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EZB-Zinspfad ungewiss

Dezember 2025
Die Währungshüter der Eurozone beließen die Zinsen einmal mehr unverändert. Erick Muller von Muzinich & Co. liefert eine Einschätzung.
Muzinich & Co.
Erick Muller, Muzinich & Co.

„Es wäre eine deutliche Enttäuschung beim privaten Konsum nötig, damit Zinssenkungen wieder auf die Agenda kämen“, sagt Erick Muller, der beim auf Kredite spezialisierten Vermögensverwalter Muzinich & Co. die globalen Produkt- und Investmentstrategien verantwortet, zur jüngsten EZB-Leitzinsentscheidung. Muller erläutert:

Präsidentin Lagarde bekräftigte, dass die EZB mit dem aktuellen Zinsniveau zufrieden ist. Die Risikoeinschätzung wirkt sowohl beim Wirtschaftswachstum als auch bei der Inflation ausgewogen. Allerdings stellen wir fest, dass die Projektionen der EZB-Experten seit September deutlich nach oben revidiert wurden: Die Exporte haben 2025 positiv überrascht, und für 2026 wird erwartet, dass der Verlauf der Binnennachfrage die Aktivität stützt. Infolgedessen wird nun erwartet, dass das Wachstum im Euroraum im Prognosezeitraum bis 2028 im Durchschnitt über den Potenzialschätzungen liegen wird. Während die Gesamtinflation in den nächsten zwei Jahren unter dem Ziel bleibt, liegt die Kerninflation weiterhin über dem Ziel und nähert sich nur langsam an.

Die stärkere Binnennachfrage steht im Mittelpunkt der Prognose für die Wirtschaftstätigkeit. Es wird erwartet, dass der private Konsum mit der bisherigen Einkommensentwicklung gleichzieht, während Unternehmensinvestitionen und Staatsausgaben den Beitrag zum Wachstum ergänzen werden.

Während die Pressekonferenz ein gewisses Maß an Zuversicht hinsichtlich des Aktivitätsausblicks vermittelte, ist der Inflationsausblick ausgewogener. Die Widerstandsfähigkeit der Dienstleistungsinflation – teilweise bedingt durch eine solide Lohnentwicklung – verändert den Pfad der Kerninflation für 2026. Zwar deuten zukunftsorientierte Indikatoren auf eine bevorstehende Abschwächung des Lohnwachstums hin, doch viele andere Faktoren – darunter chinesische Exporte in die EU, in Kombination mit einem starken Euro, oder umgekehrt kräftige staatliche Ausgaben, die auf begrenzte Produktionskapazitäten treffen, sowie Engpässe bei kritischen Materialien, die die Preise erhöhen – könnten die Inflation jeweils deutlich nach oben oder unten beeinflussen.

Obwohl das Wort „unsicher“ aus der Erklärung gestrichen wurde, dominierte es die Pressekonferenz: Präsidentin Lagarde verwies darauf, welche unterschiedlichen Formen Unsicherheit heutzutage annehmen kann. Das verdeutlicht die offizielle Sicht des EZB-Rats, nachdem Isabel Schnabel kürzlich gesagt hatte, sie sei überzeugt, dass der nächste Zinsschritt nach oben gehen werde. „Wir können schlicht keine Forward Guidance geben“ und „es war eine einstimmige Entscheidung, alle Optionen offenzuhalten“, sagte Präsidentin Lagarde. Allerdings wäre eine deutliche Enttäuschung beim privaten Konsum nötig, damit Zinssenkungen wieder auf die Agenda kämen.

Wir gehen davon aus, dass der Markt es als unproblematisch ansehen wird, dass der Zinssenkungszyklus beendet ist, und dass er für die zweite Jahreshälfte 2026 weiterhin eine gewisse Einpreisung höherer kurzfristiger Zinsen beibehalten wird.