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Das stille Risiko zuhause

Printausgabe | August 2026
Smart Home, Akkus und vernetzte Technik sorgen im Alltag für eine steigende Zahl potenzieller Brandquellen. Gleichzeitig nimmt dadurch die Schadenshöhe pro Ereignis weiter zu. Mit einem Bündelprodukt können sich Konsumenten umfassend gegen dieses existenzielle Risiko absichern. Wichtig dabei ist die Neuwertentschädigung und generell die Prävention.
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Zwar rückten Österreichs Feuerwehren zuletzt etwas seltener zu Brandeinsätzen aus – Entwarnung geben Experten dennoch nicht. Einige Entwicklungen im Alltag bereiten insbesondere der Versicherungswirtschaft Sorgen. So werden rund 15 Prozent der Brände im Haushalt durch elektrische Energie verursacht, machten vor kurzem der Verband der Versicherungsunternehmen Österreichs (VVO) und das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) aufmerksam. „Das stille Risiko Elektrobrände kann ohne wahrnehmbare Vorzeichen entstehen“, wird gewarnt. Dabei könnten viele Vorfälle durch einfache Sicherheitsmaßnahmen verhindert werden. Dass Elektrobrände zunehmend Aufmerksamkeit erhalten, hat nicht nur Sicherheitsgründe, sondern auch wirtschaftliche.

„Brand ist aus versicherungstechnischer Sicht eine der gefährlichsten und kostspieligsten Gefahren überhaupt“, sagt Jörg Hipp, Chief Product Officer bei der Allianz Österreich. Ein Feuer kann binnen weniger Minuten einen Totalschaden verursachen – und nebenbei gesagt auch Leben kosten. „Zwar können viele Entstehungsbrände durch rasches Eingreifen der Betroffenen rechtzeitig gelöscht oder eingedämmt werden, dennoch verursachen Brände in Österreich jedes Jahr erhebliche Sachschäden“, bestätigt Sven Rabe, Vorstandsvorsitzender der VAV Versicherungs-Aktiengesellschaft. 

2024 verursachten Brände in Österreichs privaten Wohngebäuden Schäden von rund 174 Millionen Euro. Trotz dieser Größenordnung stehen sie im öffentlichen Diskurs oft im Schatten der milliardenschweren Naturkatastrophenschäden. Parallel zur zunehmenden Zahl elektrischer und vernetzter Geräte in privaten Haushalten wächst auch die Zahl potenzieller Fehlerquellen. „Was wir beobachten ist, dass die Anzahl der gemeldeten Brandschäden zwar tendenziell stabil, die Schadenshöhe pro Ereignis aber gestiegen ist“, betont auch Hipp. Dies liege u.a. daran, dass Haushalte heute zudem mehr hochwertige Geräte besitzen, die im Brandfall teuer zu ersetzen sind. Hinzu kommt, dass gestiegene Handwerker- und Baukosten die Wiederherstellung nach einem Brand erheblich verteuern. 

„Die klassischen Ursachen, die uns gemeldet werden, sind Kochunfälle mit überhitztem Fett oder offener Flamme, defekte Elektrogeräte und Fahrlässigkeit wie unbeaufsichtigte Kerzen oder Heizgeräte“, so Hipp. In den Wintermonaten steigert die Verwendung von Heizgeräten die Gefahr zusätzlich, so die Experten. „Selbst wenn der eigentliche Brand begrenzt bleibt, entstehen die größten Schäden häufig durch Löschwasser sowie durch Verrußung und Feinstaub“, erläutert Rainer Rametsteiner, gewerberechtlicher Geschäftsführer beim niederösterreichischen Versicherungsmakler Birngruber. Viele Gegenstände, insbesondere aus Stoff, auch Polstermöbel, müssen entsorgt werden, da sie giftige Partikel oder Dämpfe beherbergen. Oftmals haben sich die Partikel auch unwiderruflich in sämtlichen Elektrogeräten festgesetzt. 

Das klingt alles sehr unschön – und meist sind derartige Gefahren in der Eigenheim- oder Haushaltsversicherung automatisch inkludiert. Dennoch lohnt es sich, einen genaueren Blick darauf zu werfen. Denn es gibt unterschiedliche Zugänge und auch Besonderheiten, die es zu beachten gilt, um optimal abgesichert zu sein. 

