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EZB – Kein Handlungsbedarf

Dezember 2025
Weshalb die Europäische Zentralbank die Zinsen im kommenden Jahr unverändert lassen dürfte, erläutert Ulrike Kastens, Volkswirtin Europa, DWS.
DWS
Ulrike Kastens, DWS

Wie erwartet hat die Europäische Zentralbank (EZB) heute den Einlagensatz bei zwei Prozent belassen, betont Ulrike Kastens, Volkswirtin Europa, DWS. Im Mittelpunkt des Interesses standen die neuen Projektionen zu Wachstum und Inflation, die erstmals auch das Jahr 2028 umfassten. Besonders auffällig waren die Projektionen zum BIP-Wachstum, die bis 2027 um kumuliert 0,5 Prozent höher ausfielen als noch im September. Dies ist auf eine kräftigere Inlandsnachfrage zurückzuführen.

Hingegen wurden unserer Meinung nach nur kleinere Anpassungen in den Projektionen zur Inflationsentwicklung vorgenommen. Diese sollte im Durchschnitt der Jahre 2025 bis 2028 das Ziel der Notenbank erreichen. Allerdings war etwas mehr Besorgnis wegen der hartnäckigen Dienstleistungsinflation zu spüren, die unter anderem wegen des stärkeren Lohnwachstums höher als erwartet ausfiel. Insgesamt behält sich die EZB alle Optionen offen. Die Geldpolitik ist gut positioniert, aber nicht statisch. Trotz des stärkeren BIP-Wachstums wurden die Risiken für die Konjunktur nicht als aufwärtsgerichtet angesehen.

Vielmehr hielten sich die Argumente dafür und dagegen die Waage. Ähnliches gilt für die Inflation, was auch an der immer noch hohen Unsicherheit liegt. Vor diesem Hintergrund bleibt es bei der Datenabhängigkeit und einer fehlenden Vorfestlegung auf einen geldpolitischen Kurs. Insgesamt war der Tenor der EZB-Pressekonferenz unserer Meinung nach deutlich ausgeglichener als im Oktober. Angesichts der aktuellen Projektionen sehen wir keinen geldpolitischen Handlungsbedarf. Wir rechnen 2026 mit unveränderten Leitzinsen.