Startseite » Private Banking » Passiv oder aktiv?

Passiv oder aktiv?

April 2026
Wie Exchance Traded Funds den globalen Fondsmarkt verändern, haben sich die Experten des Steiermärkische Sparkasse Private Banking, näher angesehen.
Steiermärkische Sparkasse Private Banking
Karl Freidl (li.), Christian Sajowitz (re.), Steiermärkische Sparkasse Private Banking

Exchange Traded Funds (ETFs), also an Börsenindices orientierte Investmentfonds, haben den globalen Fondsmarkt revolutioniert. Immer wieder stellen sich Anleger:innen die Frage, ob sie einen ETF oder einen – oftmals gebührenseitig teureren – aktiv gemanagten Fonds kaufen sollen. Es gibt gute Gründe, warum aktive Fonds in bestimmten Situationen die bessere Wahl sind, schreiben die Experten des Steiermärkische Sparkasse Private Banking im jüngsten Marktkommentar.

ETFs bilden jeweils einen Börsenindex nach, etwa den MSCI World oder den S&P 500. So investieren Anleger mit einem einzigen Produkt in Hunderte oder sogar Tausende Unternehmen aus verschiedenen Regionen und Branchen und versuchen damit, das Risiko einzelner Fehlentwicklungen zu reduzieren. ETFs werden wie Aktien an der Börse gehandelt. Steigt der Markt, steigt auch der ETF. Fällt er, geht es entsprechend nach unten. ETFs sind damit keine Wette auf einzelne Unternehmen, sondern auf die Entwicklung ganzer Märkte. Ein wesentlicher Grund für die Popularität von ETFs sind ihre geringen Kosten.

Seit im Jahr 1993 in den USA der erste ETF aufgelegt wurde, wächst die ETF-Industrie rasant – zuletzt auf mehr als 15.000 (Schätzung 2025) weltweit. Dem stehen aber immer noch rund dreimal so viele aktiv gemanagte Investmentfonds gegenüber. Die Anzahl von ETFs steigt weiter, da immer mehr Assetklassen, Länder, Strategien und Themen als ETFs angeboten werden. Mittlerweile gibt es auch ca. 4000 so genannte aktiv gemanagte ETFs, was eine Mischung aus zwei Konzepten bedeutet: Dieses Produkt ist an der Börse handelbar wie ein ETF, wird aber nicht starr nach einem Index aufgebaut, sondern ein Manager trifft die Anlageentscheidungen aktiv.

FLEXIBLE CHANCEN

Ein zentraler Pluspunkt für aktives Fondsmanagement ist die Flexibilität. Ein aktiver Fondsmanager kann gezielt auf Marktveränderungen reagieren. Wenn sich die wirtschaftliche Lage dreht oder einzelne Branchen unter Druck geraten, kann er Positionen anpassen oder Risiken reduzieren. Ein ETF dagegen bildet einfach einen Index nach, egal ob die enthaltenen Unternehmen gerade gut laufen oder nicht.

Aktive Fonds haben somit unter bestimmten Voraussetzungen Vorteile, insbesondere wenn in schwierigen Marktphasen Risikomanagement gefragt ist. Das Know-how erfahrener Fondsmanager entscheidet darüber, ob sie etwa bei starken Kursrückgängen defensiv agieren, mehr Liquidität halten oder in stabilere Werte umschichten sollen. Hinzu kommt, dass aktive Fonds gezielt Chancen nutzen können, die in Indizes oft unterrepräsentiert sind. Das betrifft zum Beispiel kleinere Unternehmen, spezielle Branchen oder bestimmte Regionen. Ein aktiver Manager kann solche Nischen erkennen und gezielt investieren.

AUF QUALITÄT ACHTEN

Schließlich spielt auch die Qualität der Auswahl eine Rolle. In einem ETF sind sowohl starke als auch schwache Unternehmen enthalten. Aktive Fonds können versuchen, gezielt die besseren Unternehmen herauszufiltern und problematische zu vermeiden. Auch in Zeiten großer Umbrüche, etwa bei Zinsen oder neuen Technologien kann das aktive Fondsmanagement besser abschneiden als passive Indexfonds, mit denen Anleger den Schwankungen des Marktes vollständig ausgesetzt sind.

Der Investmentprofi, der einen Fonds aktiv managt, wird stets bestrebt sein, den Markt zu schlagen. Während ETFs immer nur die durchschnittliche Marktrendite liefern, versuchen aktive Fonds, besser abzuschneiden. Das gelingt nicht allen, aber es gibt Fonds und Manager, die über Jahre hinweg konstant überdurchschnittliche Ergebnisse erzielen.

Der Siegeszug der ETFs hat auch noch andere Schattenseiten. Im Laufe der Jahre ist es bei ETFs aufgrund ihrer starren Konstruktion zu einer extremen Übergewichtung von US-Aktien gekommen. Insbesondere US-Technologie-Aktien beeinflussen innerhalb dieses Segments aufgrund ihrer starken Performance maßgeblich die Kursentwicklungen. Man könnte dies als eine Art „Klumpenrisiko“ bezeichnen. Viele große Investoren – wie z.B. der Norwegische Staatsfonds – ziehen aus dieser Entwicklung bereits die Konsequenzen und wählen andere Gewichtungsmethoden.

NEUE REGELN FÜR SPACEX

Auch die jüngsten Vorgänge rund um den geplanten Börsengang des Satelliten- und Internetanbieters SpaceX von Elon Musk im laufenden Jahr sorgt für Kritik am ETF-Markt. Für SpaceX sollen dem Vernehmen nach für die Aufnahme in den US-Technologieindex

Nasdaq-100 neue Regeln gelten. Normalerweise müssen Unternehmen mindestens drei Monate an der Börse „reifen“, bevor sie in einen prestigeträchtigen Index wie den Nasdaq-100 aufgenommen werden. Diese Phase dient einer marktgerechten Bewertung. Für SpaceX wird das Regelwerk offenbar neu geschrieben: Die Nasdaq plant jetzt die Einführung einer „Fast Entry“-Regelung für neue „Schwergewichte“ wie SpaceX von nur 15 Handelstagen. Bisherige Standardanforderungen an Handelsvolumen und Markthistorie werden damit ausgesetzt, sagen Insider. Zusätzlich sollen Unternehmen mit einem geringen Streubesitz im Index aufgewertet werden. Wenn nur 5% der Aktien handelbar sind, wird deren Gewichtung im Index künstlich mit dem Faktor 5 multipliziert. Passive Anleger werden also gezwungen, Milliarden in eine Aktie zu investieren, die kaum frei gehandelt wird.

Fazit: Es gibt keine einfache Antwort darauf, ob ein ETF oder ein aktiver Fonds die bessere Wahl ist. Wichtig ist, sich nicht von einfachen Konstrukten blenden zu lassen und das eigene Portfolio auf Resilienz zu prüfen. Ein genauer Blick auf die Risiken und das Umfeld – auch und vor allem in Zukunft – ist bei jedem Investment notwendig. Dasselbe gilt auch für aktive Fonds. Entscheidend ist, den richtigen Fonds und einen guten Manager zu finden.