Absicherung im bündelprodukt

Grundsätzlich: eine reine Brand- bzw. Feuerversicherung gibt es in Österreich noch als eigenständiges Produkt („stand alone“). Diese wird im Privatbereich aber nur sehr selten abgeschlossen. Historisch war die Feuerversicherung sogar die „Urform“ vieler Gebäudeversicherungen und ein bäuerliches Leben ohne sie früher undenkbar. Eine klassische Feuerversicherung deckt neben dem eigentlichen Brand meist auch Blitzschlag, Explosion, Überspannung sowie bestimmte Folgeschäden wie Aufräum- oder Abbruchkosten ab, heißt es bei der Grazer Wechselseitigen. 

Üblicherweise ist die Deckung von Brandereignissen heute in den Bündelprodukten Eigenheimversicherung – sie schützt das Gebäude gegen Feuer und oft zusätzlich Sturm, Leitungswasser usw. – und der Haushaltsversicherung enthalten. Letztere schützt den beweglichen Wohnungsinhalt, angefangen bei Möbeln über Kleidung bis hin zu Elektrogeräten. Aus versicherungstechnischer Sicht umfasst der Bereich „insbesondere Brand, direkter und indirekter Blitzschlag, Explosion, Verpuffung sowie Rauch-, Ruß-, Seng-, Schmor- und Überspannungsschäden“, differenziert Rabe. In der VAV Eigenheim- und Haushaltsversicherung seien diese Gefahren mitversichert.

„Das Wichtigste ist die Bewertung der Sachwerte“, erläutert Versicherungsmakler Thomas Stangl aus Wiener Neustadt. Die Inhalte werden im Regelfall auf Basis der Wohnfläche anhand von Durchschnittswerten bewertet. Bei der Absicherung von Gebäuden geht es nach verbauter Fläche. „Wichtig ist auch, die Nebengebäude einzubeziehen“, so der Fachmann. Bei Besonderheiten wie Antiquitäten, teuren Gemälden und weiteren besonderen Wertgegenständen – dazu gehören unter anderem auch hohe Bargeldbestände – braucht es eigene Gutachten sowie Dokumentationen und Eigentumsnachweise. Stangl: „Wichtig ist auch die Einhaltung baurechtlicher Vorschriften, etwa besondere Brandschutztüren zwischen Garage und Kellereingang. Bei Nichteinhaltung von Vorschriften oder vertragsrelevanten Vereinbarungen kann es zu Abwertungen in der Auszahlung kommen.“

Mit der zunehmenden Elektrifizierung des Alltags verändert sich auch das Risikoprofil im Haushalt: Geräte werden zahlreicher, mobiler und lassen sich immer häufiger mit Akkus betreiben. Das führt zu Problemen, angefangen beim technischen Defekt und Kurzschluss über Überhitzung und Überspannung nach Blitzschlag sowie defekte Netzteile, Ladegeräte oder Akkus bis hin zu Schmor- und Brandereignissen, die oft während des Ladeprozesses von Lithium-Ionen-Akkus entstehen.

Elektrobrände können ohne wahrnehmbare Vorzeichen entstehen. Leitungen, Steckdosen oder Geräte funktionieren oft über lange Zeit einwandfrei. Doch durch Verschmutzung, Alterung, schlechte oder ausgeleierte Kontakte oder Überlastung kann es plötzlich zu Lichtbögen und Schwelbränden kommen. Oft werden solche Brände erst erkannt, wenn es schon zu spät und die Brandentwicklung bereits weit fortgeschritten ist. Denn sie entwickeln sich „still“ hinter Verkleidungen oder Möbeln und ein wirksames Eingreifen ist dann nur mehr eingeschränkt möglich. „Auch hier können sich neben dem eigentlichen Geräteschaden Folgeschäden an Einrichtung oder am Gebäude durch Feuer, Rauch und Ruß ergeben“, so Robert Kühberger, Abteilungsleiter Produktmanagement im Privatgeschäft bei der VAV.

Bei den akkubetriebenen Geräten sind Billig-Importprodukte ohne ausreichende Sicherheitszertifizierung sowie minderwertige oder beschädigte Lithium-Ionen-Akkus besonders problematisch. Letztere können sich selbst entzünden – manchmal sogar ohne äußere Einwirkung. Solche Brände breiten sich rasend schnell aus und sind besonders schwer zu löschen. „Manchmal kann man ihnen nur mit Sand zu Leibe rücken“, erklärt Rametsteiner. Entsteht ein solcher Brand in geschlossenen Bereichen wie Tiefgaragen, können Brandbekämpfung und Schadensausmaß besonders umfangreich werden. „Die Technik selbst ist aber selten das Hauptproblem, entscheidend ist vielmehr der sorgfältige Umgang“, weiß Kühberger. 

