Das US-Beratungshaus Marsh und das CFA Institute, der globale Verband der Anlageexperten, haben den 18. jährlichen Marsh CFA Institute Global Pension Index (MCGPI), veröffentlicht. Der Index vergleicht 55 Altersversorgungssysteme weltweit und deckt 66 Prozent der Weltbevölkerung ab. Das Fazit ist klar: Sinkende Geburtenraten und steigende Lebenserwartungen setzen die Altersversorgungssysteme weltweit zunehmend unter Druck. Der diesjährige Index untersucht, wie sich die Alterung der Bevölkerung auf die Ausgestaltung und langfristige Nachhaltigkeit von Rentensystemen auswirken wird – und welche Maßnahmen politische Entscheidungsträger ergreifen sollten, um sich darauf vorzubereiten. „Pensionssysteme stehen unter erheblichem Druck“, erläutert Christine Mahoney, Global Defined Benefit/Defined Contribution Leader bei Marsh. „Regierungen, die klare Ziele für ihre Pensionssysteme im Blick haben, die Finanzierung stärken und mehr Flexibilität bei der Ausgestaltung der Altersvorsorge schaffen, werden deutlich besser in der Lage sein, den kommenden Generationen einen würdevollen und sicheren Ruhestand zu ermöglichen.“
Mona Naqvi, Managing Director, CFA Institute Research and Policy Center, ergänzt: „Die Pensionssysteme unterscheiden sich von Land zu Land, stehen jedoch alle vor derselben langfristigen Herausforderung: verlässliche Einkommen im Ruhestand sicherzustellen, während sich die Demografie verändert und sich die Märkte wandeln. Keine einzelne politische Maßnahme und keine einzelne Anlageentscheidung können dies allein leisten. Erforderlich sind eine solide Systemgestaltung und Governance sowie eine sorgfältige Überwachung der Kapitalanlagen durch diejenigen, die gegenüber Sparerinnen, Sparern sowie Pensionsbeziehern eine Treuhänderpflicht haben. Der Maßstab ist, ob diese Entscheidungen zusammenwirken, um Menschen während des gesamten Ruhestands zu unterstützen, und auch für kommende Generationen tragfähig bleiben.“
ÖSTERREICH IM LETZTEN DRITTEL
Mit einer Punktzahl von 56,9 von 100 konnte Österreich im Vergleich zum Vorjahr (54,5) zwar leicht zulegen, bleibt im aktuellen Marsh CFA Institute Global Pension Index jedoch auf Platz 43 und somit weiterhin im hinteren Drittel der Rangliste. In der Sub-Kategorie „Angemessenheit“ erreichte Österreich 68,3 Punkte und damit etwas mehr als im Vorjahr (67,5). Trotz des höheren Werts fiel das Land im Ranking von Platz 26 auf Platz 29 zurück und liegt damit weiterhin im Mittelfeld. In dieser Kategorie bleibt insbesondere die langfristige Finanzierbarkeit des Systems eine zentrale Herausforderung.
In der Sub-Kategorie „Nachhaltigkeit“, die die Zukunftssicherheit des Pensionssystems bewertet, liegt Österreich weiterhin auf dem 55. und damit letzten Platz und erhält unverändert die Note E. Dies unterstreicht die weiterhin bestehenden strukturellen Herausforderungen des österreichischen Pensionssystems.
Deutlich verbessert hat sich Österreich hingegen in der Kategorie „Integrität“: Mit 85,0 Punkten gegenüber 76,4 Punkten im Vorjahr werden Regulierung, Governance und Kommunikation des österreichischen Pensionssystems gut bewertet. Österreich konnte sich hier von Platz 26 auf Platz 10 verbessern.
