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Nachhaltige Geldanlagen: Mehr Ehrlichkeit und Sachlichkeit

April 2023
von Lisa Breitenbruch (Advanced Impact Research GmbH) und Anna Katharina Dahms (QNG / FNG-Siegel)
FNG-Siegel

Grüner Etikettenschwindel“ oder „Grünes Geld – Fragwürdige Geschäfte mit dem guten Gewissen“. Wer aktuell Wirtschaftsnachrichten liest, kommt an groß angelegten Investigativ-Recherchen, Enthüllungsartikeln und NGO-Berichten zu (vermeintlichen) Verfehlungen nachhaltiger Geldanlagen nicht vorbei. Das ist einerseits begrüßenswert – es steht außer Frage, dass kritisch diskutiert werden muss, ob alles, was in der Finanzwelt aktuell als „nachhaltig“ beworben wird, es auch tatsächlich ist. Andererseits ist es verwunderlich, wie pauschal, oberflächlich und undifferenziert die geäußerte Kritik teilweise ist.

Im Kern fußt die Kritik fast immer auf der Identifikation „kritischer“ Einzeltitel in einem Finanzprodukt. Häufig wird darauf aufbauend dann in Frage gestellt, ob nachhaltige Geldanlagen an sich nicht eigentlich nur Marketingtricks oder gar Betrug seien. Durch diese simplifizierte Pauschalkritik in den Mainstream-Medien wird das Vertrauen von Verbraucherinnen und Verbrauchern in nachhaltige Geldanlagen zerstört, ohne wirklich Alternativen aufzuzeigen.

Was fehlt, ist eine Beleuchtung der existierenden Graustufen. Einige zentrale Punkte werden nach unserem Ermessen nicht ausreichend thematisiert:

  1. Die Definition, was „nachhaltig“ ist und was nicht, ist weder trivial noch wertfrei. In Absenz einer gesellschaftlichen Konsensdefinition ist die Gefahr groß, partikulare Überzeugungen mit einem Allgemeingültigkeitsanspruch zu versehen, den diese nicht haben.
  2. Große Teile der Realwirtschaft sind (noch) nicht „nachhaltig“. Wir befinden uns mitten in einem massiven Strukturwandel. Eine gezielte Unterstützung der Vorreiter dieser Transformation und entsprechender Aktivitäten kann große, positive Nachhaltigkeitseffekte haben.
  3. Neben Nachhaltigkeit spielen bei der Geldanlage andere Aspekte wie Risiko und Rendite eine zentrale Rolle. Geeignete Finanzprodukte müssen eine angemessene Balance finden. Eventuelle negative Effekte eines zu engen Verständnisses von „Nachhaltiger Geldanlage“ (also 100 Prozent „nachhaltige“ Titel, sonst nichts) – etwa auf die Risikostreuung – gilt es zu thematisieren.

Nachhaltige Geldanlagen bieten viel mehr, als die Mainstream-Berichterstattung aktuell suggeriert. Der konsequente Ausschluss „kritischer“ – etwa nicht-transformierbarer – Wirtschaftsaktivitäten oder der ausschließliche Fokus auf „nachhaltige“ Titel sind nur zwei Optionen. Daneben existiert eine Vielzahl weiterer – durch wissenschaftliche Studien untermauerter – Ansätze, über Finanzprodukte einen Investoreneinfluss für mehr Nachhaltigkeit geltend zu machen: Sei es über die Bereitstellung zusätzlichen Kapitals, gegebenenfalls auch an noch nicht „nachhaltige“ Unternehmen, sofern (etwa über nachhaltige Anleihen) eine positive Transformationswirkung der Investition erwartet wird. Oder über die aktive Beeinflussung von Unternehmen, etwa durch Engagement oder Stimmrechtsausübung.

Mit dem FNG-Siegel existiert seit fast zehn Jahren ein Qualitätsstandard für nachhaltige Investmentfonds im deutschsprachigen Raum, welcher Finanzprodukte in ihrer Komplexität prüft und bewertet. Die ganzheitliche Methodik des Gütezeichens basiert auf einem Mindeststandard von Transparenz, Analyse- und Ausschlusskriterien und einer „Kür“ in den Bereichen „Institutionelle Glaubwürdigkeit“, „Produktstandards“ und „Portfolio-Fokus“. Hierbei können Produkte mit bis zu drei Sternen prämiert werden.