Der Fachverband der Pensions- und Vorsorgekassen zeigt sich erfreut über die jüngsten Reformmaßnahmen des heimischen Gesetzgebers. Besonders positiv wird dabei die Umsetzung des im Regierungsprogramm angeführten Generalpensionskassenvertrags bewertet. Noch ist die Einführung aber nicht in „trockenen Tüchern“. Und es gibt Kritik, z. B. an Überlegungen, regelmäßige, vorzeitige Kapitalentnahmen aus den Vorsorgekassen zu ermöglichen. Denn dies würde dem Vorsorgegedanken zuwiderlaufen. Vielmehr sollten die Gelder „im Regelfall bis zum Pensionsantritt veranlagt werden, um dann als lebenslange, steuerfreie Zusatzpension zu dienen“, mahnt daher Philipp Mayer, Vorstand der Valida Holding, im gemeinsamen Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden Martin Sardelic an (siehe Beitrag auf Seite 56).
„Unser Ziel ist der Vollausbau des Systems mit zahlreichen Verbesserungen, um künftig eine noch höhere Performance für alle Berechtigten zu erzielen“, sagt Andreas Zakostelsky, Obmann des Fachverbandes, und zeigt sich trotz erforderlicher Nachverhandlungen optimistisch, dass es „insgesamt ein wichtiger Reformschritt Richtung Ausbau der zweiten Säule wird.“ Zudem gebe es aktuell auf europäischer Ebene gute Impulse für eine Stärkung der Zusatzpensionen. So beinhalte das von der Europäischen Kommission vorgeschlagene „Supplementary Pension Package“ insbesondere den Ansatz, über Modelle wie „Auto-Enrolement“ möglichst vielen Menschen automatisch und damit auf einfache Weise einen Zugang zu zusätzlicher Altersvorsorge zu ermöglichen.
Performanceseitig schafften die überbetrieblichen Pensionskassen 2025 mit einem Wertzuwachs von 4,33 Prozent nicht den Sprung über die Fünf-Prozent-Marke. Das gelang nur zusammen mit den betrieblichen Pensionskassen auf lange Sicht, die allerdings bei der Altersvorsorge maßgeblich sind (siehe Grafik). Gleichwohl erreichten die betrieblichen Einrichtungen allein betrachtet im vergangenen Jahr mit 10,59 Prozent ein außergewöhnlich hohes Ergebnis. „Im vergangenen Jahr haben wir in der Pensionskasse eine Performance von 5,66 Prozent erzielt“, berichtet Georg Daurer, Vorstandsmitglied der BONUS Pensionskasse im Interview und freut sich über die „deutliche Outperformance von über einem Prozentpunkt“ (siehe Beitrag auf Seite 60). Trotz möglicher Differenzen bei der Berechnung offenbart der Überblick der verschiedenen Veranlagungstypen doch zweierlei: Selbst auf Fünf-Jahres-Sicht sind die Performanceunterschiede teils erheblich. Über fast alle Veranlagungen ließ die BONUS Pensionskasse Mitbewerber und Branche hinter sich. Gründe genug, bei überbetrieblichen Pensionskassen einmal nachzufragen.
„Zum Veranlagungserfolg im letzten Jahr konnten alle Asset Klassen positiv beitragen, was uns sehr freut“, sagt Claudio Gligo. Der Head of Asset Management bei der BONUS Pensionskasse hebt dabei die Beimischungen Unternehmensanleihen und Edelmetalle als Performancebringer hervor. Ähnlich der ist Tenor bei der APK Pensionskasse, wenngleich hier besonders Aktien, Anleihen, Infrastrukturinvestments und alternative Anlageformen, einschließlich Private Equity, Performancebeiträge lieferten. Die starken Veranlagungsergebnisse im Aktienbereich erzielten nach mehreren Jahren relativer Schwäche Investments außerhalb der USA, sagt Manfred Brenner, Vorstand der APK Pensionskasse und fügt hinzu: „Auch im Anleihesegment entwickelten sich insbesondere renditestärkere Segmente wie High-Yield-Anleihen sowie Investments in den Schwellenländern sehr erfreulich.“ Bei der VBV Pensionskasse sorgten neben der „deutlichen Outperformance“ der Aktienstrategie die Anleihe- und Private Debt-Portfolien für „zuverlässige“ Veranlagungsergebnisse.

