Im Lichte weltweiter Energieknappheit fällt der Blick vieler Anleger:innen wieder auf nachhaltige Investments. Diese entwickeln sich vom Hype früher Jahre nun zu einem etablierten, aber anspruchsvollen Anlagebereich. Nach einem schwierigen Jahr 2025 mit deutlichen Mittelabflüssen bei ESG-Fonds (ESG = Environmental, Social, Governance), insbesondere in Europa, zeigen sich jetzt wieder Tendenzen zur Stabilisierung dieses Segments, schreiben die Experten des Steiermärkische Sparkasse Private Banking.
WIRKUNG UND RENDITE
Der Markt befindet sich in einer Übergangsphase zwischen kurzfristigem Gegenwind aufgrund steigender Zinsen, politischer Gegenbewegungen vor allem in den UA sowie manchen Zweifeln an der Wirkung von ESG. Nachhaltige Investments werden aber auch bereits als „reifer“ und differenzierter wahrgenommen, während Investoren ihr Augenmerk zunehmend auf die konkrete Wirkung und Rendite richten. Eine gute Performance ist ein zentraler Treiber für die Nachfrage: Einige ESG-Fonds konnten in den letzten Jahren sogar den Weltindex schlagen. Nachhaltigkeit wird nicht mehr nur aus dem Blickwinkel weltanschaulicher Überzeugung, sondern als potenzielle Outperformance-Strategie gesehen.
Der Markt entwickelt sich inhaltlich stetig weiter: Der Fokus verschiebt sich auf sogenannte „Transitioner“, also solche Unternehmen, die sich aktiv nachhaltiger ausrichten und sich verstärkt im Bereich ESG engagieren. Investoren setzen stärker auf diesen Wandel in Unternehmen statt „perfekt nachhaltige“ Firmen zu suchen. Gleichzeitig ist es besonders spannend zu beobachten, dass ESG breiter und komplexer wird. Trotz der Milliarden Gelder, die in den nächsten Jahren und Jahrzehnten in den Ausbau von Solar- und Windenergie fließen werden, ist das Thema Klimawandel nicht mehr so dominant wie früher. Gesundheit und soziale Themen bekommen mehr Gewicht. Neue Themen wie KI-Ethik, Korruption und Governance sowie Lieferketten und die Einhaltung von Menschenrechten spielen eine zunehmende Rolle.
REGIONALE VERSCHIEBUNG
Die Zahl der ESG-Fonds, die auf den Markt kommen, steigt weiter deutlich. Diese werden differenzierter und immer feiner segmentiert: Die Auswahl reicht von reinen Klima-Fonds, Impact-Fonds bis zu anderen thematischen ESG-Strategien. Das Kapital, das in ESG-zertifizierte Investments fließt, wird indessen nach Regionen neu verteilt. Schwellenländer wie z.B. Indien gewinnen an Bedeutung durch ihr bemerkenswertes Wirtschaftswachstum und durch Fortschritte bei ESG-Themen. Europa ist weiterhin führend bei ESG-Regulierung und dem Angebot. Unübersehbar ist der politische Gegenwind in den USA, der die Nachfrage bremst.

