FONDS exklusiv: Herr Thelen, Anleger und Verbraucher kennen Sie als Start-up-Gründer und Technologie-Investor. Was war Ihre Intention, einen Anleihefonds zu finanzieren?
Frank Thelen: Jenseits meiner Venture Capital-Beteiligungen haben wir mit der von mir gegründeten Investmentgesellschaft TEQ Capital drei UCITS-Fonds aufgelegt. Die Aktienfonds investieren mit eigenem Research und unterschiedlichen Anlagestrategien global in aussichtsreiche Technologie-Unternehmen. Diese Strategien sollten langfristig die höchsten Renditen erwirtschaften, sind aber sehr volatil und benötigen einen Anlagehorizont von über fünf Jahren. Ändert sich wie zuletzt zum Beispiel das Zinsumfeld sehr progressiv, kommen kleine Technologiewerte unter Druck. Ändern sich jedoch Themen, Stimmungen oder der Zins, erliegen Aktienstrategien häufig kräftigen Abverkäufen. Deshalb habe ich für mein persönliches Geldmanagement ein zusätzliches Modul für mittelfristige Zeiträume gesucht, das ebenfalls eine nennenswerte Rendite liefert, dies aber jenseits der Börsen bei vergleichsweise geringerer Volatilität.
Wie fanden Sie beide zusammen?
F. T.: Der Name Helge Müller begegnete mir bei meinen Gesprächen und Recherchen zu Bonds immer wieder. Deshalb habe ich ihn angerufen und er war von meiner Idee begeistert. Vor allem aber zeigte sich, dass uns etwas verbindet: der Mut, High Conviction-Picks umzusetzen. Und genau das charakterisiert den Tell’s Arrow Opportunities Bond Fund: ein konzentriertes Portfolio aus 32 Titeln, die aus einer hohen Überzeugung mit klarer Meinung und basierend auf umfangreichem Research ausgewählt werden.
Helge Müller: Genau und das hat folgenden Hintergrund: Ursprünglich war ich mit der von mir gegründeten Vermögensverwaltung Genève Invest im Value-Investing mit Aktien à la Warren Buffett unterwegs. Das änderte sich in den 2000er-Jahren, weil Kunden mit Begeisterung feststellen, dass sie mit Anleihen ähnlich attraktive Renditen erzielen können wie mit Aktien, nur bei geringeren Kursrisiken. Das änderte sich mit der Nullzinsphase und führte dazu, dass wir uns auf das Management von Kreditrisiken spezialisierten.
Warum fokussierten Sie sich auf Wandelanleihen?
H. M.: Durch unseren Aktienhintergrund haben wir einen weiten Blick auf Themen und Märkte. In der Krise 2022 gab es themenübergreifend einen Absturz in diesem Segment. Wir fanden eine Vielzahl von Wandelanleihen, die auf Kreditbasis zweistellige Renditen bei vergleichsweise geringen Ausgangsrisiken ermöglichten. Gegenüber der Aktie hat die Anleihe den Vorteil, dass sie über einen Zins verfügt, der sich einordnen lässt. Ist die Verzinsung relativ hoch, recherchieren und bewerten wir die Gründe.
Kurz zum besseren Verständnis: Wie funktionieren Wandelanleihen?
H. M.: Zunächst einmal ist es eine Anleihe, die dem Käufer unter Berücksichtigung des Ausfallrisikos eine Garantie liefert: die vereinbarte jährliche Zinszahlung und die Rückzahlung des eingesetzten Kapitals zum Ende der Laufzeit von bei uns gewöhnlich fünf Jahren. Bei der Wandelanleihe erhält der Käufer noch eine zweite Wertkomponente, nämlich die Option, aber nicht die Pflicht, das investierte Kapital in Aktien desselben Emittenten zu tauschen. Kurzum, die Wandelanleihe ermöglicht genau das, was Privatanleger wollen: die Upside-Chance mitnehmen, aber das Downside-Risiko vermindern.
Diesen Mehrwert gibt es aber nicht zum Nulltarif.
