Der Markt für Non-Investment-Grade-Bonds hat eine tiefgreifende Transformation durchlaufen. Was vor Jahrzehnten als kleine Nischenkategorie der sogenannten „Junk Bonds“ begann, hat sich zu einem zentralen Bestandteil institutioneller Portfolios entwickelt. „Heute ist der Markt für High-Yield-Anleihen nahezu 1,5 Billionen US-Dollar groß. Die Hälfte des Anlageuniversums ist dabei mit BB bewertet – also am oberen Ende des Non-Investment-Grade-Spektrums“, formuliert John G. Popp, Managing Director UBS Asset Management und Group Head & CIO der Credit Investments Group, in einem Beitrag.
Dadurch sei das Risiko für Anleger überschaubar, allerdings gebe es – anders als bei Aktien – nur ein begrenztes Aufwärtspotenzial. Non-Investment-Grade-Anleihen reagieren deutlich stärker auf die Verengung oder Erweiterung der Kreditspreads (Zinsaufschläge) und weniger empfindlich auf Zinsanstiege, wie dies Staats- oder Investment-Grade-Anleihen tun, sagt Kyle Kloc, Co-Head of Investment Grade and High Yield bei Pictet Asset Management. Der Kreditspread bezeichnet dabei den Zinsaufschlag, den Unternehmen mit höherem Ausfallrisiko gegenüber Staatsanleihen mit sehr hoher Bonität zahlen müssen.
Aktuell weisen Spreads im US-Hochzinsmarkt rund drei Prozent über den risikofreien Staatspapieren aus – ein zurückblickend sehr niedriger Wert (siehe Grafik). Ein Hauptgrund für die engen Spreads liegt in einer positiv bewerteten gesamtwirtschaftlichen Situation sowie in guten Unternehmensdaten. Daher erklärt Alexis Renault, Globaler Leiter für High Yield bei Oddo BHF Asset Management, in einem Marktkommentar, dass die engen Spreads „gerechtfertigt“ seien. Zwar fiel die jüngste Berichtssaison aufgrund schwacher operativer Ergebnisse und düsterer Aussichten für einige Sektoren wie Automobil, Verpackung, Chemie und Grundstoffe durchwachsen aus. Doch die Ankündigung des Zollabkommens sowie politische Impulse wie das deutsche Konjunkturprogramm und erhöhte EU-Verteidigungsausgaben könnten die Unternehmenslandschaft stützen. Ähnlich denkt Kloc von Pictet. Die Fundamentaldaten der High-Yield-Unternehmen sind im Vergleich zur Vergangenheit stark. Nach den meisten Kennzahlen verfügen High-Yield-Unternehmen heute über deutlich sauberere Bilanzen, geringere Verschuldung, verbesserte EBITDA-Margen und höhere Zinsdeckungsquoten als früher. Daher sind sowohl Risiko als auch Rendite eher am unteren Ende angesiedelt, erklärt Kloc.
Gutes Rendite-Risiko-Verhältnis
Die Gesamtrendite für globale High-Yield-Anleihen liegt bei etwa sieben Prozent auf US-Dollar-Basis und fünf Prozent auf Euro-Basis. In den vergangenen zwölf Monaten erzielte der MSCI High-Yield Corporate Bond Index eine Rendite von 6,1 Prozent. Seit 2006 liegt die jährliche Durchschnittsrendite bei 5,45 Prozent – und das bei deutlich geringeren Schwankungen als bei Aktien. So erreichte die Zehn-Jahres-Volatilität beim MSCI-Europe-Aktienindex im Durchschnitt 16 Prozent; zum Vergleich lag die Volatilität bei High-Yield-Unternehmensanleihen bei rund sieben Prozent. Sowohl das Zins- als auch das Duration-Risiko spielen typischerweise bei High-Yield-Anleihen eine weniger große Rolle, meint Kloc. Aufgrund der schwächeren Bonität der Unternehmen haben solche Anleihen eine deutlich kürzere Gesamtduration, da High-Yield-Unternehmen häufig nicht in der Lage sind, langfristigere Anleihen zu begeben. Dennoch sollte die Duration mit Blick auf die Renditepotenziale nicht außer Acht gelassen werden. Angesichts der aktuellen Lage hält Renault Strategien mit kurzer Duration oder Fonds mit fester Laufzeit und kurzer Restduration für eine interessante Option. „Das Risiko einer Ausweitung der Spreads ist asymmetrisch, das heißt, es verringert sich zum Laufzeitende deutlich. Anleger sollten daher im aktuellen Umfeld kurze Laufzeiten bevorzugen“, erklärt Renault in seinem Marktkommentar.
