Seit dem 28. Februar fliegen die USA und Israel Angriffe auf den Iran, der mit Vergeltungsschlägen gegen Israel, US-Militärbasen in der Region und mehrere benachbarte Golfstaaten reagiert hat, konstatiert Amadeo Alentorn, Head of Systematic Equities.
Niemand kann sagen, wie lange dieser Konflikt noch andauern wird. Als Ziele dieser Militäroperation haben Vertreter der US-Regierung unter anderem eine Schwächung der nuklearen und militärischen Fähigkeiten des Irans genannt. Präsident Trump hat zudem einen Regimewechsel ins Spiel gebracht. Was genau die USA erreichen wollen, und in welchem zeitlichen Rahmen, bleibt jedoch unklar.
Die Entwicklungen verunsichern Anleger. Dabei lassen sich stets Gründe finden, die gegen eine Investment in Risikoanlagen sprechen. Blickt man auf die Entwicklungen der vergangenen 100 Jahre zurück, hatten Anlegern reichlich Grund zur Sorge. In rascher Abfolge kam es zu bedrohlichen politischen, militärischen, wirtschaftlichen und finanziellen Ereignissen. Trotzdem ist der S&P 500 – ohne Berücksichtigung von Dividenden – seit Ende 1927 um rund 38.000 Prozent gestiegen. Das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wertsteigerung von 6,25 Prozent.
Über einzelne Zwölfmonatszeiträume sind Aktienrenditen häufig negativ – seit dem 31. Dezember 1927 war dies in 30,6 Prozent der Jahre der Fall. Über längere Zeiträume zeigt sich jedoch ein deutlich besseres Bild: Der Anteil der Zehnjahresperioden mit einer negativen Rendite ist mit 11,3 Prozent erheblich niedriger. Über Zeiträume von 20 Jahren beträgt die historische Verlustwahrscheinlichkeit nur noch 3,5 Prozent.
PSYCHOLOGISCHE FEHLER
Menschen neigen dazu, einschneidende negative Ereignisse stärker in Erinnerung zu behalten als positive Ereignisse. Viele erinnern sich genau, wo sie zum Zeitpunkt der Terroranschläge auf die USA am 11. September 2001 waren, einige vielleicht noch daran, wie sie in den Nachrichten von der Ermordung von John F. Kennedy am 22. November 1963 erfuhren. Negative Ereignisse setzen sich in unseren Köpfen fest.
Die neue Erwartungstheorie besagt, dass Anleger Gewinne weniger schätzen, als sie Verluste fürchten. Der mit dem Verlust von Geld verbundene emotionale Schmerz ist größer als die Freude über einen gleich hohen Gewinn. Anleger handeln nicht rein rational. Menschen werden durch Ereignisse der jüngeren Vergangenheit stärker beeinflusst als durch Ereignisse, die weiter zurückliegen – in der Finanztheorie wird dieses Phänomen auch als „Recency Bias“ bezeichnet. Dramatische Schlagzeilen können das Denken von Menschen stärker bestimmen als stetige langfristige Fortschritte. Unsere kurzsichtige Verlustaversion führt dazu, dass wir uns übermäßig auf kurzfristige Schwankungen konzentrieren, anstatt auf langfristiges Wachstum. Detailliertere Einblicke in irrationales Anlegerverhalten und seine Auswirkungen auf die Märkte erhalten Sie in meinem jüngsten Artikel.
LANGFRISTIGE RESILIENZ
Aktienmärkte können volatil sein. Die Marktauswirkungen der meisten negativen Ereignisse sind jedoch von relativ kurzer Dauer. Über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten betrachtet, zeichnen sich globale Aktien durch ihren stetigen langfristigen Aufwärtstrend aus. Natürlich gibt es auch Märkte, die sich über längere Zeit nicht von der Stelle bewegen, wie Japan nach 1990. Die meisten globalen Aktienmärkte haben sich jedoch auf lange Sicht als hervorragende Anlage erwiesen.
Woher kommt diese langfristige Resilienz der globalen Aktienmärkte? Die Börse ist kein Nullsummenspiel, sondern spiegelt das Wachstum der Realwirtschaft wider. Wenn Unternehmen mit Herausforderungen konfrontiert sind, zeigen sie sich bemerkenswert anpassungsfähig. Sie sind innovativ, senken Kosten, treten in neue Märkte ein und entwickeln neue Technologien. Wirtschaftliche Rückschläge können den Fortschritt bremsen – zumindest in dieser Phase der Menschheitsgeschichte kehren sie ihn jedoch selten dauerhaft um. Die globalen Aktienmärkte stehen für das Eigentum an produktiven Vermögenswerten wie Fabriken, geistigem Eigentum, Marken oder Humankapital. In aller Regel ist der Wert dieser Vermögenswerte im Laufe der Zeit gestiegen.
Die Grundprinzipien der Kapitalanlage sind unverändert: langfristig investieren, auf Diversifikation achten, Risiken steuern und sich nicht zu sehr von kurzfristigem Marktrauschen beirren lassen. Unserer Ansicht nach ermöglicht aktives Management eine dynamischere Erkennung von Risiken und Chancen – im Gegensatz zum passiven Investieren, bei dem es zu einer Übergewichtung von Marktsegmenten kommen kann, die sich in den letzten Jahren gut entwickelt haben, mittlerweile aber möglicherweise überbewertet sind. Die Bewertung ist ein weiteres Grundprinzip des Investierens.
Die Lehre aus den vergangenen 100 Jahren lautet nicht, dass Märkte Krisen vermeiden, sondern dass sie sie überdauern. Anleger, die auf Gewissheit warteten, fanden diese selten. Anleger, die an ihren Anlagen festhielten, stellten fest, dass Geduld eine Tugend ist.