„Das Veranlagungsjahr 2025 verlief insgesamt positiv, war jedoch von spezifischen geopolitischen Herausforderungen geprägt – insbesondere durch die US-Handelspolitik und die damit verbundene Zollthematik im Frühjahr“, sagt Sardelic. Erinnern wir uns an den sogenannten „Liberation Day“: Anfang April 2025 wollte US-Präsident Donald Trump die Welt mit Handelszöllen überziehen. Dann brachen die Aktienmärkte weltweit ein. Im Zuge erhöhter Marktvolatilität setzte die Valida Pensionskasse temporäre Absicherungsmaßnahmen zur Steuerung des Risikos um, sagt der Valida-Vorstandsvorsitzende und fügt hinzu: „Nachdem sich die Marktsituation infolge der Verschiebung der angekündigten Zölle rasch stabilisierte, erhöhten wir in den darauffolgenden Wochen schrittweise wieder unsere Investitionsquote.“
mehrere performancetreiber
Was die Outperformance der Aktieninvestments betrifft, nennt Sardelic die weiterhin robuste US-Konjunktur sowie die damit einhergehenden positiven Unternehmensgewinne als wesentliche Treiber. Darüber hinaus sorgten erwartete Produktivitätssteigerungen rund um den Einsatz künstlicher Intelligenz für zusätzliche Impulse sowie die umfangreichen Investitionen großer Technologieunternehmen in Rechenzentren und Infrastruktur. Einen nennenswerten Portfoliobeitrag leistete auch Gold mit einem Wertzuwachs von fast 50 Prozent auf Euro-Basis, zählt der Valida-Chef weiter auf. Zudem verzeichneten europäische Aktien sowie Titel aus den Schwellenländern verstärkte Kapitalzuflüsse, da Investoren teilweise Mittel aus den USA in andere Regionen umschichteten. „Hintergrund waren unter anderem politische Entwicklungen in den Vereinigten Staaten, die bei einigen Marktteilnehmern zu einer vorsichtigeren Einschätzung des US-Finanzplatzes führten“, ergänzt Sardelic.
Genau dieser Stimmungsumschwung an den Kapitalmärkten sorgte auch dafür, dass die US-Währung deutlich an Wert einbüßte. „Der US-Dollar verlor im Jahresverlauf rund 13 Prozent, wodurch sich die Renditen von US-Dollar-Anlagen, insbesondere US-Staatsanleihen, aber auch US-Aktien, für Euro-Investoren entsprechend reduzierten“, beschreibt Sardelic das Ausmaß. Ein Faktor, der sich für alle Häuser belastend auswirkte, gleichwohl in unterschiedlicher Weise. So wurde bei der Valida Pensionskasse im Jahresverlauf die US-Dollar-Position durch einen moderaten Abbau von US-Treasuries reduziert. „Das Engagement in US-Aktien blieb hingegen unverändert, da die Gewichtung der USA im Portfolio weiterhin unter jener der globalen Marktkapitalisierung lag“, begründet der Valida-Chef.
„Trotz der Schwäche des US-Dollars, die Veranlagungen in den USA belastete, konnte durch die überdurchschnittliche Entwicklung europäischer Anlagen, in denen wir übergewichtet waren, insgesamt eine sehr erfreuliche Performance erzielt werden“, erläutert Brenner. Im Anleihesegment sei es durch den gezielten Einsatz von Absicherungsinstrumenten gelungen, einen Großteil der positiven Marktentwicklung zu sichern. Zudem habe sich das Untergewicht in US-Staatsanleihen unterstützend auf die Rentenperformance ausgewirkt. „Auf der Aktienseite führte unser Untergewicht in US-Aktien dazu, dass wir weniger stark gegenüber dem KI-Thema exponiert waren als der breite Markt“, ergänzt der APK-Vorstand und fügt hinzu: „Die Entwicklungen in diesem Bereich werden weiterhin eng beobachtet, insbesondere mit Blick auf den US-Loan-Markt sowie den Private-Market-Bereich, die zunehmend von einem eingetrübten Sentiment im Sektor „Software-as-a-Service“, kurz SaaS, beeinflusst werden.“
US-Dollar UNTERGEWICHTET
Auf der Währungsseite konnten wir durch unsere taktische Untergewichtung des US-Dollars die Abwertungsverluste abmildern“, sagt Gligo und betont: „Besonders freut es uns, dass wir unsere ausgezeichneten Performanceergebnisse mit einem geringeren Risiko, also einer geringeren Aktienquote als der Gesamtmarkt erzielen konnten.“ Auf das Thema der „KI-Sorgen“ habe man frühzeitig durch eine Verringerung der Gewichtung des IT-Sektors reagiert und in weiterer Folge auch die Gewichtung der globalen Aktien reduziert. „Durch beide Maßnahmen ist unser Exposure in diesen Bereichen – und im Übrigen auch zum US-Dollar – gesunken und dies hat zu unserer guten Performance beigetragen“, sagt der Investmentchef der BONUS Pensionskasse.