Der Hauptfaktor für die Höhe des Kreditspreads liegt im Ausfallsrisiko. Wenn sich die gesamtwirtschaftliche Lage verbessert, gehen die Zinsaufschläge für spekulative Unternehmensanleihen zurück, weil auch das Ausfallsrisiko sinkt. Der Pictet-Experte weist dabei auf die derzeit geringe Ausfallsrate bei High-Yield-Bonds hin. Diese sei zwar gestiegen, weil einige Unternehmen mit großen Bilanzen – wie z. B. ATOS und Altice – in Zahlungsverzug geraten sind, doch „es gab keine Ansteckung auf den breiteren Markt“. Da die großen Ausfälle nun weitgehend verarbeitet sind, erwartet Kloc, dass die Ausfallraten in Europa auf ein Niveau von zwei bis drei Prozent zurückkehren. Auch in den USA ist ein ähnliches Ausfallsniveau wahrscheinlich. Zudem ist selbst bei einem Ausfall nicht alles verloren: Die Verwertungsquote liegt derzeit bei rund 30 bis 40 Prozent und damit über dem historischen Durchschnitt, wie Pictet-Expertin Emira Marika erklärt. Weltweit gesehen ist die Ausfallsquote laut Moody’s über zwölf Monate von 4,9 auf 4,4 Prozent per Ende September 2025 gesunken und liegt damit leicht über dem langfristigen Durchschnitt von 4,2 Prozent. Für die kommenden zwölf Monate wird ein Rückgang auf 2,5 Prozent erwartet.
USA und Europa im fokus
Der geografische Schwerpunkt der Fonds im High-Yield-Bereich liegt selten global, sondern fokussiert sich stark auf die USA und Europa – so auch beim Pictet Global High Yield. In diesem Jahr war der Fonds größtenteils in Europa übergewichtet. „Das hat sich als richtig erwiesen, da die Überschussrenditen europäischer High-Yield-Anleihen jene von US-High-Yield-Anleihen um rund ein Prozent übertroffen haben“, erklärt Kloc. Zuletzt wurde die Übergewichtung in Europa zugunsten von US-Engagements reduziert. Gegenwärtig liegt das US-Engagement bei etwa 60 Prozent. So wie bei Pictet, zeigt sich bei den meisten Fonds eine verstärkte US-Ausrichtung. Eine Ausnahme stellt der BNY Mellon Global Short-Dated High Yield Bond Fund dar, der nur rund 20 Prozent in den USA investiert.
Auch der Spitzenreiter unseres Rankings, der UBAM Global High Yield Solution Extended Duration von UBP Asset Management, hat derzeit eine Aufteilung von rund zwei Dritteln USA und einem Drittel Europa. Der Fonds verfolgt einen benchmarkfreien Ansatz und strebt Kapitalwachstum sowie Erträge über die Nutzung von Credit Default Swaps (CDS) an. Eine zweite Säule liegt im Zinsengagement in US-Dollar-lautenden staatlichen und quasi-staatlichen Schuldtiteln. Mit High-Yield-CDS kann der Fonds gezielt Kreditrisiko steuern: Verkauft er Ausfallschutz, erhält er regelmäßig Prämien und nimmt aktiv Kreditrisiko ins Portfolio auf – ohne das Zinsänderungsrisiko langer Anleihen tragen zu müssen. Kauft er Ausfallschutz, zahlt er zwar eine Prämie, profitiert aber von fallenden CDS-Spreads oder schützt sich gegen mögliche Ausfälle im Portfolio. Wie die Bezeichnung des Fonds „Extended Duration“ andeutet, ist der Fonds explizit mit längerer Laufzeit ausgelegt. Die durchschnittliche Duration liegt derzeit bei 4,56 Jahren – ein höheres Zinsänderungsrisiko, das jedoch mit einem höheren Renditepotenzial einhergeht. Die auf dem zweiten Rankingplatz liegende konservativere Variante des UBP-Fonds besitzt dagegen eine Duration von unter zwei Jahren. Gerade in den vergangenen Jahren konnte die Extended-Duration-Variante besonders von Spread-Verengungen und fallenden Renditen bzw. sinkenden Kapitalmarktzinsen profitieren. Einen ähnlichen Vorteil nutzt auch der Drittplatzierte UBS Lux Global High Yield Bond, der ebenfalls mit einer hohen Duration von 4,5 arbeitet.
