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Kapitalmärkte bleiben 2026 konstruktiv

Dezember 2025
Was Anleger vom kommenden Jahr erwarten können, erläutert Karin Kunrath, Chief Investment Officer bei Raiffeisen Capital Management.
RCM
Karin Kunrath, RCM

Das globale (reale) Wirtschaftswachstum wird in etwa mit knapp drei Prozent, wie im Vorjahr erwartet, betont Karin Kunrath, Chief Investment Officer bei Raiffeisen Capital Management in Hinblick auf 2026. In den USA gehen wir von einer ähnlichen oder vielleicht sogar leicht höheren Wachstumsdynamik als 2025 aus, getrieben von einer expansiven Fiskalpolitik, einer lockereren Geldpolitik und einem KI-induzierten Investitionsboom. In der Eurozone erwarten wir ein moderates Wachstum von ein Prozent, wobei Deutschland zum Wachstumsmotor wird, während die Dynamik in Ländern wie Italien oder Spanien im Vergleich zu 2025 abnehmen dürfte.

Inflationsraten werden 2026 unserer Erwartung nach weiter rückläufig sein, wobei in den USA die Zölle keine negativen Auswirkungen mehr haben werden. In der Eurozone wird die Inflation weiter von den Dienstleistungen getrieben, allerdings deuten die Vorlaufindikatoren auf eine weitere Entspannung hin. Entsprechend könnte das Inflationsziel der EZB unterschritten werden, allerdings nicht stark genug, um die EZB zu weiteren Zinssenkungen zu veranlassen. Entsprechend sehen wir nur eine kleine Chance für weitere Zinssenkungen der EZB 2026, während die Fed mehr Spielraum hat und diesen mit drei weiteren Zinssenkungen unserer Einschätzung nach auch nutzen wird.

STAATSANLEIHEN: STEILERE KURVE

2025 war von einem Twist der Zinskurve geprägt, was vor allem am langen Ende zu einem starken Anstieg der Kurve geführt hat. Das eröffnet für 2026 ein gutes Performancepotential für Staatsanleihen, vor allem wenn die Kurvendynamik sich im Jahresverlauf stabilisieren wird. Auch könnten Staatsanleihen im Falle einer Risk-Off-Bewegung profitieren und für Portfoliostabilität sorgen. Ähnlich wie beim Wirtschaftswachstum könnte es auch bei den Staatsanleihen zu einer Rotation kommen, Länder wie Italien und Spanien werden ihre Outperformance zu Deutschland wohl nicht fortsetzen können. Bei französischen Staatsanleihen könnte die Politik zu einem Aufflackern der Volatilität führen.

US-Treasuries sehen wir insgesamt konstruktiv, Zinssenkungen von in Summe 75 Basispunkten sollten auch zu einer guten Performance von längeren Laufzeiten führen. Eine Fed, die in ihrer Unabhängigkeit zu stark von der Regierung eingeschränkt erscheint, könnte aber eine Belastung für das lange Ende des Marktes darstellen. Für Euro-Anleger sehen wir auf Basis unserer Erwartung eines leicht schwächeren Euro-Kurses von 1,20 zum US-Dollar, leichte Verluste aus der Währungsentwicklung.

Unternehmensanleihen haben sich 2025 noch besser als von uns erwartet entwickelt, was vor allem auf die starke Nachfrage und solide Fundamentaldaten zurückzuführen war. Trotzdem richten wir auch 2026 unseren Fokus auf Unternehmensanleihen mit guter Bonität, da eine leichte Ausweitung der Risikoaufschläge schwächere Bonitäten stärker treffen könnte. Eine Emissionswelle von US-Emittenten am Euromarkt und ein starker Anstieg der M&A-Tätigkeit sind Faktoren, die für höhere Volatilität sorgen könnten. Insgesamt erwarten wir aber auch 2026 einen positiven Mehrertrag von Unternehmensanleihen und eine attraktive absolute Performance, wobei wir vor allem 3- bis 7-jährige Laufzeiten in unseren Credit-Portfolios im Fokus haben.

EMERGING MARKET-BONDS

Unser globales Szenario mit moderatem, aber stabilem Wirtschaftswachstum sowie der Aussicht auf weitere geldpolitische Lockerung seitens der US-Fed bietet eine solide Grundlage für die Erwartung einer weiterhin positiven Entwicklung von Schwellenländeranleihen im kommenden Jahr. Die Wachstumsaussichten für die Schwellenländer sind insgesamt moderat positiv; wobei jedoch länderspezifische Unterschiede bestehen: Während das Wachstum in China und Brasilien voraussichtlich etwas nachlassen wird, dürfte es sich in Mexiko und Osteuropa etwas beschleunigen. Stabile Inflationsaussichten und verbesserte makroökonomische Fundamentaldaten sollten den positiven Trend bei den Länderratings weiter unterstützen.

