Startseite » Beatrix Boutonnet » Schwellenländer im Blick

Schwellenländer im Blick

September 2026
Weshalb Aktien aus den Emerging Markets langfristig ein lukratives Investment sein können, analysiert Martin Fechtner, ODDO BHF Emerging Markets.
ODDO BHF AM
Martin Fechtner, ODDO BHF AM

Auch wenn Schwellenländer häufig mit Risiken wie politischer Instabilität und Währungskursschwankungen assoziiert werden, stellen sie für langfristig orientierte Anleger eine der wichtigsten Quellen für globales Wachstum, Innovation und Diversifikation dar. Schon lange keine Nischenallokation mehr, wachsen sie trotz zuletzt gesenkter Prognosen weiterhin schneller als die Industrieländer und bilden somit eine tragende Säule der Weltwirtschaft.

Dieser Wachstumsvorsprung ist für Anleger aus zwei Gründen besonders wichtig, hält ODDO BHF Asset Management in einem aktuellen Marktkommentar fest. Auf der einen Seite können Anleger von strukturellen Faktoren wie Demografie, steigenden Einkommen und Investitionen in Infrastruktur profitieren. Auf der anderen bieten Schwellenländer Zugang zu Regionen und Sektoren, die in klassischen Portfolios häufig unterrepräsentiert sind. Schwellenländer profitieren somit neben einer steigenden Binnennachfrage auch vom Weltmarkt, weil beispielsweise Investitionen in KI-Infrastruktur auf sie als Produktionsstandorte angewiesen sind.

„Märkte wie China, Indien oder Südkorea, die vor wenigen Jahren vor allem Rohstoffe und kostengünstige Fertigung anboten, nehmen inzwischen eine zentrale Rolle im globalen Innovationsgeschehen ein,“ erklärt Martin Fechtner, Portfoliomanager des Aktienfonds ODDO BHF Emerging Markets. Gleichzeitig sorge eine wachsende junge Bevölkerung in Teilen Asiens, Lateinamerikas und Afrikas für eine strukturell ansteigende Nachfrage nach Infrastrukturinvestitionen in Bereichen wie Gesundheit, Wohnen und Finanzdienstleistungen. „Dieser Trend begünstigt vor allem Unternehmen mit starken lokalen Marken, skalierbaren Plattformen und Zugang zu wenig erschlossenen Märkten. In Bereichen wie E-Commerce, digitalem Banking, Gesundheitswesen und konsumnahen Dienstleistungen weisen viele Schwellenländer eine nach wie vor deutlich niedrigere Marktpenetration auf als die Industrieländer. Dies eröffnet Chancen für langfristiges Wachstum, da die Einkommen steigen und die fortschreitende Digitalisierung das Konsumverhalten verändert,“ so Fechtner.

Unternehmen in Schwellenländern dürften im Vergleich zu anderen wichtigen Regionen das stärkste Gewinnwachstum verzeichnen. So wird für den MSCI Emerging Markets 2026 und 2027 ein deutlich stärkeres Gewinnwachstum erwartet als für die USA, Europa und Japan, was die Investmentthese für Schwellenländeraktien zusätzlich stützt.

Chinas Fortschritte in den Bereichen Elektromobilität und Batterien seien ebenso wie die Rolle südostasiatischer Firmen wie TSMC, Samsung und SK Hynix für die Halbleiterfertigung weitbekannt, die Innovationskraft und Kostenvorteile chinesischer Technologie- und Pharmaunternehmen dagegen weniger. Gleichzeitig entfallen inzwischen mehr als 75 Prozent des MSCI Emerging Markets Index auf andere Länder als China. Märkte wie Indien, Taiwan, Südkorea, Brasilien und Mexiko bieten vielfältige Wachstumstreiber und eröffnen zahlreiche Anlagechancen. Hinzu kommen die im Vergleich zu den USA und anderen Industrieländern niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnisse. „Damit eröffnet sich Anlegern die Chance auf höheres Wachstumspotenzial zu attraktiven Einstiegsbedingungen.“

SELEKTIVER ANSATZ

Die Investmentexperten von ODDO BHF AM weisen darauf hin, dass Schwellenländer vielfältige Anlagemöglichkeiten böten, jedoch keineswegs homogen seien: „Länder- und geopolitische Risiken, Währungsschwankungen, Corporate-Governance-Standards und regulatorische Rahmenbedingungen unterscheiden sich teils erheblich. „Es genügt daher nicht, pauschal Schwellenländeraktien zu kaufen.“ Stattdessen gilt es, dieses Anlageuniversum gezielt über einen selektiven, diversifizierten und qualitätsorientierten Ansatz zu erschließen. In maßgeblichen Schwellenländerindizes nehmen Großunternehmen mit erheblichem staatlichem Einfluss, Finanzinstitute oder rohstoffnahe Unternehmen oft strukturell ein hohes Gewicht ein. „Diese Unternehmen mögen in ihren Volkswirtschaften eine wichtige Rolle spielen, zählen jedoch nicht zwingend zu den innovativsten Marktsegmenten. Zudem stehen die Interessen der Aktionäre nicht immer an erster Stelle,“ weiß Fechtner.

Im Mittelpunkt des Anlageprozesses sollten daher Unternehmen mit soliden Bilanzen, nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen, transparenter Corporate Governance und langfristigen Wachstumstreibern stehen. Durch die heterogenen regulatorischen Standards ist zudem eine ESG-Analyse sinnvoll, die Unternehmen identifiziert, die gut auf ökologische und soziale Risiken vorbereitet sind. Auf dieser Grundlage können Anleger strukturelle Gewinner von „Value Traps“ unterscheiden.