Die Fonds agieren bei ihrer Risikobeimischung eher vorsichtig. Die meisten ordnen sich in der Risikoklasse 2 bis 3 ein. Das durchschnittliche Kreditrating der Investments liegt bei vielen Fonds dieser Kategorie bei BB-. Rund die Hälfte des verwalteten Vermögens wird in Anleihen der Anlageklasse BB investiert – also der höchstmöglichen Ratingkategorie bei High-Yield-Bonds. Weniger als 15 Prozent entfallen auf C-Ratingklassen und darunter. Das Oaktree Management bildet hier eine Ausnahme und investiert fast die Hälfte des Fondsvermögens in Anleihen der untersten B-Kategorie. Der durchschnittliche Kupon des Oaktree-Fonds liegt Ende Oktober bei 6,66 Prozent.
Eine nicht unbedeutende Rolle im Anlageuniversum des Oaktree Global Fund spielen Wandelanleihen, die aktuell rund sieben Prozent des Portfolios ausmachen. Das Management betont dabei, dass aufgrund der komplexen Natur dieser Instrumente – teils Eigenkapital, teils Fremdkapital – klassische Aktien- und Bondinvestoren sie mitunter übersehen. Dies schafft einen ineffizienten Markt und damit Bewertungen, bei denen Wandelanleihen Rendite bieten können, ohne vergleichbares Risiko eingehen zu müssen. Auch das Portfolio-Management von UBP hebt im Halbjahresbericht seines Fonds die Vorteile einer Allokation von Wandelanleihen hervor: Diese hatten aufgrund ihres Anleihecharakters während Stressphasen, z.B. im April weniger stark nachgegeben und bei der anschließenden Erholung überproportional profitiert, da ihr Aktienbezug die Aufwärtsbewegungen verstärkte. Diese Kombination aus begrenzten Verlusten und überproportionalen Gewinnen beschreibt die Konvexität bzw. das asymmetrische Chance-Risiko-Profil von Wandelanleihen. Bei Pictet wird hingegen selten in Wandelanleihen investiert – meist nur dann, wenn es sich um sogenannte „busted“ Wandelanleihen handelt. Das sind Anleihen, deren Aktienoption an Wert verloren hat und die entsprechend, wie normale Anleihen gehandelt werden. „Wenn diese einen Mehrwert bieten, investieren wir; ansonsten suchen wir selten nach Wandelanleihen aufgrund des Aktienpotenzials“, erklärt Kloc.
Für eine weitere Einengung der High-Yield-Spreads fehlt mittlerweile den meisten Experten die Fantasie. Der Pictet-Experte erwartet eine Ausweitung der Spreads in den nächsten zwölf Monaten – allerdings nicht in einem Ausmaß, das zu negativen Renditen führen würde, da die Gesamtrenditen weiterhin hoch seien. Der US-Vermögensverwalter State Street Global geht in einer Analyse von einer höheren Wahrscheinlichkeit von Spread-Ausweitungen in den nächsten zwölf bis 18 Monaten aus. AXA erwartet, dass der „Carry“ (Kupon) der Haupttreiber von Bond-Renditen sein wird – High Yield bleibe zwar interessant, aber nach der starken Performance 2025 müsse man auf die hohen Bewertungen achten. Auch Franklin Templeton sieht zwar die Spreads durch die Angebots- und Nachfragedynamik verankert, warnt jedoch vor möglichen Volatilitätsschüben.
Zusätzlich spielt die Geldpolitik eine wichtige Rolle für den Ausblick. Mehrere große Häuser erwarten eine Stabilisierung bzw. schrittweise Lockerung der Leitzinsen. So geht Allianz Global Investors in seinem Outlook 2026 davon aus, dass die US-Notenbank im Verlauf des Jahres 2026 mit Zinssenkungen beginnen dürfte, während das Inflationsrisiko erhöht bleibt. Auch die Europäische Zentralbank signalisiert laut ihrem Economic Bulletin, dass die Märkte eine Phase gradueller Zinssenkungen einpreisen. Damit könnten sich die Refinanzierungsbedingungen für Unternehmen weiter verbessern, auch wenn das Umfeld aufgrund möglicher Inflationsüberraschungen oder geldpolitischer Gegenreaktionen anfällig bleibt. Zusammenfassend bleibt also High Yield für 2026 primär ein „Carry-Trade“ mit moderaten Ausfallsraten – doch die Spreads sind so eng, dass sich das Chance-Risiko-Profil verändert: Wenig Upside-Chance durch weitere Kompression, aber bis auf Weiteres auch keine stark erhöhte Risikowahrscheinlichkeit in Bezug auf Wachstums- oder Kreditschocks.