Michaela Plank, Geschäftsführerin und Marsh Investments and Retirement Leaderin in Österreich, ordnet die Situation ein: „Österreich steht vor der Herausforderung, sein Pensionssystem widerstandsfähiger gegenüber dem demografischen Wandel zu machen. Die Reform der betrieblichen Vorsorge, die 2028 in Österreich umgesetzt wird, ist dabei ein erster wichtiger Meilenstein, um die zweite Säule zu stärken und die erste Säule langfristig zu entlasten. Gleichzeitig wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen, wie die neue Flexibilität von den Berechtigten angenommen wird und ob sie tatsächlich zu einer spürbaren Entlastung der ersten Säule beitragen kann. Mehr kapitalgedeckte Vorsorgemöglichkeiten, eine breitere Einbindung in betriebliche Altersvorsorgeprogramme sowie eine höhere Erwerbsbeteiligung im Alter sind wichtige Hebel. Das umlagefinanzierte System gerät durch sinkende Geburtenraten, längere Lebenserwartung und steigende Kosten zunehmend unter Druck. Daher müssen betriebliche und private Altersvorsorge an Bedeutung gewinnen, insbesondere wenn sie durch steuerliche Anreize und mehr Flexibilität gefördert werden.“
Der Index 2026 hebt drei zentrale politische Maßnahmen hervor, die erforderlich sind, um auf diese demografischen Realitäten zu reagieren: die Festlegung klarer Ziele für Pensionssysteme, die Priorisierung der Finanzierung künftiger Altersvorsorgeverpflichtungen sowie die Schaffung von mehr Flexibilität bei der Gestaltung von Altersvorsorgeprodukten und beim Pensionseintrittsalter. Traditionelle Pensionseintrittsalter von 60 oder 65 Jahren passen zunehmend weniger zu einem längeren und gesünderen Leben. Da die Grenze zwischen Erwerbsleben und Ruhestand – unter anderem durch die zunehmende Bedeutung von Gig-Arbeit und Teilzeitbeschäftigung – immer stärker verschwimmt, müssen sich Pensionssysteme Rentensysteme an die tatsächliche Lebens- und Arbeitsweise der Menschen im späteren Lebensalter anpassen.
„Die Daten zeigen deutlich, dass sich selbst die leistungsstärksten Systeme weiterentwickeln müssen. Angesichts dieser demografischen Veränderungen kann es sich kein System leisten, stillzustehen“, kommentiert Tim Jenkins, Hauptautor der Studie und Partner bei Marsh Investments and Retirement. „Der richtige Ansatz für ein Land, ein System oder sogar eine einzelne Person ist nicht zwangsläufig auch für andere geeignet. Was jedoch alle Systeme gemeinsam haben, ist die Notwendigkeit zur Anpassung. Die Ausgestaltung des Ruhestands muss flexibler werden – bei der Frage, wann Menschen Einkommen beziehen, bei der Strukturierung von Produkten und bei unserem Verständnis der Grenze zwischen Erwerbsleben und Ruhestand. Diese Flexibilität ist nicht länger optional.“
DEUTLICHE VERBESSERUNGEN
Mit Indexwerten von mehr als 80 erhalten die Altersversorgungssysteme in den Niederlanden, in Dänemark, Island, Singapur und Israel 2026 erneut die Note A. Erstmals erhält erneut Australien die Note A. Diese sechs Systeme sind robust: Sie bieten angemessene Leistungen, sind nachhaltig und weisen ein hohes Maß an Integrität auf. Der Index basiert auf dem gewichteten Durchschnitt der Teilindizes Angemessenheit, Nachhaltigkeit und Integrität. Bei den einzelnen Teilindizes erzielten Kuwait bei der Angemessenheit, Dänemark bei der Nachhaltigkeit und Finnland bei der Integrität die jeweils höchsten Werte. In diesem Jahr haben sich die Bewertungen von fünf Altersversorgungssystemen verbessert: Australien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Oman, Panama und China. Der Durchschnittswert des Gesamtindex ist gegenüber 2025 um 1,1 Punkte gestiegen.

