Auf dem Markt für innovative Krebsdiagnostiken und -therapien gibt es bei weitem nicht nur einen Gewinner. Das betonten Servaas Michielssens, Head of Thematic Global Equity – Healthcare, und Pasquale Sansone, Portfolio Manager bei Candriam, in ihrem Kommentar.
Während bedeutende Fortschritte der Präzisionsonkologie bei bestimmten Tumorindikationen – wie multiples Myelom, Brust- und Lungenkrebs – bereits zum Tragen kommen, werden viele Krebsarten nach wie vor nicht ausreichend individualisiert behandelt. Aus diesem Grund wird erwartet, dass nicht-selektive Therapien wie die Chemotherapie in den nächsten fünf bis zehn Jahren schrittweise durch biomarkergesteuerte Strategien ersetzt und neue, zielgerichtete Therapien und Immuntherapien wie Zelltherapien entwickelt werden.
PRÄZISIONSONKOLOGIE AM WENDEPUNKT
In den letzten Jahren stieg die Anzahl der Zulassungen im Bereich Präzisionsonkologie an, was ihre zunehmende klinische Bedeutung widerspiegelt. Allein in den letzten zehn Jahren wurden 33 wichtige neue zielgerichtete Therapien für 20 Krebsarten zugelassen, die neue Behandlungsmöglichkeiten für genetisch und histologisch definierte Subtypen von Tumoren eröffnen. Zwischen dem 1. Juli 2024 und dem 30. Juni 2025 hat die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA 20 neue Therapeutika für verschiedene Krebsindikationen und ein neues Gerät zur Behandlung von Lungenkrebs zugelassen sowie die Indikationen von acht bereits zugelassenen Therapien auf weitere Krebsarten erweitert.
Wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend im Jahr 2026 und darüber hinaus fortsetzen wird, insbesondere bei traditionell schwer zu behandelnden Krebsarten wie Darm-, Prostata-, Harnblasen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs. Zu den neuen Therapien gehören selektive Inhibitoren bekannter Onkogene – wie die KRAS-Mutationen bei Bauchspeicheldrüsen-, Dickdarm- und Lungenkrebs – sowie Radiopharmazeutika gegen verschiedene Krebsarten. Bei Radiopharmazeutika wird eine radioaktive Verbindung mit einem Targeting-Mittel kombiniert, das spezifische Proteine auf Krebszellen bindet. Dies ermöglicht eine hochgradig lokalisierte Strahlenabgabe, während das umliegende gesunde Gewebe geschont wird. Diese Behandlung wird zunehmend als präzisere und sicherere Alternative zur konventionellen Strahlentherapie angesehen.
Bei Candriam erforschen und analysieren wir aktiv neuartige pharmakologische und diagnostische Strategien, die wirksamere und individualisierte Krebsbehandlungen ermöglichen könnten. Wir setzen unsere Onkologie-Expertise ein, um die klinischen und kommerziellen Vermögenswerte mit den größten Erfolgsaussichten zu identifizieren. Dabei konzentrieren wir uns auf Innovationen, die einen bedeutenden Nutzen für die Patienten und eine nachhaltige, langfristige Wertschöpfung mit sich bringen können.
WESENTLICHE WACHTUMSTREIBER
Demografische Trends, einschließlich Alterung der Bevölkerung und sozioökonomischer Veränderungen, werden voraussichtlich zu einem erheblichen Anstieg der weltweiten Krebsinzidenz führen. Bis zum Jahr 2040 wird die Zahl der weltweiten Krebsneuerkrankungen im Vergleich zu 2022 voraussichtlich um 47 Prozent auf jährlich 28,4 Millionen ansteigen. Parallel dazu haben staatliche Investitionen, ein Biotechnologie-Boom und die Digitalisierung von Gesundheitsdaten die Innovationstätigkeit im gesamten Onkologie-Ökosystem beschleunigt – von der Arzneimittelforschung und Diagnostik bis hin zur intelligenteren Konzeption klinischer Studien.
Diese Fortschritte verkürzen die Entwicklungszeiten und ermöglichen gezieltere und effizientere klinische Studien. Die Patienten kümmern sich zunehmend um ihre eigene Versorgung und suchen nach personalisierten Informationen, die eine fundierte Entscheidungsfindung unterstützen. Ein höheres Engagement der Patienten führt wiederum zu einer besseren Beziehung zwischen Patient und Therapeut, einer besseren Einhaltung der Therapie und letztlich zu besseren klinischen Ergebnissen. All diese Faktoren sorgen für ein verstärktes langfristiges Wachstum der Präzisionsonkologie.
DEFENSIVES WACHTUMSFELD
Die Onkologie ist nach wie vor eines der dynamischsten Segmente des Gesundheitswesens und wird durch einflussreiche demografische, klinische und technologische Faktoren vorangetrieben. Das Gesundheitswesen entwickelt sich durch eine ständige Nachfrage nach Heilmitteln weiter, die aus der zunehmenden Verbreitung von Krankheiten resultiert. Dazu gehören auch Krebserkrankungen, die leider weiterhin die zweithäufigste Todesursache in den USA und weltweit darstellen. Wir sind der Auffassung, dass der Onkologie-Markt ein erhebliches Wachstum erfährt, das aus finanzieller Sicht genutzt werden kann.
Die Nachfrage im Gesundheitswesen ist weitgehend unempfindlich gegenüber Konjunkturzyklen und die Onkologie profitiert weiterhin von anhaltender Innovation, hoher Preissetzungsmacht, hohen Gewinnspannen und expandierenden klinischen Märkten. Viele Onkologie-Unternehmen verfügen über solide Bilanzen mit steigenden Umsätzen und sind weniger anfällig für höhere Finanzierungskosten.
Bei der Betrachtung der Bewertung und der Finanzierungsdynamik der innovativsten Unternehmen des Sektors, ist festzustellen, dass es wichtige Auslöser gibt, die das Wachstum unterstützen werden:
* Ein fortgeschrittener Reifegrad der in der Entwicklung befindlichen Technologien, der auf eine höhere Erfolgswahrscheinlichkeit hinweist
* Zunehmende Zulassungen neuer Arzneimittel und Diagnoseinstrumente
* Angemessene und/oder niedrige Bewertungen dieser Unternehmen/Vermögenswerte im Hinblick auf ihr fortgeschrittenes Stadium der klinischen/kommerziellen Entwicklung; viele Unternehmen, deren Produkte sich in einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium befinden oder die kurz vor der Zulassung eines Medikaments stehen, sind eher wie Unternehmen in der Frühphase bewertet
Wir sehen diese Indikatoren als ein Signal für erhöhte Investitionsmöglichkeiten in solide Unternehmen, die über ausgereifte Daten verfügen und an Produkten in einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium arbeiten. Außerdem erwarten wir eine Erholung der Unternehmenskonsolidierungen (Übernahmen) im öffentlichen Sektor. Im Jahr 2025 gab es vier große Akquisitionen im Bereich Onkologie durch große Pharmaunternehmen, die 34 Prozent des gesamten in Fusionen und Übernahmen investierten Kapitals in diesem Jahr ausmachten.

