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Ölmarkt im Umbruch

Januar 2026
Wie es mit dem Ölpreis nach dem Umsturz des Regierungschefs in Venezuela weitergehen könnte, erläutern die Experten des Steiermärkische Sparkasse Private Banking.
Steiermärkische Sparkasse Private Banking
Karl Freidl (li.), Christian Sajowitz (re.), Steiermärkische Sparkasse Private Banking

Trotz bärischer Aussichten für die Ölpreise im Jahr 2026 trieben die Unruhen in Venezuela die Notierungen kurzfristig in die Höhe. Es dürfte sich jedoch um eine kurzfristige Volatilität handeln, da sämtliche Analysen für das laufende Jahr 2026 von einem Überangebot ausgehen, erläutern die Experten des Steiermärkische Sparkasse Private Banking im jüngsten Marktkommentar.

Venezuela ist Gründungsmitglied der Organisation der Erdölexportländer (OPEC) und verfügt über die weltweit größten Ölreserven mit etwa 303 Milliarden Fass. Allerdings befindet sich der Ölsektor seit langem im Niedergang, was hauptsächlich auf zu geringe Investitionen und die Sanktionen der USA zurückzuführen ist.

MARKT IM ÜBERSCHUSS

Nach Jahren hoher Volatilität dürften sich die Ölpreise demnach nun auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau einpendeln. Analysten, Energieagenturen und Rohstoffhändler erwarten für das soeben begonnene Jahr keinen neuen Ölboom, sondern einen Markt, der von Überangebot, gedämpfter Nachfrage und geopolitischen Störfeuern geprägt ist.

Der wichtigste Treiber dieser Prognosen ist das Angebot. Die Förderung der Erdöl-produzierenden Länder, die sich vor 10 Jahren zur erweiterten OPEC, der so genannten OPEC+ zusammengeschlossen haben (Algerien, Äquatorialguinea, Gabun, Iran, Irak, Kongo, Kuwait, Libyen, Nigeria, Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate, Venezuela. Russland, Kasachstan, Oman, Aserbaidschan, Brunei, Malaysia, Mexiko, Bahrain, Südsudan, Sudan), bleibt trotz interner Spannungen hoch. Gleichzeitig bauen die USA ihre Rolle als weltweit größter Ölproduzent weiter aus. Dazu kommt, dass abhängig von den künftigen politischen Entwicklungen aus Venezuela oder Iran zusätzliche Mengen auf den Markt kommen könnten. In Summe rechnen viele Beobachter für 2026 mit einem strukturellen Überangebot.

Selbst moderate Förderkürzungen würden vermutlich kaum ausreichen, um den Markt nachhaltig zu verknappen. Das erklärt, warum die meisten Prognosen für Brent-Rohöl nur Preise zwischen rund 55 und 62 US-Dollar pro Fass sehen. Für die US-Sorte WTI liegen die Schätzungen meist noch etwas darunter.

SCHWACHE NACHFRAGE

Auf der Nachfrageseite fehlen die Impulse. Das globale Wirtschaftswachstum verläuft verhalten, insbesondere in China, das lange Zeit als Wachstumsmotor des Ölmarktes galt. Gleichzeitig zeigen Effizienzgewinne, Elektromobilität und der Ausbau erneuerbarer Energien zunehmend Wirkung. Der weltweite Ölverbrauch wächst zwar weiter – aber langsamer.

Für viele Ökonomen ist entscheidend, dass ohne einen kräftigen Nachfrageanstieg dem Ölpreis die Grundlage für einen dauerhaften Aufwärtstrend fehlt.

GEOPOLITIK BLEIBT UNSICHERHEITSFAKTOR

Ganz ohne Risiken ist der Ausblick dennoch nicht. Konflikte im Nahen Osten, neue Sanktionen gegen Russland oder politische Umbrüche in Förderländern können jederzeit zu kurzfristigen Preissprüngen führen. Längerfristig werden sich die Auswirkungen möglicher neuer Szenarien aber voraussichtlich in Grenzen halten. Geopolitische Ereignisse würden für Volatilität sorgen, aber keine Trendwende bedeuten, so die Experten. Solange das Angebot hoch bleibt, dürften Preisschocks rasch wieder abklingen.

Für Verbraucher in Europa könnte ein moderater Ölpreis 2026 stabilere Energie- und Kraftstoffkosten bedeuten – vorausgesetzt, Steuern und Abgaben steigen nicht weiter. Für Förderländer hingegen wird der finanzielle Spielraum enger. Staaten mit hohen Haushaltsabhängigkeiten vom Ölpreis stehen vor der Herausforderung, ihre Ausgaben an niedrigere Einnahmen anzupassen.