H. M.: Das stimmt. Die ersten 20 Prozent der Aufwärtsbewegung nehmen wir nicht mit. Mehr als die Hälfte des Fondsvermögens steckt aber in aussichtsreichen Wandelanleihen mit erhöhtem Optionswert, was uns ein stärkeres Renditepotenzial eröffnet, mit dem zwar größere Risiken einhergehen, die wir aber bewusst steuern – und falls sich unser erwartetes Szenario nicht realisiert, besteht die Möglichkeit, dass wir zum Laufzeitende den Nennbetrag der Anleihe zurückerhalten, vorbehaltlich des Emittentenrisikos.
F. T.: Neben seiner jahrzehntelangen Erfahrung und Trackrecord bringt Helge die DNA mit, auf die es am Ende des Tages ankommt: analytisches Know-how und das Verständnis, warum ein Management eine Wandelanleihe herausgibt, ein globales Netzwerk und den Mut zur Entscheidung.
Warum mischen Sie Unternehmensanleihen aktuell zu rund 20 Prozent bei?
H. M.: Dadurch verbessert sich die Korrelation zum Aktienmarkt und es gibt Ideen, die wir nur so nutzen können. Ein aktuelles Beispiel: Alltub ist ein führender Hersteller von Aluminiumverpackungen wie Tuben und beliefert zum Beispiel Bepanthen. Das französische Unternehmen hat Anleihen mit einem Zinskupon in Höhe von neun Prozent herausgegeben. Der Grund für den attraktiven Zins liegt aus unserer Sicht darin, dass das Unternehmen als Erstemittent auftritt.
Wonach richtet sich das Mischverhältnis?
H. M.: Hier gibt es keine Vorgaben. Der Mix im Fondsvermögen richtet sich allein nach den Ideen. Denn der Tell’s Arrow ist kein reiner Wandelanleihefonds, sondern ein Best-Idea-Fonds, dem das gesamte Anleihe-Spektrum offen steht.
Bitte skizzieren Sie eine aktuelle Anlageidee.
H. M.: Gerne. Ich habe einen Produzenten von Bohrköpfen für Ölbohrungen getroffen. Zur Überraschung vieler vermeldete das Unternehmen einen Umsatzrückgang. Da ein solcher Einbruch bei Small Caps gewöhnlich stark zulasten des EBITDA-Gewinns geht sowie in der Folge Verschuldungsgrad und Insolvenzrisiko zunehmen, wurde der Markt nervös. Erst verkaufen, dann Fragen stellen, lautete der Tenor. Folglich fiel der Anleihekurs deutlich. Wir haben es anders gemacht und erst nachgefragt. So stellte sich heraus, dass der Umsatzeinbruch zustande kam, weil sich das Management von unrentablen Projekten getrennt hat und diese durch rentable ersetzen will. Die Unternehmensstory ist also eine komplett andere und ermöglicht uns eine Gesamtrendite von 17 Prozent.
Ende 2023 ging der Bond-Fonds an den Markt. Wie hat sich der Fonds seither entwickelt?
F. T.: Nach einer Seed-Finanzierung von mehreren Millionen Euro, an der ich als wesentlicher Investor beteiligt war, wurde der UCITS-Fonds durch Geneve Invest (Europe) S.A. aufgelegt. Die Ergebnisse sind für einen aktiv gemanagten Anleihefonds herausragend: 2024 lag die Performance bei 11,1 Prozent, im laufenden Jahr bei über 23 Prozent. Besonders wichtig ist mir, den Menschen eine Möglichkeit zu echter Diversifikation zu bieten. Denn viele ETFs wie zum Beispiel auf den S&P500 sind zwar hervorragend gelaufen, beinhalten aber mit Blick auf die Tech-Werte große Klumpenrisiken. Der Tell’s Arrow Opportunities Bond Fund hingegen korreliert nur schwach mit den Aktienmärkten.
Abschließend noch eine Frage: Hat der Fondsname etwas mit dem legendären Apfelschuss von Wilhelm Tell zu tun?
H. M.: Ja, denn unser Fonds besteht nicht aus 100 oder mehr Titeln, sondern aus einem konzentrierten Portfolio. Das bedeutet für uns: Wir schießen wenige Pfeile ab und wollen mit denen Wirkungstreffer erzielen. Allerdings schießen wir auch mal daneben, erleiden dann aber aufgrund der stabilisierenden Anleihekomponente meist keinen übermäßigen Rückschlag.

