gleichzeitig Effizienz und Qualität der Kundenberatung verbessern.
Schon dieser Auszug an Möglichkeiten zeigt, dass auch Berater durch KI-Einsatz große Potenziale erschließen können. Insofern gilt es, die sich so ergebenen Chancen zu ergreifen und KI-Modelle auszuprobieren und auf Basis vielfältiger Branchenerfahrungen zu nutzen. Entscheidend ist dabei, dass die Verwendung der Technologien die Ansprache und/oder die Betreuung von Kunden verbessert. Denn in deren Berufsalltag und Privatleben spielt KI häufig ebenfalls eine zunehmend stärkere Rolle. Folglich wächst das Verständnis für KI, sofern ihre Verwendung nicht zu Ärgernissen oder Verwechslungen führt. Dann ginge der Einsatz nach hinten los.

