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Chancen mit Anleihen

Februar 2026
Im aktuellen Umfeld hält Mark Munro, Aberdeen Investments, vor allem Bonds mit kurzen Laufzeiten für interessant. Munro erläutert die Gründe.
Aberdeen Investments
Mark Munro, Aberdeen Investments

Wir starten ins Jahr 2026 mit Kreditspreads auf dem engsten Niveau seit der Zeit vor der globalen Finanzkrise. Dies ist das klare Fazit von Mark Munro, Investment Director Fixed Income bei Aberdeen Investments. In seinem Kommender erläutert Munro die Entwicklungen.

Viele beliebte Risk-on-Bereiche wie High Yield, nachrangige Finanzanleihen und Schwellenländeranleihen haben in den vergangenen 24 Monaten eine sehr starke Entwicklung verzeichnet. Trotz der engen Spreads fließt weiter viel Kapital in die Anleihemärkte und das hohe Emissionsvolumen zu Jahresbeginn trifft auf anhaltend hohe Nachfrage. Laut JP Morgan erlebten wir den zweitgrößten Emissionstag für US-Unternehmensanleihen überhaupt und den bislang größten in Europa. Anleger fühlen sich weiterhin von Renditen angezogen, die deutlich über den Durchschnittswerten der letzten zwei Jahrzehnte liegen.

Hinzu kommt, dass es aus heutiger Sicht unwahrscheinlich ist, dass die EZB in diesem Jahr die Zinsen anhebt, während in den USA zwei weitere Zinssenkungen möglich erscheinen, begünstigt durch einen locker ausgerichteten neuen Fed‑Vorsitzenden. Dies stärkt das Vertrauen zusätzlich.

Aus makroökonomischer Sicht verharrt Europa weitgehend in einer Phase der Stagnation, während die USA dank weiterer Investitionen in KI-Infrastruktur weiterhin wachsen. Historisch gesehen schaffen Wachstumsraten von ein bis zwei Prozent optimale Bedingungen für Kreditspreads im Investment-Grade-Bereich – also „nicht zu heiß und nicht zu kalt“.

DIVERGENTE ENTWICKLUNGEN

Die Fundamentaldaten unterscheiden sich je nach Sektor, sind insgesamt jedoch solide. Banken entwickeln sich besonders gut, und die Stimmung im Immobiliensektor hellt sich auf. Die Automobilbranche steht vor erheblichen strukturellen Herausforderungen, und auch Chemie sowie Grundstoffe haben ihre Talsohle noch nicht durchschritten. Im Technologiesektor wird es genauere Prüfungen geben, insbesondere bei Finanzierung und Umsetzung von KI-Projekten.

Wo stehen wir also? Die Kreditspreads sind eng und können dieses Niveau noch länger halten. Wir erwarten eine weitgehend stabile Spanne, mit einer leichten Tendenz zur Ausweitung in den kommenden sechs Monaten. Eine weitere Verengung ist möglich, sollte aber nicht die Basiserwartung sein.

Die Duration ist schwerer einzuschätzen als im Vorjahr. Die Märkte haben zusätzliche Zinssenkungen in den USA weitgehend eingepreist. Unser Basisszenario sieht eine moderate Versteilung der Zinskurven vor. Die entscheidende Frage lautet also: Wie viel Risiko sind Anleger bereit einzugehen, um attraktive Renditen zu erzielen, und wie viel Duration möchten sie tatsächlich nehmen?

KURZE LAUFZEITEN

Kurzlaufende Anleihen bleiben attraktiv, da sie eine Rendite über dem Niveau von Bargeld und Staatsanleihen bieten können. Angesichts des Umfelds und der aktuellen Bewertungen erscheint dies auf risikoadjustierter Basis besonders sinnvoll. Im Short Dated Enhanced Income Fund haben wir unser High-Yield-Engagement von 17 Prozent auf unter 12 Prozent reduziert und den Anteil an Bargeld und kurzlaufenden Staatsanleihen von zehn auf fast 15 Prozent erhöht. Dies bedeutet eine gewisse Reduktion des Risikos, bietet aber gleichzeitig Flexibilität, bei einer Verschlechterung der Risikostimmung wieder Risiko aufzubauen.

Vor dem Hintergrund dieser etwas defensiveren Positionierung bevorzugen wir weiterhin Banken, Versorger und Telekommunikation und erwarten, dass vorrangige Bankschuldtitel in den kommenden Monaten wieder besser als Nicht-Finanzwerte abschneiden. Kurzlaufende nachrangige Anleihen mit einem Call-Datum innerhalb der nächsten zwei Jahre erscheinen ebenfalls sinnvoll. Zudem suchen wir gezielt Chancen in Schwellenländern und Asien sowie in ausgewählten niedrig bewerteten BBB- und BB-Anleihen.