Nicht nur mobile Geräte verändern die Risikolandschaft. Auch die Energiewende bringt mit Solaranlagen neue technische Systeme in die Haushalte. Rametsteiner: „Es stellt sich hier oft die Frage, wer installiert hat und wie fachmännisch installiert wurde, wo Material und Komponenten her sind, ob es namhafte Hersteller sind etc. An der Frage der fachmännischen Montage können die Meinungen schon mal auseinandergehen.“ Stromleitungen, die von PV-Anlagen ins Haus hineinführen, müssen von einem Metallrohr ummantelt sein, denn Kunststoff kann zu heiß laufen. „Akkubrand ist auch hier ein Thema.“ Und er sieht seitens der Versicherer den Trend, dass diese genauer nachfragen, ob und welche Geräte bzw. Anlagen vorhanden sind.

Unterschiede bei Polizzen

In welchen Aspekten können sich Tarife konkret unterscheiden? Manche Polizzen sind auf eine fixe Deckungssumme begrenzt, andere wiederum bieten eine Neuwertentschädigung, bei der ein beschädigtes Gerät zum heutigen Wiederbeschaffungspreis statt zum Zeitwert ersetzt wird, heißt es bei der Allianz. Auch der Selbstbehalt variiert je nach Tarif. Ein weiterer wichtiger Unterschied: Die grobe Fahrlässigkeit. In manchen Polizzen führt sie zu einem Leistungsausschluss oder einer Leistungskürzung. Fallweise gibt es interessante Varianten, etwa bei der VAV: Beim Tarif „Top exklusiv“ kann eine Best-Leistungs-Garantie vereinbart werden – im konkreten Schadenfall berücksichtigt die VAV einen leistungsstärkeren Tarif eines anderen in Österreich zugelassenen Versicherers, sofern dieser für den betreffenden Schaden eine bessere Deckung vorsieht.

Wesentlich ist auch die Prüfung, ob die Deckungssumme noch zeitgemäß ist. Denn bei Neuanschaffungen droht bald mal eine Unterversicherung. Der Versicherungsschutz sollte mindestens alle zwei bis drei Jahre überprüft werden, drängen die Makler Rametsteiner und Stangl. „Außerdem sollte man darauf achten, dass die Polizze eine Neuwertentschädigung beinhaltet“, betont Hipp. 

So wichtig die Wahl einer passenden Polizze ist – den besten Brandschutz, die beste Prävention ersetzt sie nicht. Regelmäßige Wartung, Warnsysteme und ein bewusster Umgang mit Strom bleiben die wirksamsten Maßnahmen. Die Experten empfehlen die Montage und Installation vernetzter Rauchmelder, automatischer Herdabschalter oder das Einrichten von Smart-Home-Systemen, die im Brandfall sofort Alarm schlagen. Akkus sollte man nicht unbeaufsichtigt laden lassen – nach Möglichkeit auch nicht nachts. 

Wer besonders ängstlich ist, kann über den Standard hinausgehende Abdeckungen in Anspruch nehmen: „Eine wichtige Option ist die Mitversicherung grober Fahrlässigkeit, die in vielen Tarifen zusätzlich auswählbar ist und dafür sorgt, dass auch bei einem Missgeschick – zum Beispiel einem vergessenen, eingeschalteten Herd – die Versicherung die Kosten übernimmt“, erklärt Allianz-CPO Hipp. Darüber hinaus lassen sich höhere Deckungssummen wählen oder eine sogenannte Allgefahrenversicherung abschließen, sodass auch Schäden abgedeckt sind, die in einer Standardpolizze ausgeschlossen wären. Wie immer gilt: Wer auf der Nummer sicher gehen möchte, klärt am besten alle Fragen im direkten Gespräch mit einem Versicherungsprofi und lässt eine individuelle Risikoanalyse durchführen. 

Zu guter Letzt: Versicherungsnehmer treffen bestimmte Pflichten, damit ein Brandschaden von der Versicherung anerkannt wird. Die vereinbarten Sicherheitsvorschriften müssen eingehalten werden. Und im Fall des Falles muss der Schaden der Versicherung unverzüglich gemeldet werden – was zumeist rund um die Uhr möglich ist – sowie eine Anzeige bei der Polizei gemacht werden. „Gleichzeitig besteht eine sogenannte Schadenminderungspflicht“, so Hipp. Das bedeutet: Versicherungsnehmer sollten alles Zumutbare tun, um den Schaden so gering wie möglich zu halten. Dazu gehört insbesondere, die Feuerwehr zu rufen und eine weitere Ausbreitung des Feuers zu verhindern. Und noch ein Rat: Beschädigte Gegenstände sollten nicht vorschnell entsorgt werden, weil die Versicherungsexperten sie für die Schadenaufnahme benötigen.