„Die starke Abwertung des US-Dollars hat in allen Assetklassen belastet, auch wenn wir den US-Dollar in der Regel gut über die Hälfte gesichert haben. Ebenso waren die Turbulenzen, um den Liberation Day nicht einfach zu managen“, meint auch Günther Schiendl, Vorstandsvorsitzender der VBV-Pensionskasse und Mitglied des Vorstandes der VBV-Gruppe. Sein bestehender Vertrag läuft zum Jahresende aus, informierte jüngst das Unternehmen. „Es ist uns ein Anliegen, die Synergieeffekte und Effizienzsteigerungen auch im Vorstandsbereich abzubilden. Auf Grund der geplanten Zusammenlegung der Veranlagung in der VBV von zwei Bereichen auf künftig einen Gruppenbereich, wird das bis Jahresende 2026 laufende Vorstandsmandat von Mag. Günther Schiendl nicht verlängert“, begründete Markus Posch, Vorsitzender des Aufsichtsrates der VBV-Gesellschaften gegenüber der Presse. Schon im Jahr 2022 hatte das Unternehmen nach eigenen Angaben damit begonnen, Synergien zu heben und eine effizientere Struktur zu formen, z. B. durch die Zusammenfassung im HR-Bereich sowie in den Bereichen Recht, CSR oder auch in den Bereichen Marketing, Vertriebsunterstützung und Digitale Services.
Nach Angaben des Fachverbandes haben 975.144 Österreicher Ansprüche auf eine Firmenpension erworben. Genau 159.320 Leistungsberechtigte beziehen derzeit eine monatliche Zusatzpension von durchschnittlich 419 Euro, und zwar 14-mal pro Jahr. Das verwaltete Vermögen der heimischen Pensionskassen kletterte weiter nach oben auf einen Top-Wert von gut 30 Milliarden Euro (siehe Grafik). Zudem überzeugen die Einrichtungen laut eines aktuellen Reports der Europäischen Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersvorsorge (EIOPA) mit einer sehr guten Kosten-Struktur, informiert der Verband. Demnach weisen die heimischen Adressen der repräsentativen Erhebung zufolge die geringsten Kosten auf – ein positiver Faktor für hiesige Kunden.
Solche Kostenvorteile sind besonders in ertragsschwächeren Zeiten hilfreich, wenn eben nur eine geringe Rendite oder gar Verluste eingefahren werden. Ein Szenario, auf das sich die Kunden in diesem Jahr angesichts eines möglicherweise länger anhaltenden Iran-Krieges einstellen sollten. In den Pensionskassen zeigt man sich aber gut vorbereitet und beobachtet die Lage genau. Bei der Valida Pensionskasse werde durch laufendes Monitoring der Märkte sowie klar definierte Risikolimits sichergestellt, dass potenzielle Stresssituationen frühzeitig erkannt und entsprechende Maßnahmen gesetzt werden können. „Bei einer deutlichen Verschlechterung der Marktlage wird das Risiko in den Portfolios durch unsere Risiko-Overlay systematisch gesteuert und damit die Kapitalbasis unserer Kunden geschützt“, sagt Sardelic und betont: „Ziel ist es dabei nicht, kurzfristige Marktentwicklungen vorherzusagen, sondern die Portfolios so zu strukturieren, dass sie auch in volatilen Marktphasen robust bleiben und langfristig stabile Erträge erzielen können.“
Bei der BONUS Pensionskasse werden bei relevanten Marktindikatoren sogenannte „Alert Levels“ definiert. Sobald diese Levels erreicht werden, finden umfassende interne Beratungen statt und es können Portfolio-Maßnahmen beschlossen werden, berichtet Gligo. „Sollte sich die Gesamtsituation und damit auch die Steigerung des Ölpreises als wesentlichen Transmissionsmechanismus beschleunigen, so kann dies eine risikoreduzierende Positionierung nach sich ziehen“, ergänzt er. „Sollte der Konflikt im Iran länger andauern, planen wir, das Exposure in risikoreicheren Anlageklassen, wie Aktien und Hochzinsanleihen, schrittweise abzusichern bzw. zu reduzieren“, stellt Brenner fest. Gleichzeitig würde man bei der APK Pensionskasse in einem solchen Szenario die Duration des Rentenportfolios gezielt verkürzen, um die Zinssensitivität zu verringern. „Einzelne Maßnahmen in diese Richtung wurden bereits umgesetzt“, ergänzt der Vorstand. Und der VBV-Vorstandsvorsitzende weist darauf hin, dass man auch in diesem Kontext bestimmte Grenzen definiert hat, ab denen risikoreduzierende Maßnahmen gesetzt werden. Schiendl weist zudem auf einen weiteren Effekt hin, der auch Konsumenten betrifft: „Dieser Krieg zeigt, dass der Umstieg auf erneuerbare Energien nicht nur aus nachhaltigen Gründen weiter betrieben werden muss, sondern auch aus energiepolitischen und Sicherheitsgründen.

