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Eskaliert der Zollstreit nun völlig?

Februar 2026
Nachdem der Oberste Gerichtshof in den USA die Zölle des Präsidenten Donald Trump für ungültig erklärt hatte, droht der nächste handelspolitische Konflikt. Eduard Baitinger, FERI AG, liefert eine Einschätzung.
FERI AG
Eduard Baitinger, FERI AG

Die vergangene Woche endete mit einem Paukenschlag: Der Oberste Gerichtshof der USA, der Supreme Court, hat entschieden, dass US-Präsident Donald Trump keine Zölle auf Basis des International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) erheben darf. Die Kompetenz zur Erhebung von Zöllen ist Teil der Steuerhoheit des Kongresses; die Exekutive kann sie nur auf Grundlage einer ausdrücklichen gesetzlichen Delegation ausüben. Wichtig ist: Das Urteil ist statutenspezifisch, nicht generell handelspolitisch, konstatiert Eduard Baitinger, Leiter Asset Allocation der FERI AG, in seinem aktuellen Kommentar. Darin liefert er eine nähere Analyse:

Andere Instrumente wie Anti-Dumping-Maßnahmen bleiben unangetastet. Allerdings sind diese verfahrensgebunden und setzen mehrmonatige Prüfprozesse voraus – eine kurzfristige Substitution auf diesem Wege ist damit ausgeschlossen.

Gleichwohl reagierte die Trump-Administration umgehend: Noch am Tag der Urteilsverkündung kündigte der US-Präsident einen globalen Zoll von 10 Prozent auf Basis von Section 122 des „Trade Act“ von 1974 an, den er bereits am Folgetag auf das gesetzliche Maximum von 15 Prozent anhob. Allerdings sind Zölle nach Section 122 auf 150 Tage befristet und setzen eine Zahlungsbilanzkrise voraus. Eine Verlängerung würde die Zustimmung des Kongresses erfordern. Diese scheint jedoch ausgeschlossen – zum einen, weil keine Zahlungsbilanzkrise vorliegt, zum anderen, weil es keine belastbare überparteiliche Mehrheit für ein breit angelegtes Zollregime gibt. Strategisch bedeutsamer als die tatsächlichen Konsequenzen ist die strukturelle Verschiebung: Trump verliert das Instrument eines sofortigen, universell skalierbaren Zollhebels auf Notstandsbasis. Zölle müssen künftig wieder grundsätzlich sektor- oder länderspezifisch, verfahrensgebunden und mit zeitlichem Vorlauf implementiert werden.

Am Kapitalmarkt sorgt das Urteil gegen die pauschalen reziproken Zölle kurzfristig für erhöhte Unsicherheit, da bestehende Zollvereinbarungen neu verhandelt werden müssen und der Umfang sowie der zeitliche Horizont möglicher Zollrückerstattungen offen sind. Mittel- und langfristig ist die Entscheidung jedoch ein positives Signal für die institutionelle Verlässlichkeit und Regelgebundenheit der US-Handelspolitik: Die Möglichkeit, weit gefasste Notstandsbefugnisse zu nutzen, wird klar beschränkt. Außerdem bestätigt das Urteil die Funktionsfähigkeit der Checks and Balances und begrenzt den Handlungsspielraum der Exekutive wieder stärker auf die gesetzlich vorgesehenen Instrumente. Damit gewinnt der handelspolitische Rahmen aus Marktsicht an Berechenbarkeit und Verlässlichkeit.

TECHNOLOGIE SCHWÄCHELT

Insgesamt befinden sich die Aktienmärkte weiterhin in einem robusten Aufwärtstrend. Die soliden Fundamentaldaten sorgen für ein grundsätzlich konstruktives Investmentumfeld. Die globale Geldpolitik ist in Summe neutral ausgerichtet. Zuletzt haben positive Inflationsdaten in den USA und Europa sogar die Wahrscheinlichkeit weiterer Lockerungsschritte erhöht. Gleichzeitig sind die Makrodaten stabil – sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Deutschland mehren sich erste Anzeichen einer industriellen Belebung. Während die US-Industrie insbesondere von KI-Investitionen getragen wird, sorgen in Deutschland vor allem steigende Rüstungsaufträge für eine Verbesserung. Auch bei den Unternehmensgewinnen bleibt der Trend klar positiv.

Unter der Oberfläche zeigen die Märkte jedoch deutliche Unterschiede in der Performance der unterschiedlichen Sektoren. Die Marktstruktur ist so zerrissen wie nur selten in den vergangenen Jahren. Auf der Verliererseite steht insbesondere der Technologiesektor mit einer klaren relativen Schwäche. Die hohen KI-Investitionen belasten den freien Cashflow und führen zu spürbar abnehmenden Aktienrückkäufen. Aus Anlegersicht werden damit sichere Erträge zunehmend durch KI-Investitionen mit unsicherer Profitabilität ersetzt – die Nervosität ist entsprechend nachvollziehbar. Zusätzlich belasten ausgeprägte Disruptionssorgen den Sektor. Software-Aktien stehen unter Druck, da der Markt das Risiko einpreist, dass generative KI die Wertschöpfungstiefe klassischer Softwareanbieter reduziert und damit deren langfristige Ertragskraft infrage stellt. Wie so oft liegt der Markt mit der grundsätzlichen Richtung dieser Neubewertung richtig, kurzfristig erscheint das Ausmaß der Kursreaktionen jedoch überzogen.

TEMPORÄRE RÜCKSETZER

Für Investoren gilt: Megazyklen sind keine Einbahnstraße. Temporäre Ernüchterungsphasen, ausgelöst durch Profitabilitäts- und Disruptionssorgen, sind innerhalb eines strukturellen Aufwärtstrends plausibel und stellen zunächst keine Trendwende dar. Langfristig ist jedoch davon auszugehen, dass im KI-Wettlauf nicht alle Unternehmen und Geschäftsmodelle zu den Gewinnern zählen werden. Professionelle Investoren müssen daher stärker differenzieren und den Fokus legen auf nachhaltige Cashflow-Qualität, belastbare Wettbewerbsvorteile und die Fähigkeit der Unternehmen, ihre Investitionen in Erträge umzumünzen.