Während der US-Index S&P 500 seit dem technologiegetriebenen Kursschub Ende Oktober 2025 weitgehend auf der Stelle trat, fand im Hintergrund eine entscheidende Umschichtung statt, konstatiert Nadège Dufossé, Global Head of Asset Allocation bei Candriam. Der Energie- und der Rohstoffsektor stiegen um jeweils rund 20 Prozent und Basiskonsumgüter legten im gut zweistelligen Bereich zu. Der Technologiesektor gab im gleichen Zeitraum um rund elf Prozent nach. Der gleichgewichtete Index konnte dagegen unauffällig neue Höchststände erreichen – ein Hinweis darauf, dass die Marktbreite zunimmt und die Führung nicht mehr nur bei den Indexschwergewichten liegt.
Künstliche Intelligenz (KI) ist nicht länger nur ein Wachstumsversprechen, sondern trennt den Markt zunehmend in Gewinner und Verlierer. Begünstigt werden Unternehmen, die auf der Infrastrukturebene des KI-Stacks positioniert sind – etwa im Bereich Halbleiter, Speicher, Rechenzentren, Netzwerken oder der Stromversorgung. Gleichzeitig geraten Teile des Software- und SaaS-Universums unter Druck, da KI-Agenten und Automatisierungstools die Preissetzungsmacht aushöhlen und traditionelle Abomodelle untergraben könnten. Das Problem sei laut Dufossé weniger ein Nachfragerückgang als vielmehr ein intensiverer Verdrängungswettbewerb, der die Wachstumserwartungen nach unten korrigiert.
KEIN GLEICHSCHRITT
Regionen, Branchen und Währungen bewegen sich aktuell nicht mehr im Gleichschritt. Gleichgewichtete Indizes lösen sich von kapitalisierungsgewichteten Benchmarks, Hardware entwickelt sich anders als Software, asiatische Halbleiterhersteller anders als US-Plattformen – und Schwellenländerwährungen können erstarken, obwohl die US-Zinsen hoch bleiben.
Basismetalle werden durch mehrere strukturelle Treiber gestützt: KI-Infrastruktur, Elektrifizierung, Verteidigungsausgaben und eine umfassende Kapitalerneuerung. Erdöl ist dagegen stärker von der Angebotsdynamik und zyklischen Nachfrageschwankungen abhängig. Edelmetalle behalten in Multi-Asset-Portfolios ihre strategische Rolle, unter anderem vor dem Hintergrund rückläufiger Realrenditen, der Diversifizierung von Währungsreserven und erhöhter politischer Risiken.
ASIEN IM FOKUS
Asien – insbesondere Korea und Taiwan – bleibt stark auf den Hardware- und Halbleiterzyklus konzentriert. Die USA behalten ihre Führungsrolle bei KI, wenn auch nicht mehr so eindeutig wie zuvor. Europa verbessert sich laut Dufossé indirekt über industrielle Lieferketten sowie über Staatsausgaben für Infrastruktur und Verteidigung. KI entwickelt sich damit nicht rückläufig, sondern reift und differenziert sich zunehmend aus.
Die makroökonomischen Bedingungen sind zwar weiterhin günstig, spielen für die Marktführerschaft aber eine geringere Rolle. In den USA basiert das Wachstum weiterhin auf der Nachfrage der privaten Haushalte, während Investitionen – insbesondere in KI – an Bedeutung gewinnen. Das verarbeitende Gewerbe hat sich stabilisiert und erreichte im Januar ein Vier-Jahres-Hoch. Der Euroraum zeigt ein bescheidenes, aber verbessertes Bild: Sinkende Hypothekenzinsen und nachlassende Inflation stützen die Inlandsnachfrage. Fiskalische Impulse – vor allem aus Deutschland – dürften schrittweise helfen. Zudem nahmen die Industrieaufträge im November und Dezember 2025 deutlich zu. China bleibt dagegen strukturell eingeschränkt und stabilisiert sich ohne klaren Beschleunigungsmotor.

