Startseite » Investmentfonds » Anlagestrategie » Die Zukunft der urbanen Landwirtschaft

Die Zukunft der urbanen Landwirtschaft

Januar 2023
Weshalb „Vertical Farming“ eine innovative Lösung zur globalen Nahrungsmittelproduktion liefern kann, erklärt Heinz-Werner Rapp, Gründer und Leiter des FERI Cognitive Finance Institute.
FERI
Heinz-Werner Rapp, FERI

Der Ukraine-Krieg hat schlaglichtartig eine Schwachstelle des globalen Ernährungssystems offengelegt: Die hohe Abhängigkeit von großen landwirtschaftlichen Produktions- und Exportländern sowie deren laufender Lieferfähigkeit. „Um eine wachsende Weltbevölkerung bei verschärften Klimabedingungen und geopolitischen Unwägbarkeiten auch in Zukunft ernähren zu können, muss verstärkt in Technologien investiert werden, die eine ressourcenschonende Nahrungsmittelproduktion ermöglichen. Neuartige Ansätze wie Vertical Farming werden dabei künftig eine wichtige Rolle spielen“, sagt Heinz-Werner Rapp, Gründer und Leiter des FERI Cognitive Finance Institute, anlässlich einer neuen Analyse zum Thema Vertical Farming.

INNOVATIVE VERFAHREN

Vertical Farming sei eine spezielle Form der urbanen Landwirtschaft, die in Innenräumen unter kontrollierten Umweltbedingungen ganzjährig eine hochgradig automatisierte Produktion essentieller Nahrungsmittel ermögliche. In Vertical Farming-Systemen seien neben Nutz- und Nahrungspflanzen auch Pilze oder tierische Proteinquellen wie etwa Shrimps integrierbar. Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz und Robotik könne die Aufzucht optimiert werden, wobei Licht, Wasser und andere Ressourcen laufend bedarfsgenau zugeführt würden. Vertical Farming biete eine Vielzahl ökologischer Vorteile und ermögliche zudem eine ressourcenschonende Nahrungsmittelproduktion nahe am Endverbraucher. Besonders attraktiv sei Vertical Farming für Gebiete mit schnellem Bevölkerungswachstum, geringen Anbauflächen, hoher Kaufkraft und starker Urbanisierung, wie derzeit etwa Singapur.

KONTROLLIERTE NAHRUNGSMITTELPRODUKTION

Entscheidend für die Zukunft Vertical Farm-basierter Nahrungsproduktion sei die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der Produktionskosten im Vergleich zur traditionellen Landwirtschaft. Steigende Energie- und Transportkosten, wachsende Klimarisiken sowie zunehmende Knappheit guter Agrarflächen seien Faktoren, die Vertical Farming-Konzepte zunehmend attraktiv machten. Vollautomatisch gesteuerte Indoor-Farmen könnten den klassischen Ackerbau zwar nicht ersetzen, aber eine sinnvolle und zukunftsträchtige Ergänzung darstellen. Prognosen zufolge werde sich die Vertical Farming-Industrie in den kommenden Jahren sehr dynamisch entwickeln: Zu erwarten sei eine Verfünffachung des Marktvolumens von 4,16 Milliarden US-Dollar im Jahr 2022 auf 20,91 Milliarden US-Dollar im Jahr 2029.

„Für Vertical Farms wird künftig der Aufbau kritischer Betriebsgrößen entscheidend. Ausgehend von kleinen Unternehmen und Startups sind deshalb verstärkt Konsolidierungen am Markt zu erwarten“, sagt Julia Bahlmann, Autorin der Analyse. „Diese spezielle Dynamik und das enorme Zukunftspotential – auch im Rahmen des übergeordneten Megatrends „Alternative Food“ – eröffnen künftig speziell im Bereich Private Markets attraktive Anlagechancen für strategische Investoren“, erklärt FERI-Vorstand Rapp.