Obwohl die Risikoprämien von Hartwährungsanleihen historisch betrachtet bereits niedrig sind – auch weil hohe Ausfallrisiken einzelner Länder bereits ausgepreist wurden –, bleiben die Renditen der Eurobonds weiterhin attraktiv und sind der Haupttreiber der erwarteten Performance. Lokale Anleihen profitieren nach wie vor von attraktiven Zinsen in Landeswährung, was weitere Kapitalzuflüsse begünstigt. Einige Märkte, wie Brasilien und Südafrika, werden zudem von den zu erwartenden Zinssenkungen profitieren, die von fallenden Inflationsraten ermöglicht werden. Währungsseitig sehen wir weiteres Aufwärtspotenzial gegenüber dem US-Dollar, wobei unsere prognostizierte EUR/USD-Kursentwicklung für europäische Investor:innen Gegenwind darstellt.

ENTWICKELTE MÄRKTE: UMFELD BLEIBT POSITIV

Für 2026 dürften ein robustes Wirtschaftswachstum (vor allem in den USA), eine niedrige Inflation, weitere Zinssenkungen in den USA, mögliche Zollsenkungen sowie Konjunkturprogramme für den Wohnungsmarkt zu einem erneut positiven Umfeld für Aktien führen. Auch in Europa sehen wir fiskalpolitische Impulse, die ein Aufwärtsrisiko für die derzeit niedrigen Konsensschätzungen des GDP-Wachstums darstellen.

Darüber hinaus sollten auch die Unternehmensgewinne sowohl in Europa als auch in den USA zweistellig wachsen, was die derzeitigen Bewertungen rechtfertigen sollte.

Der wichtigste Trend wird die künstliche Intelligenz (KI) sein. Hier sehen wir die Gewinner nicht nur unter den “Magnificent 7”, sondern breiter gefächert. Überhaupt erwarten wir ein Comeback des breiten Marktes, auch weil das Thema KI nicht mehr nur im Technologiesektor zu spielen sein wird, sondern auf viele andere Branchen und Subbranchen übergreifen wird.

GIBT ES EINE KI-BLASE?

Zuletzt hatte der Internationale Währungsfonds (IWF), die Bank of England und auch die Europäischen Zentralbank vermehrt auf die Anfälligkeit der Finanzmärkte für Korrekturen hingewiesen. Das liegt unter anderem an den hohen Bewertungen von US-Technologieaktien und der starken Marktkonzentration in diesem Sektor. Ein Stimmungsumschwung an den Börsen – wie er speziell für diesen Sektor ja schon länger diskutiert wird – könnte zu Kursverlusten führen. Allerdings sehen wir derzeit keine massiv angestiegenen Risiken. Und die aktuelle Situation unterscheidet sich deutlich von der Dot.com-Blase, die immer wieder als Vergleich herangezogen wird, beispielsweise in Bezug auf die Geldpolitik der Notenbanken und die Gewinnsituation der Unternehmen. Zwischenzeitliche Kursrückgänge bzw. eine höhere Volatilität ist im Zuge eines Aufwärtstrends nichts Ungewöhnliches.

Europäische Aktien sehen wir neutral im Vergleich zu US-Aktien. Die Zinssenkungen dürften für ein kleines Wachstum in Europa sorgen, die Infrastrukturinvestitionen sollten 2026 langsam anlaufen und ebenfalls stimulierend wirken, und ein möglicher Friede in der Ukraine wäre natürlich ein weiterer positiver Trigger. Grundsätzlich sind Zinssenkungen bzw. niedrige Zinsen für Small Caps positiv, weil diese mehr Finanzierungsbedarf haben und das bei niedrigeren Zinsen weniger Kosten verursacht. In den USA ist der Zinssenkungs-Zyklus noch nicht weit fortgeschritten, deshalb sieht man noch keine Outperformance von Small Caps vs. Large Caps. Bei weiteren Zinssenkungen und einer positiven Wirtschaftsentwicklung könnten Small Caps 2026 aber durchaus interessant werden.

