„Das umlagefinanzierte Pensionssystem überzeugt die Österreicher aktuell nicht. Vor allem bei Frauen und jungen Menschen ist der Anteil derer sehr hoch, die nicht davon ausgehen, von ihren späteren staatlichen Leistungen gut leben zu können. Dies führt zu einer breiten Akzeptanz für ergänzende kapitalgedeckte Maßnahmen“, fasst Stephan Duttenhöfer, Geschäftsführer des Marktforschungsinstituts Spectra die wichtigsten Ergebnisse der jüngsten Pensions-Studie im Auftrag der Valida Vorsorge Management zusammen. Dazu wurden rund 1.900 Menschen in Österreich im Alter von 18 bis 60 Jahren befragt.
Auf die Frage, ob man sich vorstellen könne, von der späteren staatlichen Pension gut leben zu können, antworten 58 Prozent mit „Nein“. Drei von zehn Befragten können keine Angabe machen und nur 17 Prozent bejahen die Frage. Unter den Frauen äußern sich sogar nur zwölf Prozent und bei den unter 30-Jährigen nur 13 Prozent zuversichtlich. Die spätere Pensionslücke (Anm.: Differenz zwischen dem letzten Gehalt und der ersten Pension) wird auf 1.243 Euro geschätzt – ein deutlicher Anstieg im Vergleich zur letzten Spectra-Umfrage im Jahr 2022 (damals 824 Euro).
Doch wie bereit sind Frau und Herr Österreicher für Pensionsreformen und welche Maßnahmen finden eine breite Zustimmung? Mit 69 Prozent begrüßt eine klare Mehrheit das Vorhaben der Bundesregierung, durch Einführung der Teilpension das Arbeiten im Alter zu fördern. Weiters sind 61 Prozent für die Anhebung des Antrittsalters bei der Korridorpension. Das Konzept namens Pensionssplitting, das jenem Elternteil mit längeren Kinderbetreuungszeiten zugutekommt, findet bei 47 Prozent Zustimmung. Immerhin 38 Prozent sprechen sich für eine einmalige oder schrittweise Anhebung des Pensionsantrittsalters aus. Gut 59 Prozent fordern, dass der Staat durch Investitionen in Wertpapiere zusätzliche Mittel für Pensionszahlungen erwirtschaftet.
STÄRKUNG DER ZWEITEN SÄULE
Die zweite Säule, also die betriebliche Vorsorge, sollte deutlich stärker ausgebaut werden – so es nach den Wünschen der Befragten geht. Aktuell fließen rund 90 Prozent der Pensionen aus der ersten – also der staatlichen – Säule. Die betriebliche Vorsorge spielt mit vier Prozent nur eine untergeordnete Rolle. Laut den Vorstellungen von Frau und Herr Österreicher wäre dies anders. Im Durchschnitt wünschen sich die Befragten, dass der Anteil der zweiten Säule auf 26 Prozent steigt. Knapp sieben von zehn Befragten (69%) fordern, dass betriebliche Vorsorgelösungen verpflichtend für jeden Arbeitnehmer eingeführt werden. Für die Steuerbefreiung von Eigenbeiträgen zur Pensionskasse spricht sich mit 80 Prozent eine sehr breite Mehrheit aus.
Insgesamt 44 Prozent der Befragten wären sogar bereit, einen Teil ihres Gehalts für Pensionskassenbeiträge umzuwidmen. Und 80 Prozent stimmen der Forderung zu, dass die Abfertigung Neu im Regelfall als spätere Zusatzpension verwendet werden soll und eine vorzeitige Auszahlung nur in finanziellen Notsituationen möglich sein darf. Martin Sardelic, Vorstandsvorsitzender der Valida Vorsorge Management, erläutert: „Die Umfrageergebnisse zeigen deutlich, wie sehr sich eine klare Mehrheit die Stärkung der betrieblichen Altersvorsorge wünscht. Besonders freut uns, dass sieben von zehn Pensionskassenkunden mit ihrer betrieblichen Vorsorgelösung sehr zufrieden oder zufrieden sind.“
„LEBENSPHASENMODELL FÜR ALLE“
Schließlich erläuterte Philipp Mayer, Vorstandsmitglied der Valida Vorsorge Management, welche Reformen das österreichische Pensionskassensystem stärken könnten, um künftigen Anforderungen zu entsprechen. Im Idealfall sollten betriebliche Vorsorgelösungen in sämtlichen Kollektivverträgen berücksichtigt werden, um allen heute Erwerbstätigen eine Zusatzpension aus der zweiten Säule zu ermöglichen. Damit auch jeder für sich selbst zur Erhöhung seiner Zusatzpension beitragen kann, wäre ein gesetzlicher Anspruch auf die Umwidmung von Gehaltsteilen als Beitrag in eine Pensionskasse erforderlich.
Des weiteren präsentierte Mayer ein Konzept zur Modernisierung des Pensionskassensystems, das mit keinem finanziellen Mehraufwand verbunden ist: „Wir möchten allen Pensionskassen-Kunden ein Lebensphasenmodell anbieten, bei dem die Veranlagungsstrategie immer an das Alter angepasst wird. Für junge Menschen empfiehlt sich aufgrund der langfristig höheren Ertragschancen eine dynamische Veranlagung. Pensionisten hingegen hilft eine konservative Veranlagung, um Schwankungen bei der Auszahlungshöhe zu minimieren.“
Im Normalfall veranlagen Pensionskassen die Assets für nahezu sämtliche Arbeitnehmer:innen und Pensionisten eines Vertragskunden nach denselben Kriterien. Mayer: „Unser Konzept eines ‚Lebensphasenmodells für alle‘ wäre mit keinem finanziellen Mehraufwand verbunden. Es würde jedoch die Möglichkeit eröffnen, bei Veranlagungsentscheidungen besser auf die Situation der Begünstigten einzugehen und das vorhandene Kapital ertragreicher zu investieren“.