SCHWELLENLÄNDERAKTIEN

Für Optimismus bei den Schwellenländern spricht die sehr lange Phase der unterdurchschnittlichen Wertentwicklung und die insgesamt weiterhin deutlich günstigeren Bewertungen gegenüber den entwickelten Märkten, speziell den USA. Etwas zur Vorsicht mahnt aber, dass zuletzt offenbar schon recht viele Fondsmanager:innen auf eine Outperformance der Schwellenländer für 2026 setzen. Ob dies nur ihre verbale Einschätzung ist oder auch schon durch entsprechende Positionierungen untermauert ist, lässt sich nicht sagen. Euphorie oder sehr große Positionierungen sind aber nicht zu erkennen, auch nicht in den Kapitalflüssen. Insofern könnte man den gestiegenen Optimismus für Schwellenländer auch erst einmal als eine Widerspiegelung verbesserter Ertragsaussichten innerhalb institutioneller Investoren ansehen. Wie immer lässt sich aber weder aus solchen Einschätzungen noch aus Kursbewegungen der Vergangenheit eine verlässliche Prognose ableiten.

Getragen von den Technologiemärkten in Korea und Taiwan erwarten wir für 2026 ein weiteres starkes Jahr für Emerging Markets-Aktien. Der Halbleiter- und KI-Infrastrukturboom spielt diesen Ländern, als führende Zulieferer von Schlüsseltechnologien, in die Karten, erst recht, da das Bewertungsniveau spürbar günstiger ist als jenes in den USA. Der chinesische Markt bleibt trotz Handelskonflikten mit den USA attraktiv, da China seine Exportströme diversifiziert hat und Schwächen im US-Markt durch verstärkte Exporte in andere Regionen ausgleichen könnte. Zudem treibt das Land den Aufbau eines eigenständigen KI-Ökosystems voran und stärkt politisch den privaten Sektor, um Wachstum und Innovationen zu fördern.

Ein nicht ganz auszuschließender Rücksetzer in der Konjunktur würde wohl durch Maßnahmen zur Stützung der Binnennachfrage abgefedert werden. Indien ist mittel- bis langfristig einer der vielversprechendsten Aktienmärkte in Asien, trotz aktuell hoher Bewertungen, die das Chancen-Risiko-Verhältnis einschränken. Wesentliche Wachstumstreiber sind umfassende Strukturreformen, eine stark wachsende junge Mittelschicht mit steigendem Konsum sowie massive Investitionen in Infrastruktur. Nicht zuletzt profitiert Indien vom globalen Trend der Lieferketten-Diversifizierung, wodurch viele Unternehmen ihre Produktion dorthin verlagern und das Land als attraktiven Produktionsstandort etablieren.

GOLD KONSOLIDIERT

Gold ist aktuell in einer Konsolidierungsphase, die langfristigen Treiber – wie beispielsweise Käufe durch Zentralbanken – sind nach wie vor intakt.

Evidente Risikofaktoren nicht aus den Augen verlieren

· Einige Marktsegmente (siehe oben) weisen über hohe Bewertungen implizit hohe Erwartungen auf – über verschiedene Einflussfaktoren könnten diese Erwartungen enttäuscht werden und dementsprechend zu (temporären) Rücksetzern am Markt führen.

· Ein unerwarteter Anstieg der Inflationsraten könnte zu weniger oder keinen Zinssenkungen führen und damit zu einer veränderten Markteinschätzung.

· Eine wieder aufkommende Diskussion über die Höhe und Nachhaltigkeit der globalen Staatsschulden könnte zu steileren Zinskurven und zu Druck auf die (hohen) Aktienbewertungen führen.

· Unsicherheiten rund um den Wechsel an der Spitze der US-Notenbank und ein mögliches In-Frage-Stellen der Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit der Fed birgt das Risiko einer breiten Flucht der Anleger:innen aus USD-Assets mit entsprechenden Implikationen auf die einzelnen Assetklassen (z. B. weitere USD-Abwertung).

· Eine starke Abschwächung des US-Arbeitsmarktes und eine Rezession in den USA wäre ein Szenario, das entsprechende Risiken für Risky Assets birgt.

· Die geopolitischen Risiken bleiben auch 2026 evident (z. B. Ukraine/Russland, China/Taiwan). Die Entwicklungen in der Ukraine sind weiterhin schwer abschätzbar und ein möglicher Angriff von China auf Taiwan wird seit längerem diskutiert.

Auch wenn keiner dieser Risikofaktoren eintreffen muss, gilt es dennoch wachsam zu sein und je nach Situation, die Kapitalmarkteinschätzung und Positionierung entsprechend anzupassen.